AvaTrade (avatradeseek.com) im Faktencheck

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
Teilen:

Die Plattform AvaTrade (avatradeseek.com) ist nach eingehender Untersuchung betrügerisch. Sie täuscht Anleger mit falschen Leistungsversprechen und lückenhaften regulatorischen Angaben.

Screenshot der Webseite Avatradeseek (avatradeseek.com)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite avatradeseek.com

Warum avatradeseek.com unseriös ist

Die Analyse von avatradeseek.com zeigt mehrere klare Inkonsistenzen. Erstens fehlt eine Registrierung beim Handelsregister oder bei einer zuständigen Aufsichtsbehörde. Auf der Website ist keinerlei Aufsichtsbehörde angegeben, auch keine Lizenznummer zu finden. Zweitens gibt es keinerlei Kontaktdaten: weder E-Mail noch Telefonnummer. Ein seriöser Broker stellt in der Regel mindestens ein Kontaktformular sowie telefonische Unterstützung bereit. Drittens ist die Plattform in 17 Sprachen verfügbar, was zwar nicht automatisch ein Hinweis ist, jedoch die technische Komplexität erhöht. Für einen legitimen Broker sind jedoch zusätzliche Zertifikate und Audits erforderlich, die hier nicht vorhanden sind. Viertens fehlen sämtliche Zahlungswege. Die Plattform akzeptiert weder klassische Banküberweisungen noch Kreditkarten, noch gibt es Hinweise auf akzeptierte Kryptowährungen. Der Mangel an Zahlungsmöglichkeiten verhindert die Einhaltung von Geldwäschevorschriften. Schließlich gibt es keine öffentlich zugänglichen Kundenbewertungen oder Zertifikate auf Trustpilot, obwohl das Unternehmen 17 Jahre angeblich aktiv sei. All diese Faktoren zusammengenommen machen avatradeseek.com zu einer hochgradig verdächtigen Plattform.

Wie der Betrug bei avatradeseek.com abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

