Warnung vor Xoryth (xoryth.net): Betrug oder Risiko?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Xoryth (xoryth.net) ist ein betrügerisches Investmentportal, das Anleger mit falschen Versprechen lockt. Sie sollten sofort aufhören, weitere Mittel einzuzahlen, und die Plattform meiden.

Screenshot der Webseite Xoryth (xoryth.net)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite xoryth.net

Warum xoryth.net unseriös ist

Die Fakten sprechen deutlich gegen die Seriosität von Xoryth. Auf der Website ist keinerlei Handelsregisternummer vorhanden, und es wird keine Aufsichtsbehörde genannt. Die Plattform gibt an, dass sie Kryptoinvestitionen, Investmentstrategien, Portfolioverwaltung, Blockchain-Technologie, Schulungen und Steuerberatung anbietet: ein breites Spektrum, das für eine einzelne Firma unrealistisch erscheint, wenn gleichzeitig keine rechtliche Basis angegeben wird.

Zudem wird ein durchschnittlicher Gewinn von 166 % versprochen, ohne Quellenangabe oder nachvollziehbare Daten. Das einzige, was die Seite zu beweisen scheint, sind die Namen von angeblichen „Erfolgreichen“: Taylor Smith, Casey Brown, Riley Adams, Alex Morgan und Jordan Lee: ohne weitere Identifikationsdaten. Diese Namen könnten beliebig generiert oder von Personen stammen, die in der Vergangenheit in ähnlichen Betrugsmethoden aktiv waren.

Ein weiteres Warnsignal ist die fehlende E-Mail-Adresse. Nur ein Telefonanschluss mit der Vorwahl +49 wird angegeben, was bei einer Plattform, die sich als professionelles Investmentportal präsentiert, nicht üblich ist. Ohne E-Mail oder eine klare Kontaktadresse wird die Nachvollziehbarkeit von Anfragen erschwert, was ein klassisches Merkmal von Scam-Websites ist.

Wie der Betrug bei xoryth.net abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

Potenzielle Anleger werden häufig über Social-Media-Kampagnen oder gefälschte Telegram-Gruppen angesprochen. In diesen Gruppen wird Xoryth als „zukunftsweisende“ Investmentplattform beworben, die angeblich Kryptoinvestitionen mit hohen Renditen kombiniert. Der erste Kontakt erfolgt meist per Chat oder E-Mail (obwohl die E-Mail nicht öffentlich sichtbar ist), wobei dem Interessenten ein kostenloses Webinar oder ein „führendes“ Portfolio vorgestellt wird. Der Einstiegssatz von etwa 250 € wird bewusst niedrig gehalten, um die Hemmschwelle zu senken und die Glaubwürdigkeit aufzubauen.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigt die Plattform auf der eigenen Webseite scheinbare Gewinne, die in kurzer Zeit explodieren. Die Zahlen sind jedoch reine Simulationen: keine echten Handelsaufträge werden an Börsen ausgeführt, sondern die Software generiert zufällige Daten, die den Eindruck von Erfolg erwecken. Anleger sehen ihre „Investition“ von 250 € auf 800 € anwachsen und glauben, sie hätten einen sicheren Pfad zum Reichtum gefunden.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Um das Vertrauen weiter zu festigen, wird ein persönlicher „Berater“ oder „Account-Manager“ zugeteilt. Über Wochen oder Monate wird dem Anleger ein „VIP-Konto“ angeboten, mit angeblich hohem Hebel (z. B. 1:500) und garantierten Gewinnen. Die Plattform nutzt häufig Social-Proof-Techniken: gefälschte Erfolgsgeschichten von „anderen“ Kunden, die angeblich innerhalb weniger Tage Millionen verdient haben. Zeitlich begrenzte Angebote („Nur heute“) und künstliche Verknappung werden eingesetzt, um die Anleger zu einer schnellen Entscheidung zu drängen. Oft zahlen die Betroffenen zwischen 5 000 € und 50 000 €, manche sogar über 500 000 €.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn ein Anleger nun seine Gewinne auszahlen lassen möchte, wird plötzlich ein komplexes Gebührenmodell vorgelegt. Hier eine typische Auflistung der gefälschten Gebühren:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich zu seinem ursprünglichen Betrag, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten tauchen oft Dritte auf: angebliche Anwälte, „Behörden-Mitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“, die versprechen, das Geld zurückzuholen. Sie fordern Vorauszahlungen für „Reparatur-Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Hinter diesen Versprechen stecken in der Regel dieselben Täter, die die ursprüngliche Plattform betreiben. Echte Anwälte und Behörden melden sich niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram. Ignorieren Sie diese Nachfolgeangebote: sie sind ein weiterer Schlachthof, um das übrig gebliebene Geld zu erbeuten.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Sobald Sie auf die Forderung von Auszahlungsgebühren stoßen, stoppen Sie jegliche Transaktion. Der Betrug ist bereits abgeschlossen, und weitere Zahlungen führen nur zu mehr Verlusten.

  2. Beweismaterial sichern: Speichern Sie alle E-Mails, Chat-Verläufe, Kontoauszüge und Zahlungsbestätigungen. Diese Unterlagen sind entscheidend, wenn Sie später den Betrug melden oder rechtliche Schritte einleiten möchten.

  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Ihr Kryptobörsenkonto: Informieren Sie den Betreiber über mögliche betrügerische Transaktionen. Bitten Sie um eine Rückbuchung, falls möglich, und lassen Sie Ihre Konten vor weiteren Auszahlungen schützen.

  4. Melden Sie den Vorfall bei der Polizei und bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): Unter dem Namen „Finanzermittler in einer Spezialeinheit“ habe ich zahlreiche ähnliche Fälle untersucht. Ein Strafantrag hilft, weitere Opfer zu verhindern und eröffnet den Weg für eine strafrechtliche Verfolgung.

  5. Ignorieren Sie Recovery-Scam-Vorsprechen: Dritte, die behaupten, das Geld zurückzuholen, verlangen immer Vorauszahlungen. Seien Sie wachsam: echte Anwälte oder Behörden bieten solche Dienstleistungen nicht per WhatsApp an. Schützen Sie sich, indem Sie keine Zahlungen leisten und professionelle Hilfe nur von anerkannten Stellen suchen.

Schluss

Xoryth (xoryth.net) ist keine seriöse Investmentplattform, sondern ein klarer Betrugsversuch. Seien Sie wachsam, schützen Sie Ihre Finanzen und handeln Sie jetzt, bevor weitere Opfer betroffen sind.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei xoryth.net gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei xoryth.net
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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