Remium plus (remiumplus.org) im Faktencheck: Ist das Investment-Portal ein Betrug?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·5 Min. Lesezeit·
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Remium plus (remiumplus.org) präsentiert sich als Krypto- und Aktienplattform mit versprochenen 25 % Rendite pro Tag. Unter forensisch-technischer Betrachtung zeigen die Daten jedoch klare Anzeichen für ein betrügerisches Modell. Anleger sollten sich bewusst machen, dass hier keine echten Finanzinstrumente gehandelt werden.

Screenshot der Webseite Remiumplus (remiumplus.org)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite remiumplus.org

Warum remiumplus.org unseriös ist

Die Analyse der verfügbaren Informationen offenbart mehrere Inkonsistenzen, die nicht von einem regulierten Broker erklärt werden können:

  1. Fehlende Aufsichtsbehörde und Lizenz: Auf der Website wird weder eine Aufsichtsbehörde noch eine Lizenznummer genannt. Ein seriöser Broker muss bei einer anerkannten Finanzaufsichtsbehörde registriert sein und seine Lizenz offenlegen.
  2. Unrealistische Renditeversprechen: Die Plattform bietet 25 % Rendite pro Tag an. Solche Gewinne sind in jedem Markt unhaltbar, weil sie die Volatilität von Kryptowährungen und Aktien übersteigen. Ein legitimer Broker kann keine garantierten Renditen aussprechen.
  3. Kein Nachweis von Handelsaktivität: Es gibt keine Belege dafür, dass echte Aufträge an Börsen ausgeführt werden. Stattdessen werden in der Webanwendung nur simulierte Gewinnzahlen angezeigt, die zu jeder Zeit geändert werden können.
  4. Unvollständige Kontaktdaten: Während eine E-Mail-Adresse vorhanden ist, fehlt ein Telefon. Das Fehlen eines erreichbaren Kundenservice ist ein häufiges Merkmal bei betrügerischen Plattformen.
  5. Mangel an Transparenz: Die Plattform listet keine Jahresberichte, keine Audits und keine unabhängige Prüfung auf. Transparenz ist ein Grundpfeiler der Finanzmarktregulierung.
  6. Ungewöhnliche Adresse: Die angegebene Adresse führt zu einem Wohngebiet in New York, nicht zu einem regulierten Finanzzentrum. Die fehlende Registrierung in den Handelsregistern unterstreicht die Unzuverlässigkeit.

Diese Punkte zusammen bilden ein starkes Warnsignal: remiumplus.org ist kein regulierter Broker, sondern ein System, das darauf ausgelegt ist, Vertrauen zu erschleichen und Gelder zu stehlen.

Wie der Betrug bei remiumplus.org abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

