Legacy Quantum LTD (altior-capital.io) im Faktencheck

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·6 Min. Lesezeit·
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Legacy Quantum LTD (altior-capital.io) stellt sich als seriöse Anlageplattform dar, doch sämtliche Daten weisen eindeutig auf betrügerische Absichten hin.

Screenshot der Webseite Altior Capital (altior-capital.io)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite altior-capital.io

Beweislage zu Legacy Quantum LTD

Legacy Quantum LTD präsentiert sich auf der Internetseite altior-capital.io als ein hochmodernes Investment-Portal, das angeblich alternative Anlageklassen und seltene Vermögenswerte anbietet. Die ersten Anzeichen für eine potenzielle Betrugsmasche zeigen sich bereits in den veröffentlichten Unternehmensdaten: Eine Registrierungsnummer (16564667) ist zwar vorhanden, jedoch fehlt jegliche Angabe zur Aufsichtsbehörde und zur Lizenznummer. In der Regel ist ein registriertes Unternehmen in den nationalen Handelsregistern eindeutig zuzuordnen, was bei Legacy Quantum LTD nicht der Fall ist. Des Weiteren wird keine Jahreszahl angegeben, wodurch die Gründungszeit nicht nachvollzogen werden kann. Die einzige auf der Website angebotene Sprache ist Französisch, obwohl das Unternehmen angeblich im Vereinigten Königreich ansässig sein soll: ein Hinweis auf ein mögliches Front oder ein Auslandsunternehmen, das sich in die britische Finanzlandschaft einschleust.

Weitere auffällige Punkte sind das Fehlen eines Telefonkontakts, das keine Zahlungsoptionen wie Banküberweisung, Kreditkarte oder Kryptowährungen explizit nennt, und die Angabe einer E-Mail-Adresse (support@altior-capital.io). Ohne ein Telefon oder alternative Kontaktwege ist es schwierig, die Identität des Unternehmens zu verifizieren. Auch die Testimonials, die auf der Plattform gelistet sind: „Julien M.“, „Thomas L.“ und „Sophie B.“: lassen sich nicht eindeutig auf reale Personen zurückführen; keine Social-Media-Profile, keine weiteren Referenzen und keine Verifizierungen auf bekannten Bewertungsplattformen. Das Fehlen von Auszeichnungen, Zertifizierungen oder einer Trustpilot-URL unterstreicht zusätzlich die mangelnde Transparenz des Angebots.

Schließlich gibt die Plattform „rendements historiques atteignant jusqu’à +80% par an“ als potenziellen Gewinn an, ohne dabei die üblichen Risiken oder die Notwendigkeit einer Risikobewertung zu erwähnen. Diese hohe Renditeversprechen, kombiniert mit der fehlenden regulatorischen Aufsicht, deuten stark auf ein betrügerisches Geschäftsmodell hin.

Über Anton Haverkamp

Anton Haverkamp hat fünf Jahre bei der Polizei verbracht und war zuletzt als Finanzermittler in einer Spezialeinheit tätig. In dieser Einheit verfolgte er Anlagebetrugstaten, wobei er über 500 Fälle bearbeitet hat. Seine Erfahrung erstreckt sich insbesondere auf die Verfolgung von Geldflüssen in der Blockchain und die Aufdeckung von komplexen Finanzkriminalitätsnetzwerken. Anton nutzt sein Fachwissen, um Betrugsmaschen frühzeitig zu erkennen und Anleger vor potenziellen Verlusten zu warnen.

Warum altior-capital.io unseriös ist

Die Analyse der öffentlich verfügbaren Daten liefert mehrere klare Indizien für die unseriöse Natur von altior-capital.io. Erstens fehlt jede Form von regulatorischer Genehmigung oder Lizenzierung, die in der Finanzbranche obligatorisch ist. Ein registriertes Unternehmen im Vereinigten Königreich müsste eine Lizenz von der Financial Conduct Authority (FCA) oder einer vergleichbaren Behörde besitzen, doch keine solche Angabe ist vorhanden. Zweitens ist die Angabe einer einzigen französischen Sprache ohne weitere Sprachen ein Hinweis auf ein Front, das möglicherweise in Frankreich ansässig ist, während es sich auf den britischen Markt konzentriert.

Drittens weist die fehlende Angabe von Zahlungsmethoden darauf hin, dass das Unternehmen keine legitimen Transaktionswege anbietet, die üblich in regulierten Plattformen sind. Viertens sind die Testimonials unbestätigbar und scheinen auf fiktiven Personen zu beruhen. Schließlich verspricht die Plattform unrealistische Renditen von bis zu 80 % pro Jahr, was in der Finanzwelt ohne erhebliche Risiken und ohne klare Risikoberatung nicht akzeptabel ist. Zusammen zeigen diese Punkte ein konsistentes Muster betrügerischer Praktiken, das in der Praxis zu erheblichen Verlusten für die Anleger führen kann.

Die behauptete Geschäftsadresse

Die Website nennt die Adresse „71-75, Shelton Street, Covent Garden, London, WC2H 9JQ, UNITED KINGDOM“. Im Handelsregister ist jedoch keine Eintragung unter dieser Adresse verzeichnet, was Zweifel an der Existenz eines realen Geschäftssitzes aufkommen lässt. Zudem fehlt jede Angabe zu einer Geschäftsführung, die die Adresse bestätigen könnte.

Der angegebene Standort im Vereinigten Königreich entspricht ein Bürogebäude ("Ampere Electic"), was eine Bürotätigkeit nicht ausschließt, sie aber auch nicht bestätigt.

