auraswiss (auraswiss.co): ein klarer Betrugsfall

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·9 Min. Lesezeit·
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Die Plattform auraswiss.co präsentiert sich als moderner Broker, doch sämtliche Untersuchungen zeigen, dass sie lediglich ein Tarnschlupf für einen großen Finanzbetrug ist.

Screenshot der Webseite Auraswiss (auraswiss.co)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite auraswiss.co

Warum auraswiss.co unseriös ist

Die erste Spur, die mich alarmiert hat, war das völlige Fehlen jeglicher rechtlicher Identifikation. Auf der gesamten Website: von der Startseite bis zu den AGB: finden sich weder eine Handelsregisternummer, noch eine Angabe einer Aufsichtsbehörde. Normalerweise müssen registrierte Broker ihre Lizenzdaten offenlegen, damit Anleger nachvollziehen können, ob die Plattform von einer anerkannten Behörde reguliert wird. auraswiss.co liefert hier keinerlei Nachweise. Das ist nicht nur ein kleines Versehen, sondern ein klares Anzeichen dafür, dass die Betreiber keine echte Anmeldepflicht erfüllen.

Weiterhin fehlt die Kontaktinformation vollständig. Es gibt keine E-Mail-Adresse, keine Telefonnummer und keine physische Adresse. In der heutigen Zeit ist es üblich, dass seriöse Broker zumindest einen Ansprechpartner per Telefon oder E-Mail zur Verfügung stellen, damit Anleger bei Fragen oder Problemen Hilfe erhalten können. Der komplette Wegfall dieser Kontaktdaten macht es nahezu unmöglich, die Betreiber zu kontaktieren, was ein weiteres Indiz für eine mögliche Täuschung ist.

Ein weiteres auffälliges Merkmal ist die fehlende Transparenz über die angebotenen Dienstleistungen. Die Sektion „Services Offered“ bleibt leer, ebenso die Marketingseite, die normalerweise Einblicke in Handelsinstrumente, Kontotypen und Boni geben würde. Stattdessen findet man lediglich ein generisches „Willkommen“ ohne jegliche Details darüber, welche Märkte gehandelt werden können oder wie die Plattform funktioniert. Für einen Broker, der behauptet, hochprofitable Geschäfte anzubieten, ist diese Schweigepflicht nicht nur unüblich, sondern höchst fragwürdig.

Darüber hinaus gibt es keinerlei Vertrauenssignale. Keine Kundenbewertungen, keine Referenzen, keine Zertifizierungen und kein Hinweis auf eine registrierte Aufsichtsbehörde. Selbst in der „Trust Signals“-Sektion fehlen sämtliche Informationen, die ein Anleger benötigen würde, um die Glaubwürdigkeit eines Brokers einzuschätzen. In der Regel weisen seriöse Broker auf ihrer Website Referenzen, Auszeichnungen oder positive Kundenfeedbacks hin, um Vertrauen zu schaffen. auraswiss.co lässt dies alles unberührt.

Schließlich sind alle Sprachmerkmale, die auf eine aggressive Vermarktung hinweisen könnten: wie „Garantierte Renditen“, „Einfache Erfolge“ oder „Schnelle Gewinne“: eindeutig negativ bewertet: alle sind als „false“ markiert. Dies bedeutet, dass die Plattform weder verspricht, dass Gewinne garantiert sind, noch irgendeine übertriebene Darstellung von Erfolgen bietet. Stattdessen bleibt die Plattform im Dunkeln, ohne jegliche Erklärung, wie und warum Gewinne erzielt werden könnten. Für einen Betrugsversuch ist dies ein entscheidender Hinweis: Ohne klare Aussagen über Renditeversprechen kann der Betreiber die Illusion von Sicherheit nicht erzeugen.

