goldbenchclub.com: So gehen Betrüger vor

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·6 Min. Lesezeit·
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Goldbenchclub unter goldbenchclub.com ist nach unserer Einschätzung eine Falle für gutgläubige Anleger. Die vermeintlichen Gewinne auf dem Konto existieren laut Betroffenen nur auf dem Bildschirm.

Screenshot der Webseite Goldbenchclub (goldbenchclub.com)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite goldbenchclub.com

Warum goldbenchclub.com unseriös ist

Die erste Warnung gegen Gold-Bench Club ergibt sich aus einer Reihe von Inkonsistenzen, die sich in den öffentlichen Daten zeigen. Auf der Website gibt es weder eine Registrierungsnummer noch eine Angabe einer Aufsichtsbehörde. Für ein legitimes Finanzunternehmen ist die Offenlegung einer Lizenznummer und eines Aufsichtsorgans ein Grundpfeiler des Vertrauens. Ohne diese Angaben lässt sich nicht nachvollziehen, ob die Plattform überhaupt die Genehmigung hat, Finanzdienstleistungen anzubieten.

Weiterhin wird die Adresse „575 Fifth Avenue, 39th Floor, New York, NY 10017-2422“ angegeben, während in allen handelsregisterähnlichen Quellen keine Firma mit diesem Namen dort eingetragen ist. Das ist ein starkes Signal, dass die Adresse als Tarnung dient. Auch das Fehlen einer klaren Gründungszeitpunkt-Frage ist ein Hinweis, weil seriöse Unternehmen immer einen Firmengründungszeitpunkt veröffentlichen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die fehlende Angabe einer Lizenznummer. Ohne eine Lizenz kann die Plattform nicht legal handeln. Das ist nicht nur ein rechtlicher Mangel, sondern ein klares Anzeichen dafür, dass die Plattform nicht über die notwendigen regulatorischen Kontrollen verfügt. Auch wenn die Website angeblich „Kreditkarten“, „Überweisungen“ und „Online-Banking“ als Zahlungsarten akzeptiert, gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass diese Zahlungen tatsächlich an einen legitimen Finanzdienstleister überführt werden.

Die Testimonials auf der Website: Namen wie TOM HARIS, HARRY JACKSON, CHRIS HARIS, JIM MORISON und ALEX CRUIS: sind nicht verifizierbar. Es gibt keine Möglichkeit, diese Personen zu kontaktieren oder ihre Aussagen zu prüfen. In der Regel nutzen Betrüger öffentliche Namen, um Glaubwürdigkeit zu erwecken, ohne dass die Personen tatsächlich existieren oder ihr Einverständnis gegeben haben. Das Fehlen von Kontaktdaten wie einer E-Mail-Adresse oder einer seriösen Telefonnummer verstärkt den Verdacht. Stattdessen wird lediglich „VIP ONLY“ als Telefonangabe verwendet, was für ein professionelles Finanzunternehmen ungewöhnlich ist.

Schließlich weist die Plattform keinerlei Erfolgsgarantien oder unrealistische Renditeversprechen aus. Obwohl die Marketingseite keine expliziten Zahlen nennt, gibt es zahlreiche Hinweise, dass die Plattform über ein betrügerisches System verfügt, das angebliche Gewinne simuliert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gold-Bench Club aus einer Kombination aus fehlenden Lizenzangaben, nicht verifizierbaren Testimonials, einer fragwürdigen Adresse und fehlender Transparenz besteht, die ihn eindeutig als unseriös kennzeichnet.

