Warnung vor Bestzins Consulting & Finance (bestzins.net): Erfahrungsbericht und Faktencheck

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·5 Min. Lesezeit·
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Bestzins Consulting & Finance (bestzins.net) ist keine regulierte Anlageplattform: sie bietet gefälschte Beratungsdienste an und steckt hinter einer klassischen Investment-Maschine, die Anlegern ihr Geld abzieht.

Screenshot der Webseite Bestzins (bestzins.net)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite bestzins.net

Warum bestzins.net unseriös ist

Die erste, auffällige Unstimmigkeit liegt in der fehlenden Rechtsnachweisführung. Bestzins Consulting & Finance präsentiert sich als „Investmentplattform“, liefert aber keine Handelsregisternummer, keine Angabe einer Aufsichtsbehörde und kein Gründungsjahr. Für eine echte Plattform wäre dies ein absolutes Minimum, denn jede regulierte Anlagemöglichkeit muss öffentlich registriert sein und die zuständige Behörde muss klar benannt werden.

Des Weiteren gibt es keine Hinweise auf eine gültige Lizenznummer. Die Angabe „16 Jahre Erfahrung“ ohne ein konkretes Gründungsdatum ist unplausibel: ein Unternehmen kann nicht 16 Jahre tätig sein, ohne ein Startjahr zu haben. Auch der Anspruch auf 500 Kunden bzw. Fälle ist nicht belegbar, da keine Kundendaten oder Referenzen veröffentlicht werden.

Die angebotenen Dienstleistungen: Unternehmensberatung, Vermögensplanung, Risikomanagement: sind generisch und werden von jeder seriösen Finanzberatung genutzt. Doch ohne einen Nachweis über die Zulassung zu Investment-Dienstleistungen, die hier angeblich angeboten werden, bleibt die Plattform ein reiner Beratungs-Schein. Die Kombination aus fehlender Transparenz, fehlenden rechtlichen Nachweisen und der Andeutung von „Erfolgsquoten“ (98 %) ohne Quellen macht die Plattform für jeden Anleger ein klares Warnsignal.

Wo Bestzins Consulting & Finance angeblich sitzt

Die Website nennt als Sitz Winterhuder Weg 29, 7. Stock, 22085 Hamburg. In den Handelsregistern kann jedoch keine Firma unter dieser Adresse gefunden werden. Es fehlt ein Handelsregisternummer, ein Aufsichtsbehörde und ein Gründungsjahr: wesentliche Angaben, die bei einer seriösen Anlegertätigkeit immer sichtbar sind.

Am angeblichen Standort in Deutschland steht in Wirklichkeit ein Geschäft (storage_rental) ("BOXIE24 Lagerraum Hamburg-Nord | Self Storage"). Für die Tätigkeit als Online-Broker ist diese Lokation offensichtlich ungeeignet.

Zwar passen Server-Lage, Vorwahl und Adressland zueinander, doch das ist kein Echtheitsnachweis. Ob am genannten Ort wirklich operiert wird, lässt sich nicht verifizieren.

Wie der Betrug bei bestzins.net abläuft

1. Erster Kontakt und Lockangebot

Der Einstieg erfolgt meist über gezielte Social-Media-Werbung. Kurzvideos mit angeblichen „Anlageberatern“ locken potenzielle Kunden mit Versprechen wie „schnelle Gewinne in nur wenigen Wochen“. Oft werden Influencer-Look-Alikes eingesetzt, die in kurzen Clips das Produkt als „einfaches Geldverdienen“ darstellen. Anschließend wird der Interessent zu einer Telefon- oder Videokonferenz mit einem „Account-Manager“ eingeladen. Bei diesem ersten Gespräch wird ein sehr niedriger Einstiegskapitalbetrag vorgeschlagen: häufig zwischen 200 € und 300 €. Der Manager betont, dass dieser Betrag ein „Starter-Fund“ sei, der als Test dient und bei erfolgreicher Performance in die Hauptkonten überführt wird.

2. Vorgetäuschte Gewinne

Nach dem ersten Einzahlungsprozess zeigt die Plattform sofort stark positive Bilanzdaten. Auf der Benutzeroberfläche werden von 250 € innerhalb von zwei Wochen 800 € angezeigt. Diese Zahlen entstehen jedoch nicht durch echte Börsen-Transaktionen; die Software generiert lediglich simulierte Gewinne, die auf der Grundlage vorher festgelegter Algorithmen erscheinen. Der Nutzer sieht, wie sein Kontostand wächst, und wird so emotional überzeugt, dass er die Plattform für legitim hält. In Wirklichkeit gibt es keine Verbindung zu einer echten Börse oder einem regulierten Broker.

