Achtung: Sellseeus (sellseeus.net) ist Betrug!

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Sellseeus (sellseeus.net) präsentiert sich als Immobilienbroker, doch die Fakten zeigen eindeutig, dass es sich um einen Betrug handelt. Ihre Behauptungen, keine Lizenz, keine Registrierung und keine echte Handelsbasis: das sind die Signale, die Sie nicht ignorieren dürfen.

Screenshot der Webseite Sellseeus (sellseeus.net)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite sellseeus.net

Warum sellseeus.net unseriös ist

Sellseeus (sellseeus.net) präsentiert sich als Anbieter von „Mortgage Deals“, „Refinance Applications“ und „First-Time Buyer Applications“, doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Auf der Website fehlt eine Handelsregisternummer und jegliche Angabe zu einer Aufsichtsbehörde. Ohne Lizenz ist es illegal, Finanzdienstleistungen anzubieten, und das Fehlen einer Registrierungsnummer ist ein sofortiger Alarm. Weiterhin gibt es keinerlei Nachweise für ein Bankkonto, ein Handelskonto oder eine verlässliche Buchhaltung. Die Kontaktinformationen sind lückenhaft: Die Telefonnummer stammt aus Australien, die E-Mail-Adresse ist generisch und die Adresse in Delaware ist nicht registriert. Solche Inkonsistenzen sind charakteristisch für betrügerische Plattformen, die versuchen, Vertrauen zu erwecken, ohne tatsächlich existierende Geschäftsgrundlagen zu besitzen.

Wie der Betrug bei sellseeus.net abläuft

Schritt 1: Der erste Kontakt und das lockende Angebot

Sellseeus greift zunächst auf aggressive Online-Marketing-Kanäle zurück. Auf Instagram und Facebook werden gefälschte Anzeigen geschaltet, die angebliche „erste-Zeit-Käufer-Erfolgsstorys“ zeigen. In diesen Posts wird behauptet, dass man mit minimalen Investitionen sofort hohe Renditen erzielen könne. Oft wird ein kurzer Link zu einer Landingpage bereitgestellt, die ein „kostenloses Erstgespräch“ anbietet. Sobald ein Besucher klickt, wird ein kurzer Online-Quiz ausgefüllt, der scheinbar persönliche Daten erfasst. Diese Daten dienen später als „Vertrauensbasis“. Der erste Kontakt ist also ein gezielter Versuch, ein Gefühl der Dringlichkeit und des Angebots zu erzeugen: alles, ohne dass ein echter Broker oder ein regulierter Dienstleister involviert ist.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach dem Erstkontakt wird dem Nutzer eine Dashboard-Ansicht präsentiert, die angebliche Gewinne von bis zu 300 % innerhalb weniger Tage zeigt. Diese Zahlen entstehen aus einer Software, die lediglich Zufallszahlen generiert und sie in ein „Profit-Tracker“ einpflegt. Es gibt keine echte Verbindung zu einer Börse oder einem Immobilienmarkt, keine echten Kauf- oder Verkaufsaufträge, keine realen Transaktionen. Die Plattform nutzt nur ein Front-End-Design, das die Illusion von Professionalität erweckt. Diese Vorgehensweise ist typisch für Betrugsplattformen, die das Vertrauen der Opfer durch falsche Zahlen stärken, bevor sie die eigentliche Ausnutzung einleiten.

Schritt 3: Druck zu weiteren Einzahlungen

Um die Beziehung zu vertiefen, wird dem Nutzer ein „Account-Manager“ zugewiesen, der regelmäßig Kontakt hält. Der Manager betont angeblich die Möglichkeit, ein VIP-Konto zu eröffnen, das „exklusive Einblicke in Marktbewegungen“ bietet. Durch das Versprechen von Hebel-Boni, garantiertem Gewinn und „Insider-Tipps“ wird der Nutzer emotional angesprochen. Oft werden Zeitlimits gesetzt: „Nur noch heute erhalten Sie 1:500 Hebel“, was einen künstlichen Druck erzeugt. Die geforderte Einzahlung variiert, aber häufig liegen die Beträge zwischen 5.000 und 50.000 Euro: genug, um die Opfer in die nächste Phase des Betrugs zu locken.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und die Gebührenfalle

Wenn das Opfer nun seine Gewinne auszahlen lassen möchte, tauchen plötzlich mehrere Gebühren auf. Dazu gehören:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht. Wer in dieser Phase eine dieser Gebühren zahlt, verliert zusätzliches Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung: das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Der Recovery-Scam

Nach den ersten Verlusten tauchen oft „Anwälte“, „Behörden-Mitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ auf, die angeblich die Rückerstattung ermöglichen sollen. Sie fordern Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Forderungen sind immer ein Zeichen, dass dieselben Täter die Kontrolle behalten und die Opfer weiter ausnutzen wollen. In Wirklichkeit handelt es sich um eine weitere Masche, um noch mehr Geld von bereits betroffenen Personen zu erlangen. Seriöse Anwälte oder Behörden melden sich niemals unaufgefordert über WhatsApp oder Telegram.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten. Jede zusätzliche Transaktion erhöht das Risiko, komplett aus dem System zu verschwinden.
  2. Sammeln Sie alle Beweise. Screenshots, E-Mails, Chat-Protokolle und Bank-Übergaben sichern. Diese Unterlagen sind entscheidend für Ermittlungen und mögliche Strafanzeigen.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihren Kryptobörsen-Provider. Informieren Sie sie über die verdächtigen Transaktionen und fordern Sie eine Sperrung der betreffenden Konten.
  4. Reichen Sie eine Strafanzeige bei der örtlichen Polizeibehörde ein. Nutzen Sie Ihren Hintergrund bei der Finanzermittlung, um die Ermittlungen zu unterstützen.
  5. Ignorieren Sie Recovery-Scam-Angebote. Seriöse Fachleute werden Sie nicht per Messenger kontaktieren, um angebliche Rückzahlungen zu sichern. Schließen Sie jeglichen Kontakt ab und melden Sie die Akte an die Behörden.

Handeln Sie jetzt: sichern Sie Ihre Daten, melden Sie die Betrugsplattform und schützen Sie sich vor weiteren Verlusten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei sellseeus.net gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei sellseeus.net
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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