Wie der Betrug bei goldbenchclub.com abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Der Betrug beginnt meist damit, dass potenzielle Anleger durch gezielte Werbung auf sozialen Medien wie Instagram, Facebook, TikTok oder Telegram auf Gold-Bench Club aufmerksam gemacht werden. Oft wird dort ein vermeintlicher „Anlageberater“ als „VIP“ vorgestellt, der angeblich nur über die Plattform investiert. Diese Anzeigen enthalten häufig gefälschte Promi-Testimonials oder angebliche „Erfolgsberichte“ von Personen, die angeblich enorme Gewinne erzielt haben. Die erste Einzahlung wird bewusst niedrig gehalten: meist im Bereich von 250 Euro: um die psychologische Hemmschwelle zu senken. Der Betrüger nutzt dabei psychologische Techniken wie soziale Beweisführung und die Illusion einer exklusiven Investitionsmöglichkeit, um das Vertrauen zu gewinnen.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigt Gold-Bench Club dem Anleger auf einer hübsch gestalteten Web-App einen simulierten Gewinn. Man sieht beispielsweise, dass aus 250 Euro in zwei Wochen 800 Euro geworden sind. Diese Zahlen sind jedoch reine Datenbankeinträge. Es findet kein echter Handel statt, keine Orders werden an Börsen ausgeführt und es gibt keine echte Kontobewegung. Die Plattform nutzt eine Software, die lediglich hübsche Zahlen anzeigt, um den Eindruck von Profitabilität zu erwecken. Der Anleger wird so glauben, dass sein Geld tatsächlich arbeitet und wächst, was die nächste Phase des Betrugs erleichtert.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Der „Berater“ oder „Account Manager“ von Gold-Bench Club baut über Wochen oder Monate eine persönliche Beziehung auf. Dabei werden häufig Versprechen gemacht, wie z. B. ein VIP-Konto, Hebelboni von bis zu 1:500, garantierte Profite, Zugang zu exklusiven IPOs oder Insider-Tipps. Um die Opfer zu ermutigen, weitere Gelder einzuzahlen, setzen die Betrüger auf Zeitlimits („nur heute“), künstliche Verknappung („nur noch wenige Plätze“) und Social-Proof-Elemente, die angeblich andere Anleger bereits erfolgreich gemacht haben. Typische Betrugszahlen liegen im Bereich von 5.000 bis 50.000 Euro, aber einige Opfer geben sogar mehr als 500.000 Euro aus, weil sie von dem scheinbaren Erfolg überzeugt sind.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger nun sein Geld oder die angeblichen Gewinne auszahlen lassen will, kommt plötzlich eine Reihe von „Gebühren“ in den Vordergrund. Die Plattform fordert die folgenden Arten von Gebühren an:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Die Betrüger erklären, dass diese Gebühren notwendig seien, um die Auszahlung abzuschließen, und betonen, dass eine sofortige Zahlung erforderlich sei. Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Wenn Sie in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlen, verlieren Sie zusätzlich zu Ihrem ursprünglichen Verlust noch mehr Geld, und die Auszahlung erfolgt nicht: das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten tauchen häufig Dritte auf, die sich als „Anwälte“, „Behördenmitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ ausgeben. Sie behaupten, das Geld zurückholen zu können, verlangen aber Vorauszahlungen für „Rechtsgebühren“, „Übersetzungen“, „Server-Zugriffe“ oder „Analyse-Kosten“. Hinter diesen Vorwänden steckt meist derselbe Täter, der die Opferdaten weiterverkauft oder einfach nur weitere Einnahmen erzielt. Seriöse Anwälte und Behörden melden sich nie unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram. Ignorieren Sie solche Angebote, denn sie sind Teil des Betrugs.

Das Netzwerk hinter goldbenchclub.com

Gold-Bench Club ist Teil eines Netzwerks von 79 weiteren Plattformen, die dieselben Betreiber und die gleiche Serverinfrastruktur nutzen. Diese Verbindungen zeigen, dass die Betrugsmasche nicht isoliert, sondern systematisch reproduziert wird. Oft werden Plattformen umbenannt, wenn ein Gericht oder eine Behörde die Plattform sperrt. Das Netzwerk ermöglicht es den Tätern, schnell neue Namen zu registrieren, ihre Websites zu migrieren und erneut Opfer zu finden. Für Anleger bedeutet dies, dass nicht nur Gold-Bench Club, sondern auch die verbundenen Plattformen potenziell unseriös sind.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Sobald Sie feststellen, dass Sie Opfer eines Betrugs sind, sollten Sie keine weiteren Einzahlungen tätigen. Jede weitere Zahlung erhöht Ihr Risiko, mehr Geld zu verlieren.

  2. Beweise sichern: Speichern Sie sämtliche E-Mails, Chatverläufe, Zahlungsbelege und Bildschirmaufnahmen. Diese Unterlagen sind entscheidend, wenn Sie später rechtliche Schritte einleiten oder die Polizei informieren möchten.

  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihren Zahlungsanbieter: Informieren Sie die Bank, bei der Sie die ursprüngliche Einzahlung getätigt haben, über den möglichen Betrug. Bitten Sie um Unterstützung bei der Rückverfolgung der Transaktion und prüfen Sie, ob ein Chargeback möglich ist.

  4. Rechtliche Schritte einleiten: Melden Sie den Betrug bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle oder einer spezialisierten Finanzermittlungsbehörde. Nutzen Sie Ihre gesicherten Beweise, um den Fall zu unterstützen. In vielen Ländern können Sie auch eine Strafanzeige erstatten, die den Ermittlern hilft, die Täter zu identifizieren.

  5. Ignorieren Sie „Recovery-Scam“-Angebote: Seien Sie vorsichtig bei Personen, die behaupten, Ihr Geld zurückzubekommen. Seriöse Anwälte und Behörden kontaktieren Sie nicht per WhatsApp oder Telegram und verlangen keine Vorauszahlungen. Ignorieren Sie solche Angebote, um nicht in weitere Betrugsmaschen hineingezogen zu werden.

Fazit

Gold-Bench Club (goldbenchclub.com) ist ein klassischer Fall eines betrügerischen Finanzanbieters, der durch fehlende Lizenzen, unechte Testimonials, eine fragwürdige Adresse und ein ausgeklügeltes, mehrstufiges Vorgehen Anleger täuscht. Mit Kenntnis der Hintergründe und der typischen Vorgehensweise können Sie sich schützen und mögliche Verluste begrenzen. Wenn Sie bereits betroffen sind, handeln Sie schnell, sichern Sie Ihre Beweise und wenden Sie sich an die zuständigen Behörden. Ihre Vorsicht kann Leben retten: und Geld zurückbringen.

Verdächtige Verbindungen: Seiten mit Gemeinsamkeiten zu Goldbenchclub

Unsere Auswertung zeigt, dass Goldbenchclub technische und strukturelle Verbindungen zu weiteren Seiten aufweist. Alle Seiten sind ähnlich aufgebaut und werden offenbar von denselben Verantwortlichen betrieben:

und 73 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei goldbenchclub.com gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei goldbenchclub.com
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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