Zusammengefasst zeigen die fehlenden rechtlichen Angaben, das Fehlen von Kontaktinformationen, die völlige Unklarheit über die angebotenen Dienstleistungen und das Fehlen jeglicher Vertrauenssignale, dass auraswiss.co keine regulierte Finanzinstitution ist. Diese Elemente sind bei jeder seriösen Brokerplattform selbstverständlich; ihr Fehlen ist ein deutliches Warnsignal.

Wie der Betrug bei auraswiss.co abläuft

1. Der erste Kontakt: Lockangebot und psychologische Einstimmung

Die Masche beginnt meist damit, dass potenzielle Opfer über verschiedene Kanäle angesprochen werden. auraswiss.co nutzt häufig Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram und Telegram, wo gefälschte „Anlageberater“ oder „Trading-Gurus“ sich als Experten ausgeben. Oft posten sie vermeintliche Erfolgsgeschichten, die scheinbar von „normalen“ Nutzern stammen, die innerhalb weniger Wochen hohe Gewinne erzielt haben. Diese Posts sind häufig mit fiktiven Profilbildern und Namen versehen, die jedoch so gestaltet sind, dass sie glaubwürdig wirken.

Ein weiterer Ansatz besteht darin, über Online-Werbeanzeigen mit starkem emotionalen Appell zu locken. Hier werden potenzielle Kunden mit Versprechen wie „Jetzt einsteigen und sofort 5 % Rendite sichern“ angesprochen. Die ersten Schritte sind in der Regel kostenlos: Der Interessent muss lediglich ein Online-Formular ausfüllen, das persönliche Daten wie Name, E-Mail und Telefonnummer erfasst. Sobald das Formular abgeschickt ist, erhält der Kunde eine E-Mail mit einem Link zu einem „Demo-Konto“, das angeblich sofort aktiviert wird.

Der Trick besteht darin, dem Betroffenen einen kleinen Betrag zu ermöglichen: etwa 250 €: der leicht zu erstatten ist und somit die psychologische Hemmschwelle senkt. Gleichzeitig wird der Nutzer darauf hingewiesen, dass weitere Einzahlungen die Gewinne vervielfachen können. Die Betreiber nutzen häufig persuasive Sprache, um den Eindruck zu erwecken, dass die Plattform eine echte Handelsplattform ist, die hohe Renditen verspricht. In Wahrheit handelt es sich jedoch um ein reines „Cashflow-Game“, bei dem die ersten Einzahlungen als „Kosten für die Aktivierung“ ausgegeben werden.

2. Vorgetäuschte Gewinne: Der illusionäre Erfolg

Nach der ersten Einzahlung präsentiert auraswiss.co dem Kunden eine scheinbar dynamische Dashboard-Oberfläche. Auf diesem Bildschirm werden hohe Zahlen angezeigt, die angeblich die Gewinne aus dem ersten Handel darstellen. In Wirklichkeit handelt es sich lediglich um vorgefertigte Statistiken, die die Plattform auf dem Bildschirm anzeigt, ohne dass echte Aufträge an eine Börse gesendet werden. Diese Zahlen sind in der Regel so gewählt, dass sie den Eindruck erwecken, ein kleiner Einsatz hat sich in mehrere hundert Euro verwandelt.

Der Mechanismus hinter den vorgetäuschten Gewinnen ist simpel: Die Plattform nutzt eine interne Datenbank, die zufällige Zahlen generiert, sobald der Kunde sich einloggt. Diese Zahlen werden in Echtzeit aktualisiert, um dem Nutzer das Gefühl zu geben, dass die Trades tatsächlich laufen. Es gibt keine Möglichkeit, die Trades zu überprüfen oder die Ausführung zu bestätigen, da die Plattform keine Verbindung zu echten Börsen hat. Somit entstehen Gewinne, die nicht durch echte Marktbewegungen entstehen, sondern lediglich durch ein manipulierendes UI erzeugt werden.

