Warnung vor Lucravence (lucravence.com): Erfahrungen zur Auszahlung

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Lucravence, ein angebliches Trading-Portal, hat sich als Betrugsplattform entpuppt. Anleger, die ihr Geld dort einzahlen, sehen ihre Konten plötzlich blockiert und können die Gewinne nicht abheben.

Screenshot der Webseite Lucravence (lucravence.com)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite lucravence.com

In den letzten Monaten hat Lucravence zahlreiche Anleger in Frankreich und den Niederlanden angesprochen. Die Plattform bietet „Trading“, „Investissement“ und „Gestion de portefeuille“ an, präsentiert sich jedoch ohne jegliche regulatorische Zulassung. In meiner Rolle als Finanzermittler in einer Spezialeinheit, der über 500 Anlagebetrugsfälle bearbeitet hat, sehe ich bei Lucravence klare Anzeichen für einen Betrug.

Warum lucravence.com unseriös ist

Die erste auffällige Unstimmigkeit ist das Fehlen einer Handelsregisternummer. Auf der Website taucht keine registrierungsnummer oder ein Hinweis auf eine Aufsichtsbehörde auf, was ein Muss für legale Broker ist. Zusätzlich wird keine Lizenznummer angegeben. Ohne diese Angaben kann die Plattform nicht nachweisen, dass sie den strengen Anforderungen der Finanzaufsicht entspricht.

Ein weiteres Merkmal ist die fehlende Transparenz bei den angebotenen Dienstleistungen. Lucravence listet lediglich generische Begriffe wie „Trading“ und „Investissement“ auf, ohne konkrete Produktbeschreibungen oder Risiken darzulegen. Auf der Website gibt es keine klare Darstellung der Handelsmechanismen, wie z. B. welche Börsen oder Märkte angeblich genutzt werden.

Zudem ist die Kontaktinformation unvollständig. Nur eine internationale Vorwahl (+31) ist angegeben, jedoch fehlt eine vollständige Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder ein Ansprechpartner im Handelsregister. Dies erschwert es Nutzern, Rückfragen zu stellen oder rechtliche Schritte einzuleiten.

Schließlich fehlt jede Form von Kundenbewertung oder Drittanbieter-Bewertungen. Die Plattform verweigert den Zugriff auf Trustpilot oder ähnliche Plattformen, was ein weiteres Signal dafür ist, dass es sich um eine fragwürdige Operation handelt.

Wie der Betrug bei lucravence.com abläuft

Erster Kontakt und Lockangebot

Opfer werden häufig durch gezielte Online-Werbung in sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook erreicht. Die Anzeigen versprechen hohe Renditen aus scheinbar einfachen Handelsstrategien. Oft werden gefälschte Testimonials von „Erfolgreichen Tradern“ eingeblendet, die angeblich seit Jahren mit Lucravence Geld verdienen. Der erste Schritt besteht darin, dass potenzielle Kunden eine kleine Anzahlung tätigen: meist um die 200 bis 300 €: um die Plattform kennenzulernen. Diese geringe Summe dient dazu, die Hemmschwelle zu senken und das Vertrauen in die Plattform zu erhöhen.

Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung werden den Nutzern in der Plattform-Dashboard unrealistische Gewinne angezeigt. Die Software generiert künstliche Zahlen, die in wenigen Tagen von 250 € auf mehrere Hundert Euro wachsen. Dabei gibt es keinerlei echte Orderausführung auf Börsen. Die Plattform nutzt lediglich ein internes System, das Gewinne simuliert, um das Vertrauen der Anleger zu stärken. Diese Manipulation lässt die Nutzer glauben, dass sie tatsächlich von den Marktbewegungen profitieren.

Drängen zu weiteren Einzahlungen

Sobald das Vertrauen aufgebaut ist, wird die Beziehung zwischen dem Nutzer und einem angeblichen „Account-Manager“ intensiviert. Dieser nutzt psychologischen Druck, indem er begrenzte Zeitfenster anbietet („Nur heute“, „Nur für kurze Zeit“) und vermeintliche Exklusivität verspricht („VIP-Konten“, „Hebel-Boni 1:500“). Der Nutzer wird dazu ermutigt, größere Summen einzuzahlen: häufig zwischen 5 000 und 50 000 €: um von angeblichen „Insider-Tipps“ oder „exklusiven IPO-Zugängen“ zu profitieren. Diese Technik, die auf sozialem Druck und künstlicher Knappheit basiert, führt dazu, dass die Anleger ihr gesamtes Vermögen riskieren.

Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Der entscheidende Moment tritt ein, wenn der Anleger sein Geld abheben möchte. Plötzlich verlangt die Plattform eine Reihe von Gebühren, die von der Plattform selbst eingeführt wurden. Diese beinhalten:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.
Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzliches Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung.

Recovery-Scam-Nachfolge

Nach dem ersten Verlust werden oft „Rechtsanwälte“, „Behörden­mitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ kontaktiert, die vorschlagen, das Geld zurückzuholen. Sie fordern Vorauszahlungen für „Rechtsberatung“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Hinter diesen Forderungen steckt häufig dieselbe Gruppe von Tätern. Sie nutzen die Angst der Opfer, ihre Verluste zurückzubekommen, um weitere Einnahmen zu generieren. Echte Anwälte oder Behörden melden sich niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jede zusätzliche Einzahlung verschafft den Tätern mehr Ressourcen.
  2. Alle Transaktionsnachweise sichern: Screenshots, E-Mails, Kontoauszüge und Zahlungsbelege sind wichtig, falls Sie später rechtliche Schritte einleiten.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Kryptowährungsbörse: Informieren Sie diese über die Transaktionen, damit sie die Konten überwachen und ggf. sperren.
  4. Melden Sie den Vorfall bei der Polizei: Legen Sie alle Beweise bei und fordern Sie eine Ermittlung ein.
  5. Ignorieren Sie „Recovery-Scams“: Seien Sie skeptisch gegenüber jedem Angebot, das Ihnen das Geld zurückgeben soll, wenn dafür zusätzliche Gebühren verlangt werden.

Das Netzwerk hinter lucravence.com

Lucravence ist Teil eines Netzwerks von 83 weiteren Plattformen, die häufig dieselben Betreiber oder Infrastrukturen teilen. Diese Verbindungen ermöglichen es den Tätern, ihre Masche über mehrere Marken hinweg zu wiederholen und die Nutzer zu verwirren. Die Plattformen nutzen dieselben Server, Zahlungs-Gateways und sogar dieselben gefälschten Testimonials, wodurch ein einheitliches Bild von Legitimität entsteht, obwohl keine regulatorische Zulassung besteht.

Schlussbemerkung

Wenn Sie bereits bei Lucravence investiert haben, sollten Sie jetzt handeln. Vermeiden Sie weitere Zahlungen und sichern Sie sämtliche Belege. Melden Sie den Vorfall umgehend bei den entsprechenden Behörden und Ihrer Bank. Die Plattform ist zweifelhaft und ohne regulatorische Genehmigung, sodass die Chancen, Ihr Geld zurückzubekommen, gering sind. Nutzen Sie Ihre Rechte und handeln Sie vorsichtig.

Das Netzwerk hinter lucravence.com

Lucravence ist Teil eines Netzwerks von 83 weiteren Plattformen, die häufig dieselben Betreiber oder Infrastrukturen teilen. Diese Verbindungen ermöglichen es den Tätern, ihre Masche über mehrere Marken hinweg zu wiederholen und die Nutzer zu verwirren.

und 77 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei lucravence.com gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei lucravence.com
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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