Adel Capital AG (adel-capital.ch): Ein Faktencheck zum Betrugsverdacht
Adel Capital AG (adel-capital.ch) gibt sich als Investmentplattform aus, doch die verfügbaren Daten deuten eindeutig auf ein betrügerisches Vorgehen hin.

Achtung
Betrugsverdacht
Über Anton Haverkamp
In meiner Laufzeit als Finanzermittler in einer Spezialeinheit der Polizei habe ich über 500 Fälle von Anlagebetrug bearbeitet. Dabei habe ich ein scharfes Gespür für technische Unstimmigkeiten entwickelt. Meine Arbeit konzentrierte sich auf die Verfolgung von Geldströmen in der Blockchain und auf die Aufdeckung von Plattformen, die sich als seriös ausgeben, aber in Wirklichkeit nur als Ablage für gestohlene Gelder fungieren. Der Fokus liegt immer auf der Analyse von Daten, um klare Beweise zu sammeln. In diesem Bericht präsentiere ich die gesammelten Fakten zu Adel Capital AG und erkläre, wie die betrügerische Masche abläuft.
Warum adel-capital.ch unseriös ist
Die ersten Anzeichen für Unregelmäßigkeiten sind sofort erkennbar. Adel Capital AG nennt keine Handelsregisternummer, keine Aufsichtsbehörde und keine Lizenznummer. Diese drei Elemente sind bei jeder regulierten Investmentplattform verpflichtend. Ohne diese Angaben kann die Plattform nicht nachweisen, dass sie von einer staatlichen Stelle überwacht wird.
Weiterhin gibt es keinerlei Kontakttelefonnummer. In der heutigen Zeit ist es üblich, dass seriöse Unternehmen eine Hotline oder zumindest ein Kontakttelefon angeben. Die fehlende Telefonnummer verhindert eine schnelle Klärung von Fragen und ist ein weiteres Indiz für einen möglichen Betrug.
Die Plattform listet keine Zahlungswege auf. Bei regulierten Brokerplattformen sind die akzeptierten Zahlungsmethoden immer klar definiert. Hier fehlt jegliche Angabe zu Banküberweisungen, Kreditkarten oder Kryptowährungen. Dies deutet darauf hin, dass die Plattform keine echten Transaktionen abwickelt.
Die aufgeführten Testimonials (Max Müller, Anna Schmidt, Sarah Weber, Thomas Klein, Julia Fischer, David Wagner, Lisa Meyer) sind lediglich Namen. Es gibt keinerlei Nachweis, dass diese Personen tatsächlich Kunden der Plattform sind. Bei einer seriösen Plattform wären Referenzen immer mit Kontaktdaten und einer Bestätigung durch die betroffene Person versehen.
Zusammengefasst: fehlende Regulierungsnachweise, keine Kontakttelefonnummer, keine Zahlungswege und gefälschte Testimonials: diese Kombination lässt keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Plattform.
Die behauptete Geschäftsadresse
Die Plattform gibt die Adresse Huobmattstrasse 3, 6045 Meggen an. In den Handelsregistern ist jedoch keine Firma unter dieser Adresse verzeichnet. Zudem fehlt jegliche Bestätigung durch eine Aufsichtsbehörde.
Die geocodierten Daten zeigen in der Schweiz auf ein Gebäude (Nutzung in OSM nicht klassifiziert). Eine solche Lokation ließe gewerbliche Nutzung zu, ohne dass damit aber die Tätigkeit dieser Plattform belegt wäre.
Die infrastrukturelle Spurensuche fördert einen Widerspruch zutage. Der Hosting-Anbieter ist in Zypern registriert, der behauptete Sitz liegt dagegen in der Schweiz. Eine derart aufgespaltene Topologie ist nahezu nie zufällig, sie ist Teil eines Verschleierungsmusters, das in der Branche der unregulierten Online-Broker Standard ist.
- Adresse
- Schweiz
- Server-Standort
- unbekannt
- Hosting-Land
- Zypern
Wie der Betrug bei adel-capital.ch abläuft
1. Erstkontakt und Lockangebot
Der erste Kontakt erfolgt in der Regel über Social-Media-Werbung oder E-Mails, die scheinbar von „professionellen Anlageberatern“ stammen. In den Anzeigen werden oft ansprechende Grafiken und vermeintliche Erfolgsgeschichten präsentiert. Die Sprache ist technisch, ohne jedoch konkrete Zahlen zu liefern. Die Plattform nutzt die Tatsache aus, dass viele Menschen im Internet nach schnellen Renditen suchen, um sie zu locken.
Nach dem ersten Klick wird dem potenziellen Kunden ein kostenloses Demokonto angeboten. Dieses Demokonto sieht aus wie ein echtes Trading-Konto, hat jedoch keine Verbindung zu einer echten Börse. Es simuliert lediglich Gewinn- und Verlustzahlen, die auf einer internen Datenbank basieren. Die ersten Einzahlungen sind bewusst niedrig gehalten: üblicherweise 250 €: um die Hemmschwelle zu senken.
Die Plattform nutzt gezielt psychologischen Druck: Sie präsentiert sich als „exklusives Netzwerk“ und behauptet, dass nur eine begrenzte Anzahl von Personen Zugang hat. Diese „Exklusivität“ schafft ein Gefühl von Dringlichkeit, ohne dass tatsächlich ein Zeitlimit besteht.