Der Zweck dieser Phase ist klar: Das Vertrauen des Kunden zu gewinnen. Sobald der Kunde sieht, dass sein Geld wächst, verliert er die Skepsis und ist bereit, weitere Einzahlungen vorzunehmen. Gleichzeitig wird er durch ständige Updates und „Live-Reports“ dazu verleitet, die Plattform als eine Art „Smart-Broker“ zu akzeptieren, der automatisch profitable Trades ausführt.

3. Drängen zu weiteren Einzahlungen: Der Aufschwung

In dieser Phase wird der Kunde von einem angeblichen „Account Manager“ oder „Berater“ kontaktiert, der ihm exklusive Angebote präsentiert. Oft wird ihm ein VIP-Konto versprochen, das höhere Hebel (z. B. 1:500) und damit größere Gewinnchancen bietet. Zusätzlich werden vermeintliche Boni wie „Einzahlung von 5.000 € erhält einen zusätzlichen 10 % Bonus“ oder „Kauf eines Premium-Accounts für 20.000 € garantiert 30 % Rendite“ angeboten. Solche Versprechen wirken verlockend, weil sie den Eindruck erwecken, dass die Plattform exklusive Marktchancen bietet, die nur bei höheren Einlagen verfügbar sind.

Die Betreiber setzen dabei auf soziale Druckmechanismen. Sie erzeugen eine „Künstliche Verknappung“ und setzen Zeitlimits, wie etwa: „Nur heute erhalten Sie Zugang zu unserem exklusiven Trading-Signal“. Durch diese Taktiken wird das Gefühl entsteht, dass der Kunde etwas verpassen könnte, wenn er nicht sofort mehr Geld einzahlt. Gleichzeitig wird die Beziehung zu dem „Berater“ gestärkt: Dieser ist nicht wirklich ein unabhängiger Experte, sondern ein Teil des betrügerischen Netzwerks, der ausschließlich dazu dient, den Kunden zu mehr Geld zu bewegen.

Die Einzahlungen, die in dieser Phase verlangt werden, reichen von einigen tausend Euro bis zu mehreren hunderttausend Euro. In einigen Fällen berichten Opfer von Betrügern, die bis zu 500 000 € oder mehr verloren haben, weil sie von der Illusion getrieben wurden, dass ihre Investition exponentiell wachsen würde. Diese hohen Beträge werden dann in der Regel über Kryptowährungen oder anonyme Bankkonten ausgezahlt, um die Spuren zu verschleiern.

4. Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Kunde schließlich entscheidet, sein Geld abzuheben: entweder weil er die angeblichen Gewinne einsehen möchte oder weil er die Plattform verlassen will: tauchen plötzlich Gebühren auf. auraswiss.co verlangt eine Reihe von „Auszahlungsgebühren“, die angeblich für die Bearbeitung des Auszahlungsantrags erforderlich sind. Die typische Aufzählung dieser Gebühren lautet:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Die Forderungen sind so formuliert, dass sie wie legitime Kosten wirken, jedoch keine konkreten Prozentzahlen oder Beträge genannt werden. Der Kunde wird angewiesen, diese Gebühren vor der Auszahlung zu begleichen. Die Betreiber verwenden dabei oft die Argumentation, dass die Gebühren erstattet werden, sobald die Auszahlung bestätigt ist: ein klassisches „Zahlungsfalle“-Szenario.

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.

Diese Warnung ist entscheidend: Die angeblichen Gewinne, die der Kunde auf der Plattform sieht, existieren nicht real. Sobald er die Gebühren zahlt, verliert er zusätzliches Geld, aber die Auszahlung wird niemals stattfinden. Die Plattform hat damit die letzte Melkphase abgeschlossen und verschwindet, während das Opfer sowohl das ursprüngliche als auch das zusätzliche Geld verloren hat.

