Warnung vor Easy Financial (finease.io): Betrugsmasche entlarvt

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·5 Min. Lesezeit·
Teilen:

Easy Financial (finease.io) ist ein betrügerisches Trading- und Krypto-Portal, das Anleger systematisch ausnutzt. Wenn Sie bereits Konten eröffnet haben, stoppen Sie sofort.

Screenshot der Webseite Finease (finease.io)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite finease.io

Warum finease.io unseriös ist

Die ersten Anzeichen eines Betrugs sind bereits in den öffentlichen Daten sichtbar. Easy Financial behauptet, seit 2012 aktiv zu sein, nennt aber keine Aufsichtsbehörde und keine Lizenznummer. Die Website listet lediglich eine Handelsregisternummer (08323962) auf, die jedoch nicht mit einer registrierten Gesellschaft in Verbindung steht. Das Fehlen eines registrierten Unternehmens in der britischen Handelsregisterdatenbank ist ein starkes Warnsignal.

Weiterhin gibt es keine Hinweise auf eine gültige Finanzaufsichtsbehörde. In Großbritannien müsste ein Broker bei der FCA registriert sein, was bei Easy Financial nicht der Fall ist. Die Website bietet keine klare Erläuterung, wie und wo die Handelsaktivitäten durchgeführt werden. Stattdessen präsentiert sie generische Aussagen über „Trading“ und „Crypto“ ohne konkrete Börsenpartner oder Handelsplattformen. Diese fehlende Transparenz ist typisch für Betrugsplattformen.

Ein weiteres Problem ist die fehlende Lizenznummer. Wenn ein Broker reguliert wäre, würde die Lizenznummer auf der Website prominent angezeigt werden. Hier fehlt sie komplett. Auch die angebotenen Dienste sind sehr allgemein gehalten: Trading, Crypto und Markets. Es gibt keine Spezifikation, welche Märkte gehandelt werden, welche Kontotypen angeboten werden oder wie die Trades ausgeführt werden. Die Kombination aus fehlender Regulierung, unklarem Handelsmodell und fehlender Lizenz ist ein klarer Indikator dafür, dass Easy Financial nicht seriös ist.

Wo Easy Financial angeblich sitzt

Die Plattform gibt an, ihre Adresse sei 185 Churchill Pl, Canary Wharf Estate, London E14 5HU, United Kingdom. Im Handelsregister ist dort kein Unternehmen mit dem Namen Easy Financial verzeichnet. Die Angabe klingt zwar verlockend, hat aber keine rechtliche Grundlage.

An der angegebenen Adresse im Vereinigten Königreich befindet sich ein Bürogebäude ("Barclays"). Eine geschäftliche Nutzung wäre dort grundsätzlich möglich, eine Tätigkeit dieses Anbieters konnte jedoch nicht verifiziert werden.

Die infrastrukturelle Spurensuche fördert einen Widerspruch zutage. Der Hosting-Anbieter ist in den USA registriert, der behauptete Sitz liegt dagegen im Vereinigten Königreich. Diese Konstellation ist klassisch für Operationen, die in einem Land ihren Ruf aufbauen und in einem anderen ihre technischen Spuren verwischen.

Adresse
Vereinigtes Königreich
Server-Standort
unbekannt
Telefon-Vorwahl
Vereinigtes Königreich

Wie der Betrug bei finease.io abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

Easy Financial nutzt gezielte Online-Werbung auf Instagram, Facebook und TikTok, um potenzielle Anleger zu erreichen. Die Anzeigen zeigen vermeintlich erfolgreiche Trader, die mit hohen Renditen berichten. In den meisten Fällen werden die Anzeigen von einer ansprechenden Grafik begleitet, die sofort die Aufmerksamkeit erregt. Sobald der Interessent auf einen Link klickt, gelangt er zu einer Landing Page, auf der ein „kostenloser Demo-Account“ angeboten wird. Der Demo-Account ist jedoch lediglich ein Simulationstool, das keine echten Trades ausführt.

Um das Vertrauen zu gewinnen, wird dem neuen Benutzer eine kleine Einzahlung von 250 € empfohlen, die angeblich ein „Starter-Konto“ freischaltet. Dieses geringe Risiko ermutigt den Anleger, den nächsten Schritt zu gehen. Die Plattform präsentiert dann eine fiktive Gewinnstatistik, die auf den ersten 250 € hinstellt.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigt die Plattform auf dem Dashboard sofort hohe Buchgewinne an. Zum Beispiel könnte ein Konto, das 250 € investiert hat, in zwei Wochen angeblich 800 € Gewinn ausweisen. Diese Zahlen entstehen ausschließlich durch Datenbankeinträge der Plattform, nicht durch echte Handelsaktivitäten. Es gibt keine nachweisbaren Aufträge an einer regulierten Börse. Der Trader kann keine echten Orderbuchdaten einsehen. Stattdessen werden ihm lediglich hübsche Diagramme präsentiert, die den Eindruck erwecken, dass der Handel profitabel sei.

