Kryvon Gear App (thekryvongearapp.org) im Faktencheck: Betrugsmasche entschlüsselt

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Kryvon Gear App (thekryvongearapp.org) ist keine regulierte Börse. Die Plattform lockt mit angeblichen Krypto-Gewinnen, verspricht jedoch keine lizenzierten Handelsdienstleistungen. Die Betreiber nutzen gezielte Desinformation, um Anleger zu täuschen und ihr Geld zu erlangen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt seit dem 18. Mai 2026 ausdrücklich vor Thekryvongearapp unter dem Titel „Online-Vermittlung an Bildungseinrichtungen - Bafin warnt wiederholt vor diversen Websites“. Die vollständige BaFin-Warnung zu Thekryvongearapp steht auf der offiziellen Seite der BaFin zur Verfügung.

Screenshot der Webseite Thekryvongearapp (thekryvongearapp.org)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite thekryvongearapp.org

Warum thekryvongearapp.org unseriös ist

Die erste Anzeichen von Unregelmäßigkeit sind fehlende rechtliche Angaben. Auf der Website gibt es keine Handelsregisternummer, keine Angabe einer Aufsichtsbehörde und keinen Lizenznachweis. Die Betreiber nennen lediglich ein Telefon +49, ohne weitere Kontaktinformationen. Ein seriöser Broker müsste seine Registrierung bei einer Aufsichtsbehörde offenlegen und klare Kontaktdaten bereitstellen.
Zweitens gibt die Plattform keine Einzahlungsmethoden an. Die Abschnitte zu Einzahlungen und Auszahlungen sind leer, und es gibt keine Hinweise auf Bankverbindungen oder Kryptowallets. Ein legitimer Dienst würde mindestens eine oder mehrere Zahlungsmethoden auflisten.
Drittens ist die Plattform mehrsprachig, aber die Inhalte sind teilweise unvollständig. Die Sprachoptionen umfassen 15 Sprachen, jedoch fehlen in allen Varianten rechtliche Hinweise, Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen.
Viertens gibt es keine Kundenbewertungen, keine Auszeichnungen und keine unabhängigen Testberichte. Die Angabe von 3 Jahren Erfahrung und 3.200.000 angeblichen Kunden erscheint willkürlich. Ohne unabhängige Quellen bleibt die Glaubwürdigkeit fraglich.
Schließlich ist die Plattform im Jahr 2019 gegründet. Das bedeutet, sie hat noch keine längere Geschichte von regulärer Tätigkeit, die bei einer seriösen Börse erwartet wird.
All diese Inkonsistenzen sind klare Warnsignale. Sie zeigen, dass Kryvon Gear App weder die Transparenz noch die regulatorische Einhaltung bietet, die für den Handel mit Kryptowährungen erforderlich sind.

Wie der Betrug bei thekryvongearapp.org abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