AvaTrade beginnt seine Masche mit gezielten Marketingmaßnahmen. Oft werden potenzielle Kunden über Social-Media-Ads angesprochen, die von angeblich erfolgreichen Tradern stammen. Die Anzeigen versprechen hohe Renditen bei minimalem Risiko, ohne konkrete Quellen anzugeben. Sobald ein Interessent auf die Anzeige klickt, wird er zu einer Landing-Page geführt, die in mehreren Sprachen erscheint. Dort wird ein kostenloser Demo-Account angeboten, der lediglich simulierte Gewinne anzeigt. Die ersten echten Einzahlungen sind bewusst niedrig gehalten: meist 250 €: um die Hemmschwelle zu senken. In der Demo-Phase wird das Vertrauen aufgebaut, indem der Account in wenigen Tagen angeblich mehrere hundert Prozent Gewinn abwirft. Die Plattform nutzt dabei automatisierte Skripte, die fiktive Trades generieren und die Gewinnzahlen in Echtzeit anpassen.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigt die Plattform sofort hohe Gewinne, zum Beispiel 800 € innerhalb von zwei Wochen. Diese Zahlen entstehen ausschließlich durch interne Datenbank-Einträge, die die Software generiert. Es gibt keine echten Orders, die an Börsen ausgeführt werden. Stattdessen wird eine Web-Applikation verwendet, die die Kontobewegungen manipuliert und den Eindruck von Erfolg erweckt. Die Anleger sehen ein Dashboard, das ständig steigende Kurven anzeigt. Diese Manipulation dient ausschließlich dazu, den Glauben an die Plattform zu festigen und die Bereitschaft zu weiteren Einzahlungen zu erhöhen.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Der nächste Schritt ist die persönliche Bindung. Ein sogenannter „Account-Manager“ oder „Berater“ kontaktiert den Anleger per E-Mail oder Chat. Er bietet exklusive Boni, wie z. B. einen Hebel von 1:500, garantierte Profite oder Zugang zu vermeintlichen IPO-Deals. Diese Versprechen sind frei erfunden. Der Berater nutzt häufig Zeitlimits („Nur heute“) und künstliche Verknappung, um das Gefühl der Dringlichkeit zu erzeugen. Social-Proof-Mechanismen kommen zum Einsatz: gefälschte Erfahrungsberichte von „anderen Anlegern“ werden auf der Plattform angezeigt. Durch diese psychologische Manipulation werden Anleger dazu bewegt, zwischen 5.000 € und 50.000 € einzuzahlen, manche sogar über 500.000 €.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn ein Anleger nun seine Gewinne auszahlen lassen möchte, treten sofort Gebühren in den Vordergrund. Hier eine typische Auflistung der gefälschten Gebühren:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde niemals Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich dieses Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten kontaktieren häufig Dritte: angebliche Anwälte, Behörden-Mitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“. Sie behaupten, das Geld zurückzuholen und fordern Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Personen sind in der Regel die gleichen Täter, die die ursprüngliche Plattform betreiben. Sie nutzen das Vertrauen der Opfer, um weitere Betrugs­schritte durchzuführen. Seriöse Anwälte und Behörden melden sich niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram. Jeder Kontakt, der auf solche Vorauszahlungen drängt, ist ein klarer Hinweis auf einen Recovery-Scam.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten. Sobald Sie den Verdacht haben, dass es sich um einen Betrug handelt, sollten Sie jegliche Transaktionen sofort einstellen. Jede weitere Einzahlung erhöht die Gefahr, dass Ihr Geld unwiederbringlich verloren geht.
  2. Beweise sichern. Speichern Sie alle E-Mails, Screenshots, Transaktionsprotokolle und sonstigen Dokumente. Diese sind entscheidend für spätere Ermittlungen und etwaige Strafanzeigen.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihren Zahlungsanbieter. Informieren Sie Ihre Bank über die verdächtigen Transaktionen und fordern Sie eine Rückbuchung, sofern möglich. Bei Kryptowährungen kontaktieren Sie die entsprechende Krypto-Börse.
  4. Erstatten Sie Strafanzeige. Reichen Sie bei der örtlichen Polizeidienststelle oder bei einer spezialisierten Ermittlungsbehörde Anzeige ein. Geben Sie dabei sämtliche gesammelten Beweismittel an. Ihre Angaben sind für die Aufklärung des Falls von entscheidender Bedeutung.
  5. Ignorieren Sie Recovery-Scam-Versuche. Wenn Ihnen jemand vorgaukelt, Ihr Geld zurückzuholen, prüfen Sie sorgfältig die Identität des Ansprechpartners. Seriöse Anwälte und Behörden setzen niemals auf Vorauszahlungen. Jede Forderung sollte mit Vorsicht betrachtet werden.

Durch diese Schritte erhöhen Sie Ihre Chancen, zumindest teilweise Ihr Vermögen zurückzuerlangen, und tragen gleichzeitig dazu bei, weitere Personen vor ähnlichen Betrügereien zu schützen.

Wenn Sie weitere Fragen haben oder Unterstützung benötigen, wenden Sie sich an die zuständige Polizeidienststelle oder an eine Verbraucherzentrale. Ihre Sicherheit und Ihr finanzielles Wohlergehen stehen an erster Stelle.

Das Netzwerk hinter AvaTrade

AvaTrade ist Teil eines Netzwerks von 30 ähnlichen Plattformen, die gemeinsame Infrastruktur nutzen und häufig unter wechselnden Domainnamen agieren.

und 24 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei avatradeseek.com gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei avatradeseek.com
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

Kontakt

Anfrage stellen

Schildern Sie kurz, was passiert ist. Sie bekommen eine Rückmeldung mit erster Einschätzung und Empfehlung, wie es weitergeht.

Vertraulich · Berufliche Verschwiegenheit · Unverbindlich

Kurz schildern

Ein paar Angaben genügen. Danach melden wir uns mit einer ersten Einschätzung.

Vertraulich · Unverbindlich

Bei Avatradeseek Geld verloren?

Kostenlose Fall-Prüfung in 24h

Prüfen