Warnung vor progestrade (progestrade.com): Erfahrungen zur Auszahlung

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·7 Min. Lesezeit·
Teilen:

Sie haben das Gefühl, progestrade (progestrade.com) könnte Ihnen Geld abnehmen? Tatsächlich handelt es sich um eine betrügerische Plattform, die keine legitimen Handelsdienstleistungen anbietet.

Screenshot der Webseite Progestrade (progestrade.com)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite progestrade.com

Warum progestrade.com unseriös ist

Die erste Spur, die auf eine unseriöse Tätigkeit von progestrade.com hinweist, ist das Fehlen jeglicher registrierungsspezifischer Angaben. Auf der gesamten Website finden sich weder eine Handelsregisternummer noch ein Hinweis auf eine Aufsichtsbehörde. In der Regel verlangen seriöse Broker, dass sie bei einer anerkannten Finanzaufsichtsbehörde registriert sind: ein Merkmal, das hier komplett fehlt. Dies ist kein zufälliger Auslass, sondern ein bewusster Versuch, die Transparenz zu vermeiden.

Ein weiteres starkes Warnsignal ist die fehlende Kontaktinformation. Es gibt weder eine E-Mail-Adresse, noch eine Telefonnummer, noch eine physische Adresse. Kunden, die Fragen haben oder Unterstützung benötigen, können sich somit nicht an einen realen Ansprechpartner wenden. Für legitime Unternehmen ist ein erreichbarer Kundenservice unerlässlich, besonders bei Finanzprodukten, bei denen schnelle Hilfe bei Problemen oft entscheidend ist.

Des Weiteren bietet progestrade.com keinerlei Informationen zu seiner Lizenz oder seinen Qualifikationen. Auch wenn die Plattform keine expliziten Versprechen von Renditen macht, fehlt jeder Hinweis auf regulatorische Genehmigungen oder auf ein bestehendes Geschäftsmodell. Ohne eine Lizenz kann die Plattform keine Handelsgeschäfte abwickeln, die von einer unabhängigen Behörde kontrolliert werden. Das ist ein klarer Indikator dafür, dass die angeblichen Handelsaktivitäten lediglich ein digitales Spielzeug sind.

Die fehlenden Trust-Signals: keine Auszeichnungen, keine Zertifikate, keine Trustpilot-Bewertungen: sind weitere Hinweise darauf, dass die Plattform nicht in einem regulierten Umfeld operiert. Seriöse Broker haben häufig mindestens eine Brancheauszeichnung, ein Zertifikat für Sicherheitsstandards oder positive Bewertungen von unabhängigen Bewertungsportalen. Progestrade zeigt keinerlei solche Nachweise.

Schließlich ist die fehlende Transparenz bei den angebotenen Dienstleistungen ein weiteres Problem. Die Seite nennt keine konkreten Handelsprodukte, keine Handelsplattform oder keine erklärten Gebührenstrukturen. Ohne klare Informationen kann der Besucher nicht beurteilen, ob er ein echtes Produkt oder lediglich ein virtueller Schein kauft. Diese Kombination aus fehlenden regulatorischen Angaben, unvollständigen Kontaktdaten und mangelnder Serviceinformation ist ein starkes Indiz dafür, dass progestrade.com betrügerisch ist.

Wie der Betrug bei progestrade.com abläuft

Schritt 1: Der erste Kontakt & Lockangebot

Oft beginnt die Masche damit, dass potenzielle Anleger über soziale Medien, E-Mails oder Telefonanrufe angesprochen werden. Auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Telegram werden gefälschte „Anlageberater“ und vermeintliche Erfolgsgeschichten präsentiert. Diese Personen behaupten, sie hätten ihr eigenes Kapital mit progestrade.com in kurzer Zeit vervielfacht. Der erste Kontakt ist in der Regel sehr persönlich: „Wir haben einen exklusiven Einblick in unsere Plattform erhalten und möchten Ihnen ein begrenztes Angebot machen.“