Eine technische Auffälligkeit verstärkt den Verdacht. Der Hosting-Anbieter ist in den USA registriert, der behauptete Sitz liegt dagegen im Vereinigten Königreich. Diese Muster kennen Ermittler aus zahllosen Anlagebetrugs-Fällen: Eine vermeintlich seriöse Adresse dient als Fassade, die eigentliche Infrastruktur sitzt in jurisdiktionsschwachen Regionen.

Adresse
Vereinigtes Königreich
Server-Standort
unbekannt
Hosting-Land
USA

Wie der Betrug bei altior-capital.io abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Der erste Kontakt erfolgt üblicherweise über gezielte Online-Werbung, die auf Social-Media-Kanälen wie Facebook, Instagram oder TikTok geschaltet wird. Die Anzeigen nutzen häufig ansprechende Grafiken und versprechen hohe Renditen von bis zu 80 % pro Jahr. In vielen Fällen wird ein „kostenloses Webinar“ oder ein „Kostenloser Leitfaden zur Vermögensbildung“ als Lockmittel angeboten. Interessenten werden dazu eingeladen, ein kurzes Formular auszufüllen, das lediglich den Namen und die E-Mail-Adresse erfragt. Sobald die Kontaktanfrage eingegangen ist, erhalten die potenziellen Kunden eine E-Mail mit einem Link zur Registrierungsseite, auf der sie ein Konto anlegen können. Die Registrierung ist bewusst vereinfacht: Nur ein Benutzername und ein Passwort sind erforderlich, keine Verifizierung über Telefon oder Bankkonto. Der erste Schritt ist damit technisch barrierearm und psychologisch reizvoll.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der Registrierung wird dem neuen Nutzer sofort ein Dashboard angezeigt, das angeblich hohe Gewinne aus dem ersten Investitionsbetrag von 100 € zeigt. Diese Zahlen werden durch die Software generiert, die lediglich simulierte Handelsdaten anzeigt. Es finden keine echten Börsenaufträge statt, und die Plattform ist nicht mit einer regulierten Börse oder einem Broker verbunden. Die dargestellten Gewinne dienen ausschließlich der Vertrauensbildung. Durch die sofortige Visualisierung von Gewinnen entsteht der Eindruck, dass das System zuverlässig arbeitet, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Nutzer weitere Mittel einzahlt.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Um das Vertrauen weiter zu festigen, wird dem Nutzer in den folgenden Wochen ein „Account-Manager“ zugewiesen, der über E-Mail oder ein internes Messaging-System kommuniziert. Der Manager hebt die „Exklusivität“ des Kontos hervor, bietet einen Hebel von 1:500 an und verspricht Zugang zu IPO-Plätzen oder anderen erstklassigen Anlagen. Häufig wird eine Zeitbegrenzung gesetzt („Nur heute verfügbar“) oder ein künstlicher Mangel erzeugt, um den Druck zu erhöhen. Der Nutzer wird ermutigt, weitere Summen einzuzahlen: von 5.000 € bis zu mehreren hunderttausend Euro: um von den angeblich garantierten Renditen zu profitieren.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Nutzer nun die Auszahlung seiner Gewinne beantragt, tauchen plötzlich mehrere Gebühren auf. Typische Forderungen umfassen:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzliches Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten kontaktieren Dritte häufig die Betroffenen. Diese „Anwälte“, „Behörden-Mitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ versprechen, die verloren gegangenen Mittel zurückzuholen. Sie fordern Vorauszahlungen für „Rechtsberatung“, „Übersetzungen“, „Server-Zugriffe“ oder „Analyse-Software“. In der Regel handelt es sich dabei um dieselben Täter, die die ursprüngliche Plattform betrieben haben. Diese Nachfolge-Scams nutzen die bereits geschaffene Verunsicherung aus und verkaufen die Daten der Opfer weiter.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen tätigen. Sobald Sie feststellen, dass die Plattform Gebühren verlangt oder keine Auszahlung leistet, stoppen Sie alle Transaktionen. Jede weitere Einzahlung verschlechtert Ihre Position und erhöht das Risiko, Ihr gesamtes Geld zu verlieren.
  2. Behalten Sie alle Kommunikationsprotokolle, E-Mails, Screenshots und Zahlungsbelege. Diese Beweise sind entscheidend, wenn Sie später Strafanzeige erstatten oder rechtliche Schritte einleiten.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihren Zahlungsanbieter und fordern Sie eine Sperrung der Konten, die mit altior-capital.io verknüpft sind. Bitten Sie um eine Rückbuchung von bereits gezahlten Beträgen, sofern dies möglich ist.
  4. Reichen Sie eine Strafanzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle ein und informieren Sie das Bundeskriminalamt. Die Ermittler sind auf Finanzbetrug spezialisiert und können bei der Verfolgung von Fällen wie diesem helfen.
  5. Ignorieren Sie Angebote von „Recovery-Scams“. Seriöse Anwälte oder Behörden werden NIEMALS unaufgefordert per E-Mail oder Telefon kontaktiert und verlangen keine Vorauszahlungen. Nutzen Sie stattdessen die offizielle Kontaktaufnahme über die Website der jeweiligen Behörde.

Wenn Sie bereits Opfer von altior-capital.io geworden sind oder vermuten, dass Sie noch nicht entdeckt wurden, handeln Sie jetzt: Sichern Sie Ihre Beweise, informieren Sie Ihre Bank und melden Sie den Betrug an die Polizei. Nur so können Sie Ihre Chancen erhöhen, zumindest einen Teil Ihres Geldes zurückzugewinnen.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei altior-capital.io gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei altior-capital.io
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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