B9 (b91234.com) im Faktencheck

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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B9 (b91234.com) ist eine betrügerische Krypto-Trading-Plattform. Alle Hinweise deuten eindeutig auf eine Masche, die auf das Geld von Anlegern abzielt.

Screenshot der Webseite B91234 (b91234.com)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite b91234.com

Warum b91234.com unseriös ist

Zunächst fehlen sämtliche regulatorische Signale, die ein seriöses Trading-Unternehmen auszeichnen. Die Plattform gibt keine Handelsregisternummer, keine Aufsichtsbehörde oder Lizenznummer an. In der Online-Sichtbarkeit tauchen keinerlei Hinweise auf eine Zulassung bei einer nationalen Finanzaufsichtsbehörde auf.
Weiterhin ist die Website ausschließlich in Englisch verfügbar und bietet keine Kontakt-E-Mail, Telefonnummer oder Geschäftsadresse. Das Fehlen von transparenten Kontaktdaten ist ein starkes Red Flag in der Finanzwelt.
Die Zahlungsabwicklung erfolgt ausschließlich über Bitcoin und USDT. Solche dezentralen Zahlungsmittel sind typisch für Plattformen, die keine reguläre Bankverbindung haben. Sie erlauben anonymes Geldströmen, ohne dass der Betreiber von einer regulatorischen Aufsicht begleitet wird.
Auf der Seite wird zudem ein enormes Volumen von 20 Millionen angeblichen Kunden oder Fällen behauptet, ohne dabei konkrete Belege zu liefern. Die Zahl wirkt unplausibel hoch für eine Plattform, die erst 2022 gegründet wurde und keine regulatorische Anerkennung besitzt.
Zusammengefasst: fehlende Lizenz, fehlende Kontaktdaten, ausschließlich Krypto-Zahlungen und ein unrealistisches Kundenvolumen bilden die Basis für die Bewertung von b91234.com als betrügerische Plattform.

Wie der Betrug bei b91234.com abläuft

1. Erster Kontakt + Lockangebot

Opfer werden zunächst durch gezielte Werbung auf sozialen Medien oder in Krypto-Foren angesprochen. Die Werbung präsentiert sich als „exklusiver Zugang“ zu Margin- und Krypto-Trading. Oft werden vermeintliche „Anlageberater“ vorgestellt, die angeblich über Insider-Informationen verfügen.
Der erste Schritt ist die Erhebung einer geringen Einstiegssumme, typischerweise im Bereich von 250 Euro. Dieses geringe Engagement dient dazu, die Hemmschwelle zu senken und das Vertrauen zu gewinnen. Die Plattform präsentiert dann ein angeblich leicht zugängliches Dashboard, das sofort hohe Gewinne anzeigt.

2. Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung wird die Plattform dem Nutzer sofort einen simulierten Gewinn von mehreren hundert Euro ausweisen. Die Zahlen entstehen jedoch nicht durch echte Markttransaktionen, sondern durch eine interne Datenbank, die fiktive Gewinnzahlen generiert.
Die Benutzeroberfläche zeigt häufig „Aus 250 Euro werden in 2 Wochen 800 Euro“ an. Diese Darstellung ist irreführend, weil keine echte Orderbuch-Ausführung stattfindet. Die Gewinne sind lediglich Visualisierungen, die den Eindruck von Erfolg erwecken.

3. Drängen zu weiteren Einzahlungen

Nach dem initialen Gewinn baut ein sogenannter „Account-Manager“ eine Beziehung auf. Über Wochen oder Monate erhält der Nutzer „exklusive“ Angebote wie Hebel-Bonuses von 1:500, garantierte Profite oder Zugang zu angeblichen IPO-Deals.
Die Plattform nutzt psychologische Druckmittel, wie Zeitlimits („nur heute“), künstliche Verknappung („nur noch wenige Plätze verfügbar“) und angebliche Erfahrungsberichte von „anderen erfolgreichen Investoren“. Diese Techniken erhöhen die Zahlungsbereitschaft auf 5 000 bis 50 000 Euro, manche Opfer geben sogar mehr als 500 000 Euro ab.

4. Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Sobald ein Nutzer seine Gewinne auszahlen möchte, wird plötzlich eine Vielzahl von Gebühren eingeführt.

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.
Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich dieses Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Dieser Schritt ist die letzte Melkphase des Scams.

5. Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten kontaktieren häufig Dritte den Betroffenen. Dazu gehören angebliche Anwälte, Behörden-Mitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“, die behaupten, das Geld zurückzugewinnen. Sie fordern Vorauszahlungen für „Reparatur-Services“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“.
Diese Akteure sind in der Regel dieselben Täter, die die ursprüngliche Plattform betreiben, und verkaufen die Daten weiter. Seriöse Anwälte und Behörden melden sich NIE unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram.

Das Netzwerk hinter b91234.com

b91234.com ist Teil eines Netzwerks von 18 ähnlichen Plattformen. Diese Plattformen nutzen dieselbe Infrastruktur, teilen sich Backend-Server und haben oft identische Web-Layouts. Re-Branding-Strategien werden verwendet, sobald ein Betreiber auffällig wird, und die Plattform verschwindet dann unter einer neuen Domain.
Ein gemeinsames Netzwerk bedeutet, dass die Betreiber dieselben Hinterbänkler nutzen und die gleichen Techniken wiederholen. Dadurch verschärfen sie die Risiken für Anleger, die von einer Plattform zur nächsten wechseln.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen tätigen: Jede zusätzliche Einzahlung erhöht das Risiko, mehr Geld zu verlieren.
  2. Belege sichern: Screenshots, Transaktionsnachweise und E-Mails sollten gespeichert werden, um Beweismaterial zu haben.
  3. Bank oder Krypto-Börse informieren: Wenn Sie Geld auf ein Konto oder eine Wallet überwiesen haben, melden Sie dies sofort Ihrer Bank oder dem jeweiligen Krypto-Börsenanbieter.
  4. Strafanzeige erstatten: Kontaktieren Sie die örtliche Polizeidienststelle oder das Bundeskriminalamt, um die Ermittlungen zu unterstützen.
  5. Recovery-Scam-Versuche ignorieren: Jede Person, die vorgibt, Ihnen zu helfen und dafür Gebühren verlangt, ist höchstwahrscheinlich Teil des Betrugs.

Abschließende Warnung

Falls Sie bereits Opfer von b91234.com geworden sind, handeln Sie rasch und lassen Sie sich nicht von vermeintlichen „Hilfe-Angeboten“ täuschen. Ihre Chancen auf Rückgewinnung steigen, wenn Sie die Beweismaterialien sichern und die Behörden involvieren.

Das Netzwerk hinter B9

Die Plattform steht in Verbindung mit 18 weiteren Plattformen, die ähnliche Merkmale und Dienstleistungen aufweisen. Diese enge Vernetzung deutet auf ein gemeinsames Hinterbänkler-Netzwerk hin.

und 12 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei b91234.com gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei b91234.com
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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