B9 (b9.com): Ist das Krypto-Handelsportal ein Betrug?
B9, der scheinbar moderne Krypto-Exchange, ist in Wahrheit ein gut organisiertes Betrugsnetzwerk, das neue Anleger in den Abgrund zieht.

Achtung
Betrugsverdacht
Warum b9.com unseriös ist
Die ersten Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei b9.com sind bereits in den öffentlich zugänglichen Informationen erkennbar. Die Plattform präsentiert sich als Krypto-Exchange mit Margin- und Kontrakt-Trading, doch die fehlenden Registrierungs- und Lizenzdaten sind alarmierend. Ein seriöser Broker würde eine Handelsregisternummer, einen Aufsichtsbehördennachweis und eine gültige Lizenznummer offenlegen. Stattdessen gibt es keine Angaben zu einer Registrierungsnummer, keine Behörde, die die Lizenz ausstellt, und keine Lizenznummer.
Des Weiteren wird die Plattform ausschließlich in englischer Sprache betrieben, obwohl sie in Deutschland ansässig zu sein scheint. Dies ist ungewöhnlich, denn ein deutsches Unternehmen muss seine Website zumindest in deutscher Sprache anbieten, um die Anforderungen der Verbraucherschutz-Gesetze zu erfüllen. Die Tatsache, dass keine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer hinterlegt sind, erschwert es potenziellen Kunden, Kontakt aufzunehmen oder Beschwerden einzureichen.
Die Zahlungsoptionen von B9 beschränken sich auf Bitcoin und USDT. Dies ist ein weiteres typisches Merkmal von betrügerischen Krypto-Plattformen, die den Kontakt zu regulierten Banken vermeiden wollen. Die Plattform verspricht keinen echten Handel an einer regulierten Börse, sondern stellt lediglich eine Web-App bereit, die fiktive Gewinnzahlen anzeigt.
Zusammenfassend zeigen die fehlenden regulatorischen Angaben, die fehlende Transparenz bei Kontaktdaten und die ausschließliche Nutzung von Kryptowährungen, dass b9.com keine seriöse Handelsplattform ist, sondern ein ausgeklügeltes Betrugsnetzwerk.
Wie der Betrug bei b9.com abläuft
Schritt 1: Erster Kontakt: Der Lockfisch
Der erste Kontakt mit B9 geschieht häufig über scheinbar seriöse Werbemaßnahmen. In sozialen Medien: etwa auf TikTok, Instagram oder Facebook: findet man ansprechende Anzeigen, die von „professionellen“ Tradern oder angeblichen „Investment-Experten“ stammen. Diese Anzeigen nutzen oft gefälschte Testimonials und zeigen „echte“ Charts, die einen schnellen Gewinn von 300 % in wenigen Tagen versprechen. Oft wird dabei auf Influencer verwiesen, die scheinbar in die Plattform investiert haben. Die Anwerbung ist gezielt, um das Vertrauen potenzieller Opfer zu gewinnen, indem sie den Eindruck von Erfolg und Sicherheit erweckt.
Sobald ein Interessent auf einen Link klickt, wird er zu einer Landing-Page geführt, die einen schnellen Einstieg in das „Krypto-Trading“ verspricht. Ein einfacher Anmeldeprozess mit wenigen Feldern: oft nur Name, E-Mail und ein Passwort: lässt den Eindruck entstehen, dass die Plattform sofort einsatzbereit ist. Die Plattform bietet zudem ein „Willkommensbonus“, der jedoch in Form von Kryptowährungen ausgezahlt wird, die kaum einen Wert haben, sobald sie in die Wallet des Opfers transferiert werden.
Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne: Das glänzende Illusion
Nach der ersten Einzahlung, die üblicherweise ein kleines Stück, etwa 250 € in Bitcoin oder USDT, beträgt, beginnt die Plattform sofort, fiktive Gewinne anzuzeigen. In den Dashboards werden die Kontobewegungen als „reale“ Handelsgeschäfte dargestellt, obwohl in Wirklichkeit keine Order an einer regulierten Börse ausgeführt wird. Die Software generiert Zufallszahlen, die angeblich durch „Marktanalysen“ entstanden sind. Diese Zahlen steigen dramatisch, wodurch der Eindruck entsteht, dass das Konto tatsächlich profitabel ist.
