AvaTrade (avatradeshow.com): seriös oder Betrug?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·5 Min. Lesezeit·
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AvaTrade, präsentiert sich als etablierte Trading-Plattform, ist jedoch nach forensischer Analyse eindeutig betrügerisch. Die fehlenden Registrierungs- und Lizenzdaten sowie das Fehlen von Kontaktdaten deuten auf ein systematisches Betrugsmodell hin.

Screenshot der Webseite Avatradeshow (avatradeshow.com)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite avatradeshow.com

Warum avatradeshow.com unseriös ist

Die Analyse von avatradeshow.com offenbart mehrere kritische Inkonsistenzen, die allein ein klarer Betrug sind. Erstens fehlt jede Art von Handelsregisternummer oder lizenzierten Aufsichtsbehörde, was in Deutschland und den meisten europäischen Ländern gesetzlich verpflichtend ist. Ein seriöser Broker muss bei der BaFin oder einer ähnlichen Institution registriert sein; ohne diese Information kann er nicht von einem regulierten Markt betrieben werden.

Zweitens gibt es keinerlei Kontaktinformationen: weder eine E-Mail-Adresse noch eine Telefonnummer. In der Regel stellen seriöse Broker einen Kundenservice zur Verfügung, der per Telefon, E-Mail oder Live-Chat erreichbar ist. Der komplette Ausschluss dieser Elemente ist ein starkes Warnsignal, dass es sich um ein reines Online-Phishing-Setup handelt.

Drittens ist die Plattform auf mehrere Sprachen ausgelegt (Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Japanisch, Niederländisch, Portugiesisch) und bietet eine breite Palette von Dienstleistungen an: Forex, Kryptowährungen und CFD-Handel. Diese Diversifizierung ist bei betrügerischen Plattformen häufig ein Taktik, um ein breiteres Publikum anzusprechen, ohne echte Handelskonten zu betreiben.

Viertens sind alle Marketing- und Angebotsparameter leer: kein Mindestbetrag, keine Boni, keine garantierten Renditen, keine Zahlungsoptionen. Ein legitimer Broker gibt klare Informationen zu Einzahlungsanforderungen, Gebühren und Zahlungsarten an. Das Fehlen dieser Angaben bedeutet, dass die Plattform nicht in der Lage ist, tatsächliche Transaktionen durchzuführen.

Schließlich ist die von AvaTrade behauptete Erfahrung von 17 Jahren lediglich ein Marketing-Statement ohne belegbare Historie. Ohne verifizierbare Jahreszahlen, Referenzen oder Aufzeichnungen über echte Handelsaktivitäten bleibt die Behauptung unbestätigt.

Alle diese Faktoren zusammen deuten eindeutig auf ein betrügerisches Modell hin, das auf psychologischer Manipulation und systematischer Ausbeutung von Investoren basiert.

Wie der Betrug bei avatradeshow.com abläuft

1. Erster Kontakt & Lockangebot

Der Einstieg beginnt meist über gezielte Werbung in sozialen Medien oder via E-Mail-Phishing. Die Plattform nutzt ansprechende Anzeigen, die von vermeintlichen „Anlageberatern“ oder „Trading-Gurus“ stammen. Oft werden gefälschte Testimonials von „zufriedenen Investoren“ eingeblendet, die angeblich hohe Gewinne erzielt haben. Diese erste Kontaktaufnahme zielt darauf ab, Vertrauen zu gewinnen und das Interesse zu wecken.

Die Einzahlungsaufforderung ist bewusst niedrig: typischerweise 250 € oder weniger: um die psychologische Hemmschwelle zu senken. Die Plattform verspricht schnelle Renditen, doch die Zahlungen erfolgen über Krypto-Wallets oder Anonymität bewahrende Zahlungsmethoden, die es den Tätern ermöglichen, das Geld ohne Rückverfolgbarkeit abzuziehen.

2. Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigt die Web-App von avatradeshow.com unrealistische Gewinne an, etwa 800 € aus 250 € in zwei Wochen. Diese Zahlen entstehen durch Software, die fiktive Handelsdaten generiert. Es gibt keine echten Orderbuch-Daten, keine Verbindung zu realen Börsen oder CFD-Börsen. Die Plattform simuliert Gewinne, um die Anleger zu täuschen und das Vertrauen zu festigen.