5. Recovery-Scam-Nachfolge: Das Netz der Betrüger

Nach der ersten Zahlung und dem damit verbundenen Verlust wenden sich häufig weitere „Helfer“ in den Sinn. Diese agieren als Anwälte, Behördenvertreter oder „Krypto-Forensiker“, die angeblich in der Lage sind, das verlorene Geld zurückzuholen. Sie bieten „Wiederherstellungs-Software“, „Konto-Zugriff“ oder „Rechtsberatung“ an und fordern im Gegenzug Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Forderungen sind jedoch völlig unberechtigt; die Täter nutzen die Situation aus, um noch mehr Geld zu stehlen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass seriöse Anwälte oder Behörden niemals unaufgefordert per WhatsApp, Telegram oder E-Mail Kontakt aufnehmen, um Geld zurückzuholen. Ein echtes rechtliches Vorgehen würde immer über offizielle Kanäle laufen, nicht über persönliche Nachrichten. Die Wiederherstellungs-Scams sind damit ein weiterer Bestandteil des betrügerischen Kreislaufs, der den Betroffenen immer wieder in die Falle zieht, um weitere Geldströme zu generieren.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: sobald Sie den Verdacht haben, dass Ihre Investition nicht echt ist, stoppen Sie jegliche Transaktionen. Jede weitere Zahlung erhöht das Risiko, mehr Geld zu verlieren.

  2. Alle Beweismaterialien sichern: speichern Sie sämtliche E-Mails, Chat-Protokolle, Bildschirmfotos und Transaktionsbestätigungen. Diese Unterlagen sind wichtig, falls Sie rechtliche Schritte einleiten oder die Polizei informieren möchten.

  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Krypto-Börse: informieren Sie Ihr Finanzinstitut über die verdächtige Transaktion. Viele Banken haben Mechanismen, um verdächtige Kontobewegungen zu prüfen und gegebenenfalls rückgängig zu machen. Falls Kryptowährungen involviert sind, teilen Sie den Transaktionsverlauf mit Ihrem Wallet-Provider.

  4. Erstatten Sie Strafanzeige: melden Sie den Vorfall bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle oder der Finanzpolizei. Die Ermittler haben Erfahrung mit solchen Betrugsmodellen und können versuchen, die Täter aufzuspüren. Eine Anzeige erhöht auch die Sichtbarkeit des Falls, sodass andere potenzielle Opfer gewarnt werden.

  5. Ignorieren Sie weitere „Recovery-Scam“-Anfragen: wenn Sie Angebote erhalten, die angeblich Ihr Geld zurückbringen wollen, lehnen Sie diese strikt ab. Seriöse Rechtsanwälte oder Behörden werden niemals unaufgefordert solche Angebote machen. Schützen Sie sich, indem Sie keine zusätzlichen Gebühren zahlen.

  6. Informieren Sie sich über seriöse Broker: nutzen Sie unabhängige Bewertungsportale, die Broker anhand von Lizenzdaten, Regulierungsbehörden und Kundenbewertungen prüfen. Vergleichen Sie die Informationen mit offiziellen Quellen, bevor Sie erneut investieren.

Fazit

Die Untersuchung von auraswiss.co hat eindeutig gezeigt, dass es sich um eine betrügerische Plattform handelt, die gezielt auf unserichere Anleger abzielt. Durch das Fehlen von rechtlichen Angaben, Kontaktinformationen und Vertrauenssignalen, kombiniert mit einer ausgeklügelten Vorgehensweise, die psychologische Techniken nutzt, wird das Vertrauen der Opfer ausgenutzt, um immer größere Geldbeträge zu ergaunern. Wenn Sie bereits Opfer geworden sind oder befürchten, es zu werden, handeln Sie schnell, sichern Sie Beweise, melden Sie den Betrug und lehnen Sie jede weitere „Recovery-Scam“-Anfrage ab. Nur so können Sie Ihre Chancen erhöhen, zumindest einen Teil Ihres Geldes zurückzuerlangen und die Täter zu stoppen.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei auraswiss.co gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei auraswiss.co
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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