Das Lockangebot ist absichtlich verlockend: eine sehr niedrige Anfangseinzahlung: häufig zwischen 200 und 300 Euro: wird als „Starterkapital“ angeboten. Die Plattform verspricht, dass dieses Kapital innerhalb weniger Tage in mehrere Hundert Euro umgewandelt wird. Dieses niedrige Risiko und die Aussicht auf schnelle Gewinne locken besonders unerfahrene Anleger an, die den ersten Schritt wagen wollen. Sobald das Geld auf das angebliche Konto eingezahlt wurde, wird der Anleger in eine „VIP-Zone“ geführt, in der er vorgabene Boni und exklusive Handelstools erhält.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung beginnt die Plattform mit der Darstellung von Gewinnen. Das Dashboard von progestrade.com zeigt plötzlich stark steigende Kontostände, die von der anfänglichen Einzahlung über mehrere Tage wachsen. Dabei handelt es sich lediglich um manipulierte Zahlen, die in der Software erzeugt werden, um dem Nutzer den Eindruck von Erfolg zu geben. In Wirklichkeit findet kein echter Handel statt: Es gibt keine Verbindung zu einer regulierten Börse oder einem echten Broker-Konto. Die Zahlen sind lediglich Simulationen, die darauf ausgelegt sind, Vertrauen aufzubauen.

Der Nutzer sieht „gewinne“, die von seiner ursprünglichen Einzahlung überproportional steigen, und erhält oft Screenshots oder Video-Beweise, die diese Gewinne verifizieren sollen. Diese „Beweise“ sind jedoch leicht zu manipulieren und können nicht von einer unabhängigen Stelle verifiziert werden. Der Anleger glaubt, dass sein Geld sicher wächst, und wird dadurch in die nächste Phase der Masche gedrängt.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Mit dem aufgebauten Vertrauen bietet progestrade.com dem Nutzer immer mehr „exklusive“ Handelsmöglichkeiten an. Der vermeintliche Account-Manager oder „Berater“ spricht von Hebel-Boni, garantierten Profiten und VIP-Zugängen zu „exklusiven“ IPOs. Der Anleger wird aufgefordert, zusätzliche Geldbeträge einzuzahlen: häufig in den Bereich von 5.000 bis 50.000 Euro: um von diesen angeblichen Vorteilen zu profitieren. Die Plattform nutzt häufig psychologische Druckmittel wie Zeitlimits („Dieses Angebot gilt nur bis Mitternacht“) oder gefälschte Social-Proof-Elemente („Mehr als 10.000 Anleger haben bereits 300 % Rendite erzielt“).

Die Zahl der Einzahlungen kann dramatisch steigen, wenn der Anleger sich weiter in die Masche hineinzieht. In einigen Fällen berichten Betroffene, dass sie mehr als 500.000 Euro verloren haben. Dabei bleibt die Plattform völlig anonym und lässt keine Spuren zurück, die ein echtes Finanzinstitut hinterlassen würde.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Sobald der Anleger versucht, seine Gewinne oder sein ursprüngliches Kapital auszuzahlen, tritt die letzte Phase der Betrugsmasche in Kraft. Plötzlich verlangt die Plattform eine Reihe von „Gebühren“, die angeblich notwendig sind, um die Auszahlung durchzuführen. Zu diesen Gebühren gehören:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Jede dieser Begründungen klingt plausibel, ist aber frei erfunden. Die Plattform fordert, dass der Anleger die Gebühren vor der Auszahlung überweist. Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.