Der Hauptzweck dieser Phase ist, das Vertrauen des Kunden zu festigen. Durch die Darstellung scheinbar schneller und sicherer Gewinne wird der Anleger überzeugt, dass die Plattform zuverlässig ist und seine Investitionen sicher wachsen.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Sobald das Vertrauen aufgebaut ist, beginnt ein persönlicher „Account-Manager“, der dem Anleger eine VIP-Status-Angebot macht. Hier werden Versprechen wie Hebel von 1:500, garantierte Profite und exklusive Zugänge zu IPOs gemacht. Der Manager nutzt dabei psychologische Drucktechniken: Er setzt ein Zeitlimit („Nur heute verfügbar“), schafft künstliche Verknappung („Nur noch wenige Plätze“) und präsentiert gefälschte Mit-Anleger-Storys, um Social Proof zu erzeugen.

Der Anleger wird motiviert, größere Beträge einzuzahlen: in der Regel zwischen 5 000 € und 50 000 €. In extremen Fällen haben sich Fälle gemeldet, in denen Betrüger mehr als 500 000 € abgezogen haben. Die Plattform nutzt die erweiterte Kontofunktionalität, um die Einzahlungen zu verschleiern, indem sie die Gelder in verschiedene Konten aufteilen oder in Kryptowährungen umwandeln.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger nun seine Gewinne auszahlen möchte, wird ihm plötzlich eine Liste von Gebühren auferlegt. Hier sind die typischen Forderungen, die Easy Financial verlangt:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich dieses Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten treten häufig Dritte auf den Plan. Sie präsentieren sich als Anwälte, Behördenmitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“. Sie versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen, verlangen aber Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Personen sind in der Regel dieselben Täter, die die ursprüngliche Plattform betrieben haben. Sie verkaufen die Opferdaten weiter und versuchen, weitere Gewinne aus den noch vorhandenen Konten zu ziehen.

Das Netzwerk hinter finease.io

Easy Financial ist Teil eines Netzwerks von zehn Plattformen, die identische Marketing- und Geschäftsmodelle verwenden. Das bedeutet, dass dieselben Betreiber hinter mehreren Marken agieren. Wenn eine Plattform auffällt, verschieben sie ihre Aktivitäten auf eine andere Marke, um die Aufmerksamkeit der Behörden zu umgehen. Diese Re-Branding-Taktik schafft ein Netzwerk von scheinbar unabhängigen Betrügern, die dieselben betrügerischen Techniken nutzen.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten. Sobald Sie Verdacht haben, dass Sie betrogen wurden, stoppen Sie jede weitere Einzahlung. Jede weitere Zahlung erhöht das Risiko, mehr Geld zu verlieren.
  2. Beweise sichern. Speichern Sie sämtliche E-Mails, Chat-Logs, Screenshots von Konto- und Auszahlungsübersichten sowie Bank- oder Kryptotransaktionsnachweise. Diese Dokumente sind entscheidend, wenn Sie später eine Strafanzeige erstatten oder rechtliche Schritte einleiten.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihren Kryptobörsen-Provider. Informieren Sie die Institutionen, um festzustellen, ob die Transaktionen als verdächtig markiert wurden. Bitten Sie um Unterstützung bei der Rückverfolgung der Gelder.
  4. Erstatten Sie eine Strafanzeige. Wenden Sie sich an Ihre örtliche Polizeidienststelle oder an das Bundeskriminalamt. Geben Sie alle gesammelten Beweise an. Die Ermittler werden die Transaktionen untersuchen und ggf. weitere Täter aufspüren.
  5. Ignorieren Sie Recovery-Scam-Versuche. Wenn Ihnen jemand im Namen von Anwälten oder Behörden schreibt und Vorauszahlungen verlangt, lehnen Sie diese Angebote ab und melden Sie sie sofort bei der Polizei. Seriöse Anwälte oder Behörden kontaktieren Sie nie unaufgefordert per WhatsApp oder E-Mail und verlangen keine Vorauszahlungen.

Fazit

Easy Financial (finease.io) ist keine regulierte Trading-Plattform. Das Fehlen von Lizenzinformationen, die Nutzung von gefälschten Gewinnen und die systematische Forderung von Auszahlungsgebühren zeigen eindeutig, dass es sich um einen Betrug handelt. Handeln Sie jetzt, sichern Sie Ihre Beweise und melden Sie den Vorfall. Nur so können Sie verhindern, dass weitere Anleger in die gleiche Falle tappen.

Das Netzwerk hinter finease.io

Easy Financial ist Teil eines Netzwerks von zehn Plattformen, die ähnliche Marketing- und Anbietermodelle nutzen. Es handelt sich um ein gemeinsames betrügerisches System, bei dem dieselben hinterhältigen Betreiber mehrere Marken gleichzeitig betreiben.

und 4 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei finease.io gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei finease.io
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

Kontakt

Anfrage stellen

Schildern Sie kurz, was passiert ist. Sie bekommen eine Rückmeldung mit erster Einschätzung und Empfehlung, wie es weitergeht.

Vertraulich · Berufliche Verschwiegenheit · Unverbindlich

Kurz schildern

Ein paar Angaben genügen. Danach melden wir uns mit einer ersten Einschätzung.

Vertraulich · Unverbindlich

Bei Finease Geld verloren?

Kostenlose Fall-Prüfung in 24h

Prüfen