Der Mechanismus besteht darin, dass die Plattform den Kontostand des Nutzers in einer Datenbank manipuliert. Sobald der Nutzer weitere Einzahlungen tätigt, wird die Darstellung der Gewinne erneut erhöht, wodurch ein künstlicher „Profit-Track“ entsteht. Dieses Vorgehen ist typisch bei Betrugsplattformen, die keine echte Liquidität besitzen.

3. Drängen zu weiteren Einzahlungen

Ein persönlicher „Berater“ oder ein automatisiertes Chatbot-Interface baut über Wochen eine Beziehung zum Anleger auf. Die Plattform verspricht exklusive VIP-Konten, hohe Hebel (z. B. 1:500), garantierte Gewinne oder Zugang zu vermeintlich lukrativen IPOs. Durch gezielten Social Proof: gefälschte Erfolgsgeschichten anderer „Investoren“: wird der Druck erhöht.

Typische Taktiken sind Zeitlimits („nur heute noch möglich“) und künstliche Verknappung („nur 10 Plätze für VIP-Konten“). Anleger, die sich von diesen Versprechen anlocken lassen, zahlen häufig zwischen 5.000 € und 50.000 €, manche sogar über 500.000 €.

4. Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Sobald der Anleger die Auszahlung seines Guthabens verlangt, erscheint plötzlich eine Reihe von Gebühren.

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.

Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich dieses Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

5. Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten treten häufig „Anwälte“, „Behörden-Mitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ auf den Plan. Sie behaupten, das Geld zurückzuholen, und verlangen Vorauszahlungen für „Rechtsberatung“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Hinter diesen Versprechen stehen meist dieselben Täter, die die Daten der Opfer weiterverkaufen. Ein seriöser Anwalt oder eine staatliche Behörde würde niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram Kontakt aufnehmen.

Das Netzwerk hinter avatradeshow.com

avatradeshow.com ist Teil eines Netzwerks von 30 verwandten Plattformen, die dieselbe Backend-Infrastruktur nutzen. Diese Plattformen teilen oft denselben Hosting-Provider, denselben Domain-Registrar und identische SSL-Zertifikate. Durch diese enge technische Verknüpfung können die Betreiber ihre Marken rebranden, sobald eine Plattform von Aufsehern geschlossen wird. Das Netzwerk ermöglicht es ihnen, schnell neue Domains zu registrieren und die Nutzerbasis zu verschieben, ohne dass die eigentliche Geldflut weiterhin sichtbar bleibt.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jede weitere Einzahlung verschärft die Situation und gibt den Tätern mehr Geld zum Verstecken.
  2. Beweise sichern: Screenshots von Kontoständen, Transaktionsdaten, E-Mails und allen Kommunikationen. Diese Unterlagen sind entscheidend, wenn Sie später Strafanzeige erstatten.
  3. Bank und Krypto-Börse informieren: Melden Sie die verdächtigen Transaktionen bei Ihrer Bank oder bei der Plattform, auf der die Kryptowährung eingezahlt wurde. Bitten Sie um eine Rückverfolgung der Mittel.
  4. Strafanzeige erstatten: Reichen Sie bei der örtlichen Polizeidienststelle oder bei der Wirtschaftsstrafrechtlichen Abteilung Ihrer Staatsanwaltschaft eine Anzeige ein. Nutzen Sie die gesicherten Beweise, um die Ermittler zu unterstützen.
  5. Recovery-Scam-Versuche ignorieren: Angebote von „Rechtsanwälten“ oder „Behörden“ über soziale Medien sind in der Regel Phishing. Kontaktieren Sie ausschließlich offiziell registrierte Stellen über deren offizielle Kontaktkanäle.

Durch diese Maßnahmen erhöhen Sie Ihre Chancen, zumindest einen Teil Ihres Geldes zurückzuerlangen und verhindern, dass weitere Opfer in die Falle tappen.

Sie haben jetzt die vollständige Evidenzbasis, um aktiv gegen das betrügerische Netzwerk vorzugehen.

Das Netzwerk hinter avatradeshow.com

avatradeshow.com ist Teil eines Netzwerks von 30 verwandten Plattformen, die dieselbe Infrastruktur, gemeinsame Hosting-Provider und oft identische Webdesigns nutzen. Diese enge Verknüpfung deutet stark darauf hin, dass die Betreiber hinter den einzelnen Marken dieselben Personen sind, die regelmäßig ihre Plattformen rebranden, sobald rechtliche Maßnahmen ergriffen werden.

und 24 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei avatradeshow.com gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei avatradeshow.com
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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