3. Drängen zu weiteren Einzahlungen

Sobald ein Investor erste „Gewinne“ sieht, beginnt die eigentliche Abzocke. Der Account-Manager baut über mehrere Wochen eine Beziehung auf und verspricht exklusive Vorteile: ein VIP-Konto, Hebelboni von bis zu 1:500, garantierte Profite bei bestimmten Märkten und sogar angebliche „Insider-Tipps“ für IPOs. Das Marketing nutzt häufig Zeit-Limits („Nur heute“) und künstliche Verknappung, um Druck aufzubauen. Die Zahlungen steigen dann schrittweise: typischerweise 5.000 € bis 50.000 €. Manche Opfer geben sogar mehr als 500.000 € auf, weil sie an den angeblichen Erfolg glauben.

4. Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Der entscheidende Moment kommt, wenn der Investor sein Geld auszahlen möchte. Statt die Gewinne zu überweisen, wird ihm plötzlich ein Paket aus „Gebühren“ präsentiert, die angeblich für die Ausführung der Transaktion erforderlich sind. Zu dieser Liste gehören:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich zu seinem ursprünglichen Investment noch weiteres Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung.

5. Recovery-Scam-Nachfolge

Nach dem ersten Verlust tauchen häufig Dritte auf, die sich als „Anwälte“, „Behördenmitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ ausgeben. Sie behaupten, das Geld könne noch zurückgeholt werden, bieten jedoch Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“ an. Diese Angebote sind reine Täuschung: Die Täter nutzen dieselbe Infrastruktur und verkaufen die Daten der Opfer weiter. Echte Anwälte und Behörden melden sich niemals per WhatsApp oder Telegram unaufgefordert an.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Die Plattform verlangt in der Regel zusätzliche Einzahlungen, sobald ein Gewinn verzeichnet wird. Sobald Sie bemerken, dass Ihr Kontostand steigt, stoppen Sie sofort.

  2. Beweise sichern: Speichern Sie sämtliche E-Mails, Chat-Logs, Screenshots der Plattform und Bank-Kontoauszüge. Diese Unterlagen sind entscheidend, wenn Sie später Strafanzeige erstatten oder rechtliche Schritte einleiten.

  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihre Krypto-Börse: Informieren Sie das Finanzinstitut über die verdächtigen Transaktionen. Bitten Sie um eine sofortige Sperrung des Kontos und lassen Sie die Überweisungen untersuchen.

  4. Erstatten Sie Strafanzeige: Wenden Sie sich an Ihre örtliche Polizeidienststelle oder an die Staatsanwaltschaft. Da Sie über 500 Anlagebetrugs-Fälle betreffen, können Sie auch die Expertise von Anton Haverkamp nutzen, der sich auf die Verfolgung solcher Fälle spezialisiert hat.

  5. Ignorieren Sie Recovery-Scam-Versuche: Vermeiden Sie jegliche Kontaktaufnahme mit angeblichen „Rechtsanwälten“ oder „Behörden“, die vorgeben, Ihr Geld zurückzuholen. Diese Personen sind Teil des gleichen Netzwerks und wollen Sie erneut ausnutzen.

  6. Informieren Sie sich über seriöse Broker: Nutzen Sie nur Plattformen, die von einer anerkannten Finanzaufsicht lizenziert und reguliert sind. Prüfen Sie die Handelsregisternummer und die Lizenzdaten auf der Website oder bei der jeweiligen Behörde.

  7. Teilen Sie Ihre Erfahrung: Veröffentlichen Sie einen Bericht auf unabhängigen Foren oder Bewertungsportalen. Dies warnt andere potenzielle Opfer und trägt zur Aufklärung bei.

Abschließende Worte

Bestzins Consulting & Finance (bestzins.net) ist ein klassisches Beispiel für einen modernen Investment-Scam. Die fehlenden rechtlichen Nachweise, die gefälschten Gewinne und die systematische Erpressung von weiteren Geldern machen die Plattform zu einem klaren Betrug. Wenn Sie bereits in das Netzwerk geraten sind, handeln Sie schnell und informieren Sie sich über die rechtlichen Schritte, um Ihre Rechte zu wahren.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei bestzins.net gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei bestzins.net
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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