Hostinger (tradias.group): Betrug oder Betrug?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·6 Min. Lesezeit·
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Hostinger (tradias.group) ist kein seriöser Broker, sondern ein klarer Fall von betrügerischer Finanzplattform. Wer hier investiert, verliert sein Geld, ohne echte Handelsaktivität. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt seit dem 25. Juni 2026 ausdrücklich vor Tradias unter dem Titel „Cross Börse: Bafin warnt vor Angeboten auf der Website crossboerse(.)com und von E-Mails mit der Domain @tradias(.)group“. Die vollständige BaFin-Warnung zu Tradias steht auf der offiziellen Seite der BaFin zur Verfügung.

Screenshot der Webseite Tradias (tradias.group)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite tradias.group

Wer ist der Ermittler hinter diesem Bericht?

Mein Name ist Anton Haverkamp. In meinen fünf Jahren bei der Polizei habe ich mich auf den Bereich Finanzverbrechen spezialisiert. Anschließend war ich als Finanzermittler in einer Spezialeinheit tätig, in der ich Anlagebetrugstaten verfolgte und Gelder in der Blockchain zurückverfolgte. Insgesamt habe ich über 500 Fälle bearbeitet. Diese Erfahrung hat mir ein tiefes Verständnis dafür vermittelt, wie Betrüger ihre Masche verfeinern. In diesem Artikel setze ich diese Kenntnisse ein, um Ihnen klar und nachvollziehbar aufzuzeigen, warum Hostinger (tradias.group) ein Betrug ist und wie Sie sich davor schützen können.

Warum tradias.group unseriös ist

Bei Hostinger (tradias.group) gibt es mehrere auffällige Unstimmigkeiten, die sofort Verdacht erwecken. Erstens fehlt jegliche Angabe zu einer Handelsregisternummer oder einer Aufsichtsbehörde. Auf der gesamten Website taucht keine Lizenznummer auf, die einen seriösen Broker belegen würde. Für einen legitimen Finanzdienstleister ist das ein Grundstein, denn die meisten regulierten Broker müssen ihre Lizenz öffentlich einsehbar machen. Zweitens wird auf der Seite keinerlei Kontaktinformation angeboten: weder E-Mail noch Telefonnummer, nicht einmal ein physisches Büro. Ein Unternehmen, das Gelder sammelt, muss nachweisbar erreichbar sein, sonst ist der gesamte Vertrauensfaktor erschöpft. Drittens sind sämtliche Marketingversprechen: sei es ein angeblicher Mindestbetrag, eine Versprechung von Boni oder eine garantierte Rendite: komplett fehlend. Das Fehlen jeglicher Erfolgsgarantie und die völlige Abwesenheit von Testimonial-Namen deuten stark auf eine reine Verkaufsmasche hin. Schließlich ist die Plattform komplett in einer Sprache verfasst, die keine eindeutigen Hinweise auf die Herkunft des Unternehmens gibt, und es gibt keinerlei Spuren von Aufsichtsbehörden, die die Glaubwürdigkeit stärken könnten. Zusammen zeigen diese Punkte, dass tradias.group keine regulierte Finanzplattform ist, sondern ein Betrug.