Die ersten Berichte über remiumplus.org stammen häufig aus Social-Media-Plattformen. Auf Instagram, Facebook und TikTok tauchen gezielte Werbeanzeigen auf, die angeblich „Top-Anlageexperten“ und „exklusive Insider-Tipps“ versprechen. Oft werden kurze Videos mit scheinbar zufälligen Personen gezeigt, die von schnellen 25 % Rendite berichten. In manchen Fällen nutzen die Betreiber sogenannte „Telegram-Gruppen“, in denen ein vermeintlicher „Account-Manager“ persönliche Nachrichten sendet und die potenzielle Anlegerin mit einer Einzahlungsaufforderung konfrontiert. Die erste Einzahlung wird bewusst niedrig gehalten: typischerweise 1 000 €: um die Hemmschwelle zu senken und die Opfer zu locken. Diese Summe erscheint als „Starter-Investment“, das angeblich sofort in der Plattform umgesetzt wird.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der Einzahlung werden die Konten der Nutzer in der Webanwendung sofort mit hohen Gewinnzahlen gefüllt. Das Dashboard zeigt in wenigen Sekunden „Aus 1 000 € werden in 24 h 2 500 €“. Diese Zahlen sind jedoch rein simuliert; es gibt keine Verbindung zu echten Börsen oder Handelskonten. Die Plattform nutzt ein proprietäres Software-Modul, das beliebige Zahlen generiert und dem Nutzer ein Gefühl von Erfolg vermittelt. Gleichzeitig wird das Nutzerkonto für weitere Einzahlungen vorbereitet, indem die Plattform die „Erfolgsquote“ des Nutzers mit 100 % anzeigt, um Vertrauen zu schaffen.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Sobald die erste Einzahlung erfolgt ist und die simulierten Gewinne sichtbar werden, wird der Nutzer durch einen persönlichen „Berater“ kontaktiert. In der Regel erfolgt dies über E-Mail, Chat oder Telefonanrufe, die im Rahmen des Angebots als „VIP-Support“ beworben werden. Der Berater nutzt soziale Beweise: Er nennt Namen von „anderen Investoren“, die angeblich bereits 5 % Referral Bonus erhalten haben. Es werden auch „exklusive IPO-Zugänge“ und „Hebel-Boni von 1 000 :1“ versprochen, obwohl solche Hebel bei regulierten Brokern streng reguliert sind. Der Druck steigt, weil dem Nutzer ein zeitlich begrenztes Angebot präsentiert wird („Nur heute: 2-wöchiger Bonus“). Viele Anleger zahlen weitere 5 000 bis 50 000 €, in der Hoffnung, die simulierten Gewinne zu vervielfachen. In seltenen Fällen berichten Opfer von über 500 000 € Einzahlungen.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger nun seine simulierten Gewinne auszahlen lassen möchte, tritt ein neuer Mechanismus ein. Der „Auszahlungsprozess“ wird durch mehrere fiktive Gebühren blockiert. Die Plattform listet mindestens fünf typische Fake-Gebühren auf:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich das bereits investierte Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten tauchen häufig „Dritte“ auf. Das sind angebliche Anwälte, die einen „Vergleichsverfahren“ anbieten, oder „Krypto-Forensiker“, die versprechen, die Geldbörse zu „retten“. Sie verlangen Vorauszahlungen für „Rechtsberatung“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Forderungen sind ein weiterer Trick, um mehr Geld zu erpressen. In der Regel handeln die gleichen Täter weiter, die zuvor die Plattform betrieben haben. Sie verkaufen die gesammelten Daten an andere Betrüger und nutzen die Konten, um noch mehr Opfer zu generieren.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  • Sofort keine weitere Zahlung leisten: Jede zusätzliche Einzahlung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das Geld verlieren. Bleiben Sie bei Ihrem aktuellen Kontostand und prüfen Sie, ob Sie noch weitere Mittel auf das Konto überwiesen haben.
  • Beweise sichern: Speichern Sie sämtliche E-Mails, Chat-Logs, Zahlungsbelege und Bildschirmfotos. Diese Unterlagen sind wichtig, falls Sie später Strafanzeige erstatten wollen oder wenn Sie die Plattform an Behörden melden.
  • Bank oder Krypto-Börse informieren: Kontaktieren Sie Ihre Bank oder den Betreiber Ihrer Kryptowallet, um die Transaktionen zu markieren. Bitten Sie um einen möglichen Rückbuchungsvorgang, falls die Transaktion noch nicht endgültig abgeschlossen ist.
  • Strafanzeige erstatten: Melden Sie den Fall bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle oder beim Online-Fraud-Center. Geben Sie alle gesammelten Beweise an. Ihre Anzeige kann zur Aufklärung beitragen und verhindert weitere Opfer.
  • Recovery-Scam-Versuche ignorieren: Wenn Ihnen jemand auf WhatsApp, Telegram oder E-Mail schreibt und behauptet, Ihr Geld zurückzubekommen, lehnen Sie die Angebote ab. Seriöse Anwälte oder Behörden melden sich nie per unaufgefordertem Kontakt.

Schluss

remiumplus.org nutzt moderne Marketing-Techniken, um Vertrauen zu schaffen und Opfer zu locken. Die fehlenden Lizenzen, unrealistischen Renditeversprechen und die strukturierte Vorgehensweise zeigen eindeutig, dass es sich um einen Betrug handelt. Als Opfer sollten Sie sofort handeln, Beweise sichern und sich an die Behörden wenden. Nur so können Sie Ihre Chancen erhöhen, zumindest einen Teil Ihres Geldes zurückzuerlangen, und gleichzeitig verhindern, dass weitere Personen Opfer werden.

Das Netzwerk hinter remiumplus.org

remiumplus.org ist Teil eines Netzwerks von 45 ähnlichen Plattformen. Alle teilen dieselbe Domain-Endung, die gleiche Webarchitektur und häufig dieselben Werbesprüche. Diese Gemeinsamkeiten deuten auf ein gemeinsames Betreiberteam hin.

und 39 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei remiumplus.org gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei remiumplus.org
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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