MIG MatInvestGroup (miginvestgr.tiiny.site)

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Die Plattform MIG MatInvestGroup, erreichbar unter miginvestgr.tiiny.site, ist ein klassisches Beispiel für einen Finanzbetrugs-Mechanismus. Das Angebot von „+50 % pro Monat“ und die Nutzung von USDC als Zahlungsmittel deuten eindeutig auf einen Scam hin.

Screenshot der Webseite Tiiny (miginvestgr.tiiny.site)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite miginvestgr.tiiny.site

Warum miginvestgr.tiiny.site unseriös ist

Die Plattform gibt an, seit 2017 aktiv zu sein und bietet Dienstleistungen wie „Investissement Financier“ und „Investissement Immobilier“ an. Allerdings fehlt jede Art von Regulierungs­aufsicht: weder eine Handelsregisternummer noch eine Lizenz von einer Aufsichtsbehörde ist vorhanden. Die Website ist ausschließlich in französischer Sprache verfügbar, obwohl die Telefonnummer ein französisches Mobilnetz (06 76 97 37 80) nutzt, was auf eine einseitige Ausrichtung hinweist. Weitere kritische Punkte sind die Versprechen von unrealistischen Renditen (+50 % pro Monat) und die Annahme von USDC (ERC20) als Zahlungsmittel, was in der Regel bei seriösen Plattformen nicht üblich ist. Schließlich gibt es keinerlei unabhängige Bewertungen oder Zertifizierungen; Trustpilot-Links fehlen, und es gibt keine Testimonials von bekannten Investoren. Alle diese Elemente deuten auf einen strukturierten Betrug hin.

Wie der Betrug bei miginvestgr.tiiny.site abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

Die meisten Opfer werden zunächst durch gezielte Werbung auf sozialen Medien, insbesondere auf Plattformen wie Instagram und TikTok, angesprochen. Dort finden sich oft kurze, ansprechende Videos mit angeblichen „Erfolgsgeschichten“, die das Angebot von MIG MatInvestGroup bewerben. Anschließend erhalten potenzielle Kunden einen Link zu einer Landing Page, auf der ein kleines Einzahlungsformular erscheint. Die minimalen Mindesteinzahlungen betragen lediglich 100 €, was die psychologische Hemmschwelle reduziert und das Vertrauen in die Plattform stärkt. Der Betreiber präsentiert sich als „Anlageberater“ und verspricht, das Geld in kurzer Zeit zu vermehren.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung wird dem Anleger ein Dashboard angezeigt, das sofortige Gewinne von bis zu 800 € nach zwei Wochen zeigt, wenn man aus 250 € investiert. Diese Zahlen stammen jedoch nicht aus realen Börsendaten, sondern sind simulierte Ergebnisse, die von der Software erzeugt werden. Es gibt keine Verbindung zu einer echten Börse oder einem regulierten Broker. Stattdessen werden die „Gewinne“ in einer Datenbank gespeichert und dem Nutzer in Form von hübsch aufbereiteten Zahlen angezeigt. Ziel ist es, das Vertrauen zu festigen und den Anleger zu ermutigen, weitere Mittel einzuzahlen.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Um den Anleger zu mehr Kapital zu bewegen, wird ihm häufig ein „VIP-Account“ versprochen, der angeblich Hebelboni von bis zu 1:500 bietet und „exklusive IPO-Zugänge“ gewährt. Der Betreiber nutzt dabei Techniken wie Zeit-Limits („nur heute“) und gefälschte Erfolgsgeschichten, um die Dringlichkeit zu erhöhen. Oft wird dem Kunden ein persönlicher „Account-Manager“ zugeteilt, der über E-Mail oder Telefon kommuniziert und den Eindruck einer individuellen Betreuung erweckt. Der Kunde zahlt dann häufig zwischen 5.000 und 50.000 €, wobei manche Opfer sogar über 500.000 € investieren.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger nun sein Geld oder die angeblichen Gewinne auszahlen möchte, wird plötzlich ein umfangreiches Gebühren-Set verlangt. Die geforderten Gebühren können sein:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich zu dem ursprünglichen Betrug auch dieses zusätzliche Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach dem ersten Zahlungsausfall werden Opfer oft von scheinbaren „Rechtsanwälten“, „Behördenmitarbeitern“ oder „Krypto-Forensik-Experten“ kontaktiert. Diese versprechen, das Geld zurückzuholen, und fordern Vorauszahlungen für „Reparatur- oder Übersetzungsgebühren“. In Wirklichkeit handelt es sich um denselben Betrugsring, der die Daten der Opfer weiterverkauft. Seriöse Anwälte oder Behörden melden sich nie unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram. Jede weitere Zahlung in dieser Phase verschafft dem Täter lediglich zusätzliche Mittel.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  • Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jeder Versuch, weitere Gelder einzuzahlen, vertieft das Risiko eines vollständigen Verlustes.
  • Beweise sichern: Speichern Sie alle E-Mails, SMS, Zahlungsbelege und Bildschirmfotos. Diese Dokumente sind entscheidend für mögliche Ermittlungen.
  • Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihre Krypto-Börse: Informieren Sie die Finanzinstitution über den Verdacht auf betrügerische Aktivitäten und fordern Sie die Sperrung aller Konten, die mit der Plattform verknüpft sind.
  • Erstatten Sie Strafanzeige: Wenden Sie sich an Ihre örtliche Polizeidienststelle oder das Finanzamt und melden Sie den Vorfall. Die Ermittlungsbehörden können bei Bedarf weitere Maßnahmen ergreifen.
  • Ignorieren Sie „Recovery-Scam“-Angebote: Jede Aufforderung, weitere Gebühren zu zahlen, ist ein klarer Betrugssignal. Lassen Sie sich nicht von vermeintlichen Experten täuschen.
  • Suchen Sie rechtliche Beratung: Ein Fachanwalt für Finanzrecht kann Ihnen helfen, die rechtlichen Möglichkeiten zur Rückforderung Ihrer Mittel zu prüfen und die nötigen Schritte einzuleiten. Sie haben das Recht, sich gegen solche betrügerischen Praktiken zu wehren. Durch schnelles Handeln und sorgfältige Dokumentation erhöhen Sie Ihre Chancen, zumindest einen Teil Ihrer Verluste zurückzugewinnen.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei miginvestgr.tiiny.site gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei miginvestgr.tiiny.site
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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