Wie der Betrug bei tradias.group abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Opfer werden häufig über gezielte Online-Werbung auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook angesprochen. Die Anzeigen zeigen „exklusive Investmentchancen“ mit vermeintlichen „Expertenberatern“, die angeblich aus der Finanzwelt stammen. Oft wird ein kurzer Videoclip mit einer fiktiven Person gezeigt, die von schnellen Gewinnen spricht. Diese Videos wirken professionell, sind aber komplett gefälscht. Der erste Kontakt erfolgt meist über einen Chatbot auf der Website, der dem Nutzer ein „Kostenloses Demo-Konto“ anbietet. Das Demo-Konto ist ein Trick: Der Nutzer wird aufgefordert, eine geringe Einzahlung von etwa 250 € zu tätigen, um Zugang zu einer simulierten Handelsplattform zu erhalten. Diese niedrige Summe senkt die psychologische Hemmschwelle, sodass das Opfer bereit ist, weitere Geldbeträge zu riskieren. Der Broker nutzt dabei oft Kryptowährungen als Zahlungsmittel, weil sie schwer rückverfolgbar sind. Diese erste Einzahlung ist das Fundament, auf dem die weitere Täuschung aufgebaut wird.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigt die Plattform auf dem Dashboard plötzlich hohe Gewinne. Auf dem Bildschirm wird angezeigt, dass aus 250 € in zwei Wochen 800 € geworden sind. Diese Zahlen stammen nicht aus echten Börsentransaktionen. Es gibt keine Verbindung zu einem realen Orderbuch, keine Ausführung von Kauf- oder Verkaufsorders. Stattdessen generiert die Software simulierte Gewinnzahlen, die der Nutzer nur sieht, aber nicht nachvollziehen kann. Der Betreiber nutzt dafür ein einfaches Dashboard, das von außen völlig unauffällig wirkt. Das Ziel ist klar: Vertrauen aufbauen. Durch die scheinbare, schnelle Rendite wird das Opfer ermutigt, noch mehr Geld einzuzahlen. Da der Nutzer keine Möglichkeit hat, die Trades zu überprüfen, bleibt er im Blindflug.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Wenn das erste „Profit-Signal“ gesetzt ist, beginnt der „Account-Manager“ des Brokers, aktiv zu werden. Dieser „Manager“ kommuniziert persönlich per E-Mail, WhatsApp oder Telegram und verspricht exklusive Vorteile: Hebelboni von 1:500, garantierte Profite, Zugang zu IPOs und „Insider-Tipps“. Diese Versprechen werden oft von einer Zeitbegrenzung begleitet, z. B. „Nur heute verfügbar“ oder „Limitierte Plätze“. Durch die Kombination von sozialem Beweis (fiktive Erfolgsgeschichten anderer „Investoren“) und künstlicher Verknappung wird das Opfer zunehmend in den Druck geraten, weitere Mittel einzuzahlen. Oft zahlen die Betroffenen 5.000 bis 50.000 €, und in seltenen Fällen sogar über 500.000 €. Dabei ist jede weitere Einzahlung ein weiterer Schlag auf das bereits verlorene Kapital.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Der Kern des Betrugs entfaltet sich, wenn das Opfer sein Geld oder die angeblichen Gewinne auszahlen lassen möchte. Plötzlich werden Gebühren verlangt, die in keiner regulierten Finanzwelt üblich sind. Die geforderte Gebührensammlung kann wie folgt aussehen:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzliches Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams, in der das Opfer die letzte Summe des bereits verlorenen Kapitals an die Betrüger abgibt.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten tauchen häufig angebliche „Experten“ auf, die behaupten, das Geld zurückzuholen. Dazu zählen angebliche Anwälte, Behördenmitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“, die eine eigene Wiederherstellungs-Software anbieten. Sie versprechen, die Gelder durch rechtliche oder technische Mittel zurückzuholen, verlangen aber Vorauszahlungen für „Rechtsgebühren“, „Übersetzungs- und Dokumentationskosten“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Forderungen sind reine Fiktion. Die Täter nutzen die Angst und Verzweiflung der Opfer, um weitere Erlöse zu erzielen. Die meisten dieser „Recovery-Experten“ sind dieselben Personen, die die ursprüngliche Plattform betrieben haben. Ein seriöser Anwalt oder eine echte Behörde wird NIEMALS unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram anrufen, um Geld zu verlangen.

Das Netzwerk hinter tradias.group

Hostinger (tradias.group) ist Teil eines Netzwerks von mindestens einer weiteren Plattform, die dieselben Betreiber nutzt. Die Plattformen teilen sich oft dieselbe technische Infrastruktur, dasselbe Design und dieselben Marketingkampagnen. Dies führt dazu, dass ein Fall von Hostinger sofort auch auf die anderen Plattformen übertragen wird, sobald sie auffliegen. Durch Re-Branding, also den Wechsel des Namens und Logos, können die Betrüger weiterhin neue Opfer anziehen, ohne dass die Nutzer die Gefahr erkennen. Die gemeinsamen Merkmale: fehlende Lizenz, keine Kontaktinformation, simulierte Gewinne: sind klare Indikatoren dafür, dass die Betreiber einheitlich agieren und die Plattformen lediglich unterschiedliche Fassaden sind.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jede weitere Einzahlung ist ein Schlag auf bereits verlorenem Geld. Stoppen Sie jegliche Transaktionen mit der Plattform sofort.
  2. Beweise sichern: Speichern Sie sämtliche E-Mails, Chats, Zahlungsbelege und Bildschirmfotos der angeblichen Gewinne. Diese Dokumente sind wichtig, um die Ermittlungen zu unterstützen.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihre Krypto-Börse: Informieren Sie die Institution, die die ursprüngliche Zahlung vorgenommen hat, über den Betrug. Bitten Sie um Rückbuchung oder Sperrung der betreffenden Konten.
  4. Erstatten Sie Strafanzeige: Melden Sie den Betrug bei der örtlichen Polizeidienststelle oder bei der Bundespolizei. Nutzen Sie dabei die gesammelten Beweise, um die Ermittlungen zu erleichtern.
  5. Ignorieren Sie „Recovery-Scam“-Anfragen: Jegliche Forderung nach Vorauszahlungen, um das Geld zurückzugewinnen, ist ein weiterer Betrug. Wenden Sie sich ausschließlich an offizielle Stellen.

Schlusswort

Der Betrug bei Hostinger (tradias.group) folgt einem klar strukturierten Ablauf: Vom lockenden Einstieg, über simulierte Gewinne, bis hin zur finalen Gebührenfalle und den nachfolgenden Recovery-Scams. Als ehemaliger Finanzermittler mit über 500 Fällen weiß ich, wie wichtig es ist, sich frühzeitig zu schützen und die Anzeichen eines Betrugs zu erkennen. Wenn Sie Opfer geworden sind, handeln Sie jetzt, sichern Sie Ihre Beweise und melden Sie den Vorfall.

Das Netzwerk hinter tradias.group

Hostinger (tradias.group) ist Teil eines Netzwerks von mindestens einer weiteren Plattform, die dieselben hintergründigen Betreiber nutzt und häufig im gleichen Stil agiert. Die Identität dieser Plattformen ist bislang nicht öffentlich bekannt, doch die gemeinsamen Merkmale deuten auf ein gemeinsames Geschäftsmodell hin.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei tradias.group gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei tradias.group
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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