Die Plattform nutzt dabei psychologische Tricks: Das System zeigt die Gewinne in Echtzeit, sodass der Anleger das Gefühl hat, sofort profitieren zu können. Die Gewinne werden oft in einer „Profit-Chart“ dargestellt, die nach jedem Handelszeitraum aktualisiert wird. Für den durchschnittlichen Anleger ist es schwer zu erkennen, dass die Zahlen rein simuliert sind. Der Betreiber nutzt dafür eine Kombination aus „Live-Charts“ und „Simulationstools“, die nur im Hintergrund laufen.
Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen: Das Spiel der Verlockungen
Nach dem ersten Erfolg wird dem Anleger ein „Account-Manager“ zugewiesen. Dieser kommuniziert persönlich via Chat, E-Mail oder Telefon und verspricht zusätzliche Vorteile: höhere Hebel, garantierte Renditen, exklusive Zugang zu IPO-Plattformen und persönliche Betreuung. Der Account-Manager nutzt dabei häufig Zeitdruck und vermeintliche Knappheit, z. B. „Nur heute noch ein Bonus von 1 000 € auf Ihr Konto“. Durch solche Taktiken entsteht der Eindruck, dass weitere Einzahlungen notwendig sind, um den Gewinn zu sichern und weiter zu steigern.
Der Anleger wird ermutigt, größere Summen zu überweisen, oft in Höhe von 5.000 € bis 50.000 €, und manchmal sogar bis zu 500.000 €. Die Plattform bietet dafür mehrere Zahlungsoptionen an: hauptsächlich Bitcoin und USDT: und behauptet, dass diese Mittel sofort auf das Konto gutgeschrieben werden. In Wirklichkeit bleibt das Geld jedoch auf den Wallets der Betreiber, während das Konto des Opfers weiterhin mit simulierten Gewinnzahlen gefüttert wird.
Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren: Die letzte Melkphase
Wenn der Anleger nun sein Geld oder die angeblichen Gewinne auszahlen lassen möchte, tauchen plötzlich Gebühren auf. Typische Forderungen sind:
- Transaktionsgebühr
- Steuervorauszahlung ans Finanzamt
- Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
- KYC-Verifizierungsgebühr
- Konto-Aktivierungsgebühr
- Anti-Geldwäsche-Hinterlegung
Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.
Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich zu dem bereits verlorenen Geld noch weitere Beträge, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams, bei der die Betrüger alles aus dem Konto des Opfers ziehen, bevor sie sich aus dem Netz entfernen.
Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge: Das betrügerische Heilmittel
Nach den ersten Verlusten tauchen häufig Dritte auf, die sich als Anwälte, Krypto-Forensiker oder sogar als Polizeibeamte darstellen. Diese Personen behaupten, das Geld zurückzahlen zu können, verlangen jedoch Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Sie präsentieren sich als Retter, die die Opfer vor dem endgültigen Verlust retten wollen. In der Regel handelt es sich hierbei um die gleichen Täter, die die ursprüngliche Plattform betrieben haben. Sie verkaufen die Opferdaten weiter oder nutzen die Konten, um weitere Betrugsfälle zu starten. Seriöse Anwälte und Behörden melden sich niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram, daher ist jede Kontaktaufnahme dieser Art ein klares Warnsignal.
Das Netzwerk hinter b9.com
B9 ist Teil eines Netzwerks von 18 Plattformen, die dieselbe technische Infrastruktur, dieselben Front-End-Designs und oft sogar dieselben Logos teilen. Dieses Netzwerk nutzt ein gemeinsames Backend, das von denselben Entwicklern betrieben wird. Sobald eine Plattform von der Aufsichtsbehörde oder den Medien aufgeklärt wird, wird sie einfach umbenannt und mit einer neuen Domain weitergeführt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Betreiber über eine lange Geschichte und Erfahrung verfügen, obwohl es sich um die gleiche Gruppe von Betrügern handelt. Die Verknüpfung zwischen den Plattformen ist durch gemeinsame IP-Adressen, ähnliche Zahlungsmethoden und identische Marketing-Texte erkennbar.