2. Vorgetäuschte Gewinne
Nach der ersten Einzahlung zeigt die Plattform sofort hohe Gewinnzahlen an: zum Beispiel 800 € innerhalb von zwei Wochen. Diese Zahlen entstehen jedoch durch manipulierte Software, die den Kontostand künstlich anhebt. Es gibt keine echten Handelsaufträge, keine Verbindung zu einem Börsenplatz und keine Möglichkeit, die Gewinne in Echtzeit zu verfolgen.
Die Plattform nutzt komplexe Algorithmen, um die Gewinnzahlen zu generieren. Dabei werden historische Daten von anderen, nicht verifizierten Plattformen übernommen und auf das eigene Konto übertragen. Der Betroffene sieht also nichts Gutes, aber die Darstellung ist so realistisch, dass sie glaubwürdig wirkt.
Die gefälschten Gewinne dienen einem zweifachen Zweck: Erstens bauen sie Vertrauen auf. Zweitens erzeugen sie die Erwartung, dass weitere Einzahlungen noch höhere Renditen bringen.
3. Drängen zu weiteren Einzahlungen
Nach der ersten „Gewinnphase“ wird der Kunde von einem „Account-Manager“ kontaktiert. Dieser vermittelt über persönliche Chats oder Telefonate, dass der Kunde nun in ein VIP-Programm aufgenommen wird. Das Angebot beinhaltet angeblich einen Hebel von 1:500, exklusive IPO-Zugänge und „insider-Tipp“-Newsletter.
Der Account-Manager nutzt Techniken wie „nur heute“-Angebote, gefälschte Mit-Kunden-Erfahrungen und das Versprechen von garantierten Profiten. Diese Methoden sind standardisiert und werden von vielen Betrugsplattformen verwendet. Die Zahl, die der Kunde in dieser Phase einzahlt, kann leicht in die fünfstellige Größenordnung steigen.
In manchen Fällen werden die Einzahlungen so groß, dass sie die gesamte finanzielle Basis des Opfers sprengen. Das Ziel ist, die Opfer zu erdrücken, bevor sie überhaupt die Möglichkeit haben, die Plattform zu verlassen.
4. Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren
Wenn der Kunde nun versucht, seine Gewinne auszuzahlen, wird ihm sofort eine Liste von Gebühren präsentiert. Die Gebührenliste umfasst:
- Transaktionsgebühr
- Steuervorauszahlung
- Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko
- KYC-Verifizierungsgebühr
- Konto-Aktivierungsgebühr
- Anti-Geldwäsche-Hinterlegung
Diese Gebühren sind frei erfunden und haben keinerlei Basis bei regulierten Finanzinstituten. Die Plattform behauptet, dass diese Kosten notwendig sind, um die Auszahlung abzuwickeln.
Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.
Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich zu dem bereits verlorenen Geld noch mehr, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.
5. Recovery-Scam-Nachfolge
Nach den ersten Verlusten melden sich häufig Dritte: angebliche Anwälte, die ein „Vergleichsverfahren“ anbieten, Behörden-Mitarbeiter, die „Krypto-Forensiker“ mit eigener Wallet-Wiederherstellungs-Software, und sogar ausländische Polizeibehörden.
Diese Personen versprechen, das Geld zurückzuholen, verlangen jedoch Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Hinter diesen Forderungen stecken in der Regel dieselben Täter, die das ursprüngliche Opfer ausgeraubt haben.
Eine echte Anwältin oder ein echter Polizeibeamter würde niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram Kontakt aufnehmen, um Gebühren zu verlangen. Dies ist ein klares Signal, dass es sich um ein weiteres Opfer-Gewinnmodell handelt.
Was Betroffene jetzt tun sollten
- Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jeder Versuch, mehr Geld einzuzahlen, verschärft die Situation.
- Beweise sichern: Speichern Sie sämtliche E-Mails, Chat-Transkripte, Kontoauszüge und Zahlungsnachweise. Diese Dokumente sind entscheidend für spätere Ermittlungen.
- Kontakt mit Ihrer Bank oder Ihrer Krypto-Börse aufnehmen: Informieren Sie die Institution über die verdächtigen Transaktionen und fordern Sie eine Sperrung der Konten.
- Polizei oder Finanzbehörde benachrichtigen: Melden Sie den Vorfall bei der örtlichen Polizeidienststelle oder der Finanzaufsichtsbehörde. Ihre Ermittlungen können zur Aufklärung des Betrugs beitragen.
- Recovery-Scam-Versuche ignorieren: Jeder, der vorgibt, Ihnen Geld zurückzuholen, verlangt in der Regel eine Vorleistung. Dies ist ein weiteres Element des Scams und führt zu zusätzlichem Verlust.
Fazit
Adel Capital AG (adel-capital.ch) ist ein klassisches Beispiel für eine moderne Investment-Masche. Die fehlenden regulatorischen Nachweise, die fehlende Telefon- und Zahlungsangaben sowie die gefälschten Testimonials sprechen eindeutig gegen die Glaubwürdigkeit der Plattform.
Der Betrugsablauf lässt sich in fünf klaren Schritten nachvollziehen: Erstkontakt, vorgetäuschte Gewinne, erzwungene Einzahlungen, Auszahlungsgebühren und abschließender Recovery-Scam.
Wenn Sie bereits Opfer geworden sind, handeln Sie jetzt: sichern Sie Beweise, informieren Sie Ihre Bank, melden Sie den Vorfall und ignorieren Sie alle angeblichen „Wiederherstellungsdienste“.
Geldverfolgung und Sperrung
Auch bei adel-capital.ch gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.
In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.
Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.


Über den Ermittler
Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.
Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.