Wenn der Anleger die geforderten Gebühren bezahlt, wird die Auszahlung niemals erfolgen. Die Plattform verschwindet oder bleibt inaktiv, während der Anleger seine Einzahlungen und die gezahlten Gebühren verliert. Dies ist die letzte Melkphase des Scams, bei der das Opfer die vollständige Summe verliert, ohne jemals eine Auszahlung zu erhalten.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach dem Auszahlen der Gebühren und dem Verlust der Einzahlungen melden sich häufig Dritte. Diese „Anwälte“, „Behörden-Mitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ behaupten, sie könnten das Geld zurückbekommen. Sie verlangen Vorauszahlungen für „Rechtskosten“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Forderungen sind reine Ablenkung: Die Täter hinter dem ursprünglichen Betrug verkaufen die Kundendaten und das Geld weiter an andere, noch weniger seriöse Plattformen.

Es ist wichtig zu betonen, dass echte Anwälte und Behörden niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram Kontakt aufnehmen. Sie werden sich nicht in der Form eines „Recovery-Scams“ melden, um Geld zu erpressen. Wenn Sie eine solche Nachricht erhalten, ignorieren Sie sie sofort und suchen Sie nach offiziellen Kontaktstellen Ihrer örtlichen Polizeibehörde oder der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Wenn Sie noch nicht alles eingezahlt haben, stoppen Sie sofort. Jede weitere Zahlung erhöht die Chance, mehr Geld zu verlieren.
  2. Belege sichern: Speichern Sie alle E-Mails, Chat-Protokolle, Transaktionsbestätigungen und Screenshots. Diese dienen später als Beweismaterial.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihren Kryptobörsenanbieter: Informieren Sie sie über die Transaktion. Viele Banken können die Überweisung zurückhalten oder zumindest die Herkunft prüfen.
  4. Rechtswege prüfen: Ziehen Sie in Erwägung, eine Strafanzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle einzureichen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nimmt Meldungen über unregistrierte Broker entgegen.
  5. Ignorieren Sie Recovery-Scams: Wenn Sie Anfragen von „Anwälten“ oder „Behörden“ erhalten, die Vorauszahlungen fordern, lehnen Sie diese sofort ab. Legen Sie keine weiteren Gebühren oder Daten preis.
  6. Teilen Sie Ihre Erfahrung: Durch Erfahrungsberichte auf Plattformen, Foren oder in sozialen Medien können andere Nutzer vor ähnlichen Betrugsversuchen warnen.
  7. Suchen Sie professionelle Hilfe: Wenn Sie sich unsicher fühlen, wenden Sie sich an einen seriösen Finanzberater oder einen Anwalt, der sich mit Betrugsfällen auskennt.

Fazit

Progestrade.com ist kein regulierter Broker. Die fehlenden Registernummer, die fehlende Lizenz, die unvollständigen Kontaktdaten und das Fehlen von Trust-Signals sind klare Indikatoren für eine betrügerische Plattform. Der Ablauf der Masche: von der anfänglichen Anziehung bis hin zur Auszahlungsfalle: ist gut dokumentiert und lässt sich leicht erkennen, wenn man die Warnsignale kennt. Seien Sie vorsichtig, überprüfen Sie die Informationen, bevor Sie Geld investieren, und handeln Sie sofort, wenn Sie Anzeichen für Betrug bemerken.

Wenn Sie bereits Opfer geworden sind, handeln Sie jetzt: sichern Sie Beweise, informieren Sie Ihre Bank, melden Sie den Vorfall und ignorieren Sie alle Forderungen von angeblichen „Recovery-Scam“-Anbietern. Sie sind nicht allein: gemeinsam können wir solche betrügerischen Plattformen entlarven und verhindern, dass weitere Menschen in die Falle tappen.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei progestrade.com gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei progestrade.com
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

Kontakt

Anfrage stellen

Schildern Sie kurz, was passiert ist. Sie bekommen eine Rückmeldung mit erster Einschätzung und Empfehlung, wie es weitergeht.

Vertraulich · Berufliche Verschwiegenheit · Unverbindlich

Kurz schildern

Ein paar Angaben genügen. Danach melden wir uns mit einer ersten Einschätzung.

Vertraulich · Unverbindlich

Bei Progestrade Geld verloren?

Kostenlose Fall-Prüfung in 24h

Prüfen