Was Betroffene jetzt tun sollten
-
Sofort keine weiteren Zahlungen leisten
Sobald Sie feststellen, dass Sie Opfer eines Betrugs geworden sind, sollten Sie sofort aufhören, weitere Beträge zu überweisen. Jede zusätzliche Zahlung erhöht Ihr Risiko, mehr Geld zu verlieren und verschlechtert Ihre Chancen auf Rückgewinnung. -
Beweise sichern und dokumentieren
Sammeln Sie sämtliche Kommunikationsnachrichten, Screenshots der Plattform, Transaktions-Belege, E-Mails und andere Dokumente. Diese Beweise sind entscheidend für die spätere Strafverfolgung und für die Meldung bei den zuständigen Behörden. -
Bank oder Krypto-Börse informieren
Kontaktieren Sie Ihre Bank oder die Krypto-Börse, über die Sie die Einzahlung getätigt haben. Schildern Sie den Vorfall und lassen Sie die Transaktionen untersuchen. Viele Banken haben spezielle Abteilungen für Geldwäscheprävention und können Ihnen helfen, die Gelder zurückzufordern. -
Polizei oder Finanzbehörde einschalten
Melden Sie den Betrug bei der örtlichen Polizeidienststelle oder bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Nutzen Sie die Möglichkeit, eine Strafanzeige zu erstatten, damit die Ermittlungsbehörden den Fall aufnehmen können. Die Ermittler haben Erfahrung mit solchen Betrugsnetzwerken und können weitere Opfer schützen. -
Recovery-Scams ignorieren
Seien Sie vorsichtig bei Angeboten von „Anwälten“ oder „Forensik-Experten“, die versprechen, Ihr Geld zurückzubekommen. Diese Personen sind meist Teil des Betrugsnetzwerks. Sie verlangen Vorauszahlungen und bieten keine verlässlichen Lösungen. Ignorieren Sie solche Angebote und melden Sie sie ggf. den Behörden. -
Kundendienst der Plattform kontaktieren
Falls die Plattform einen Kundendienst anbietet, kontaktieren Sie ihn schriftlich und fordern Sie eine schriftliche Bestätigung Ihrer Forderungen. Bewahren Sie jede Antwort auf, auch wenn sie leer bleibt. Die Plattform kann versuchen, Sie zu belästigen, aber schriftliche Kommunikation dient als Beweis. -
Online-Foren und Support-Gruppen nutzen
Treten Sie in Foren oder Telegram-Gruppen bei, die sich mit Krypto-Betrug beschäftigen. Dort können Sie von anderen Opfern lernen, Tipps austauschen und möglicherweise Hilfe bei der Rückforderung Ihrer Mittel erhalten. Achten Sie darauf, keine persönlichen Daten preiszugeben, wenn Sie sich online austauschen. -
Rechtliche Beratung suchen
Ziehen Sie einen Anwalt für Finanz- oder Strafrecht hinzu, der Erfahrung mit Krypto-Betrug hat. Er kann Sie bei der Erstellung der Strafanzeige unterstützen, Ihre Rechte klären und Ihnen helfen, mögliche Rückerstattungen zu fordern. -
Sicherheitsmaßnahmen für die Zukunft
Lernen Sie aus dem Vorfall und schützen Sie sich künftig: Nutzen Sie nur regulierte Broker, prüfen Sie Lizenz- und Registrierungsdaten, vermeiden Sie Plattformen, die ausschließlich Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren, und seien Sie skeptisch bei Versprechen von schnellen Gewinnen ohne Risiko. -
Berichterstattung in Medien
Wenn Sie die Möglichkeit haben, berichten Sie Ihren Fall in vertrauenswürdigen Medien oder Online-Plattformen. Dies erhöht die öffentliche Aufmerksamkeit und kann andere vor ähnlichen Betrugsmethoden warnen.
Fazit
B9 (b9.com) ist ein klarer Fall von Krypto-Betrug. Durch fehlende regulatorische Transparenz, die ausschließliche Nutzung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel und eine ausgeklügelte Manipulation von Gewinnzahlen zieht die Plattform neue Opfer an. Die Vorgehensweise lässt sich in fünf klar definierte Schritte gliedern, die jeder Betrüger nutzt, um sein Ziel: den Gewinn von Geld: zu erreichen. Die letzten Phasen des Betrugs, in denen Gebühren gefordert und „Recovery-Scams“ angeboten werden, sind die gefährlichsten. Betroffene sollten sofort handeln, Beweise sichern und die zuständigen Behörden informieren. Nur so können sie ihre Chancen verbessern, zumindest einen Teil ihrer Verluste zurückzuerlangen und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Das Netzwerk hinter b9.com
B9 ist Teil eines Netzwerks von 18 Plattformen, die dieselbe Infrastruktur teilen und sich nach jedem Aufdecken umbenennen. Diese Verflechtung schafft eine scheinbare Legitimität und ermöglicht die schnelle Verbreitung der Masche.
und 12 weitere technisch verbundene Seiten.
Geldverfolgung und Sperrung
Auch bei b9.com gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.
In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.
Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.


Über den Ermittler
Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.
Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.