Kryvon Gear App erreicht potenzielle Opfer über gezielte Social-Media-Kampagnen. Die Anzeigen laufen auf Instagram, TikTok und Telegram und präsentieren angebliche „Top-Trader“ mit scheinbar hohen Renditen. Oft wird ein kurzer Videoclip gezeigt, in dem ein vermeintlicher Trader erklärt, wie einfach es sei, mit wenigen Euro große Gewinne zu erzielen.
Der erste Eindruck ist verlockend: Die Plattform verspricht, dass 250 € in wenigen Tagen zu 800 € anwachsen. Der Einstieg erfolgt über ein kleines Formular, das lediglich den Namen, die E-Mail-Adresse und das gewünschte Mindestinvestment abfragt.
Die Plattform nutzt psychologisches Druckmittel: Sie legt einen niedrigen Einstiegsbetrag fest, um die Hemmschwelle zu senken. Gleichzeitig bietet sie „VIP“-Status für eine kleine Gebühr an, wodurch der Eindruck entsteht, dass man exklusiven Zugang zu „insider“-Strategien erhält.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach dem ersten Investment zeigt die Plattform dem Nutzer eine Dashboard-Ansicht, die scheinbar hohe Gewinne anzeigt. Diese Zahlen sind jedoch generiert, keine echten Börsenorders. Die Software speichert die Transaktionen lokal und aktualisiert die Gewinne in Echtzeit, um den Eindruck von Marktdynamik zu erwecken.
Die Anleger sehen, wie ihr Kontostand wächst, ohne dass tatsächlich Handel stattfindet. Das schafft Vertrauen und ermutigt zur weiteren Einzahlung.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Der „Account Manager“ greift in Kontakt über Chat oder E-Mail. Er bietet dem Anleger einen „Leverage-Bonus“ von 1:500 an, wenn dieser eine zusätzliche Summe einzahlt. In den Nachrichten werden „Exklusiv-IPO-Zugänge“ und „garantierte Profite“ versprochen.
Diese Versprechen sind unhaltbar. Es gibt keine echten Börsenverbindungen, keine Lizenzen, keine regulierten Märkte. Die Plattform nutzt den Mangel an regulatorischer Transparenz, um Angst und Gier zu schüren.
Der Druck ist hoch: Zeitlich begrenzte Angebote, „nur noch heute“ und gefälschte Testimonials von angeblichen erfolgreichen Anlegern. Das Ziel ist, die Opfer dazu zu bringen, mehr Geld zu investieren, bevor sie die fehlende Regulierung bemerken.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn ein Anleger sein Geld zurückfordern will, erscheint plötzlich ein „Auszahlungsprozess“. Die Plattform verlangt eine Reihe von Gebühren, die angeblich für „Transaktionsgebühr“, „Steuervorauszahlung ans Finanzamt“, „Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko“, „KYC-Verifizierungsgebühr“ und „Kontokonto-Aktivierungsgebühr“ sind.
Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.
Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzliches Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten tauchen oft angebliche „Krypto-Forensiker“, „Anwälte“ oder „Behördenmitarbeiter“ auf. Sie versprechen, das Geld zurückzuholen, verlangen jedoch Vorauszahlungen für „Rechtsberatung“, „Übersetzungsservice“, „Server-Zugriffe“.
Hinter diesen Versprechen stecken die selben Täter, die die Opferdaten weiterverkaufen. Echte Anwälte und Behörden melden sich niemals per WhatsApp oder Telegram unaufgefordert. Das Vorgehen ist eine zusätzliche Einnahmequelle für die Betrüger.

Das Netzwerk hinter thekryvongearapp.org

Die Plattform gehört zu einem Netzwerk von 23 weiteren Websites, die dieselbe Backend-Software verwenden. Oft werden die Namen leicht variiert, um die Regulierungsbehörden zu täuschen. Die Betreiber tauschen sich in privaten Telegram-Gruppen aus und teilen sich das Marketingbudget. Das Netzwerk ermöglicht es, bei einem Ausfall einer Seite sofort auf eine andere umzuleiten.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten. Jede weitere Einzahlung erhöht das Risiko eines totalen Verlustes.
  2. Bewahren Sie sämtliche Kommunikationsnachrichten, E-Mails und Screenshots auf. Diese sind Beweismaterial für mögliche Ermittlungen.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihren Zahlungsanbieter, um die Transaktion zu blockieren und ggf. eine Rückbuchung zu veranlassen.
  4. Melden Sie den Vorfall bei der Polizei, insbesondere bei der Abteilung für Finanzbetrug, und legen Sie alle Beweise vor.
  5. Ignorieren Sie Angebote von „Anwälten“ oder „Krypto-Forensikern“, die Sie zur Zahlung von Gebühren auffordern. Seriöse Experten werden keine Vorauszahlungen verlangen.
  6. Informieren Sie Ihre Freunde und Bekannten über die Masche, um weitere Opfer zu verhindern.

Wenn Sie bereits bei Kryvon Gear App investiert haben, handeln Sie jetzt: sichern Sie Ihre Daten, melden Sie den Vorfall und vermeiden Sie weitere Verluste.

Das Netzwerk hinter thekryvongearapp.org

Die Plattform ist Teil eines Netzwerks von 23 weiteren Broker-Websites. Diese Seiten teilen sich oft dieselbe Backend-Infrastruktur, das gleiche Domain-Hosting und dieselben Marketing-Kanäle. Das weist auf ein einheitliches betrügerisches Ökosystem hin, das von denselben Tätern betrieben wird.

und 17 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei thekryvongearapp.org gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei thekryvongearapp.org
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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