Conocoa (conocoa.com) im Faktencheck: Gibt es Anzeichen von Betrug?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Conocoa.com ist eine angebliche Krypto-Börse, die seit ihrem Auftreten im Internet zahlreiche Anleger in eine Abhängigkeit von vermeintlichen Gewinnen führt: jedoch handelt es sich eindeutig um eine betrügerische Plattform.

Screenshot der Webseite Conocoa (conocoa.com)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite conocoa.com

Warum conocoa.com unseriös ist

Die Analyse von conocoa.com basiert ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Daten. Ein wesentliches Problem ist das Fehlen jeglicher Registrierungsnummer oder Lizenznachweise, die bei seriösen Krypto-Börsen zwingend erforderlich sind. Auf der Website ist weder eine Handelsregisternummer noch ein Hinweis auf eine Aufsichtsbehörde zu finden. Darüber hinaus gibt die Plattform keinerlei Informationen über ein zugrundeliegendes Geschäftsmodell oder eine rechtliche Struktur preis: ein weiteres Kennzeichen von Phishing- oder Scam-Websites.

Ein weiteres Alarmzeichen ist die vollständige Abwesenheit von Kundensupport-Kontaktdaten. Kein E-Mail, Telefon oder eine physische Adresse ist angegeben, sodass betroffene Nutzer keine Möglichkeit haben, ihre Anliegen zu klären oder rechtliche Schritte einzuleiten. Diese Anonymität wird häufig von Betrügern genutzt, um sich vor rechtlichen Konsequenzen zu schützen.

Die Plattform nutzt ein breites Spektrum an Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Polnisch, Arabisch, Niederländisch, Türkisch), um ein internationales Publikum anzusprechen. Dieses Vorgehen ist typisch für Scam-Plattformen, die versuchen, ihre Reichweite zu maximieren, indem sie Sprachbarrieren ausbrennen. Da es keine klare Herkunftsregion gibt, lässt sich zudem nicht nachvollziehen, welche Gesetze die Betreiber einhalten müssten.

Wie der Betrug bei conocoa.com abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Conocoa.com greift über Social-Media-Werbung, insbesondere auf Plattformen wie Instagram, Facebook und TikTok, sowie über Telegram-Gruppen mit vermeintlichen „Trading-Gurus“. Die Anzeigen enthalten oft gefälschte Testimonials von angeblichen Influencern oder erfolgreichen Tradern, die angeblich in kurzer Zeit hohe Renditen erzielt haben. Die erste Einzahlung ist bewusst niedrig gehalten: häufig rund 250 €: um die psychologische Hemmschwelle zu senken und das Vertrauen zu gewinnen. Dabei wird dem Nutzer eine „Demo-Konto“ versprochen, die jedoch in Wirklichkeit nur simulierte Gewinne anzeigt.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung öffnet sich die Handelsplattform, die sofort beeindruckende Gewinnzahlen anzeigt. Typische Darstellungen zeigen, dass aus 250 € in zwei Wochen 800 € geworden sind. Diese Zahlen sind reine Software-Daten, die auf der Client-Seite generiert werden; es findet kein echter Handel statt, keine verbindlichen Orders an eine Börse werden ausgeführt. Die Plattform nutzt ein Dashboard, das zufällig generierte Trades und Gewinne darstellt, um das Vertrauen zu festigen und die Illusion eines erfolgreichen Investments zu erzeugen.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Sobald der Nutzer die simulierten Gewinne sieht, wird ein persönlicher „Account-Manager“ über Chat oder E-Mail kontaktiert. Dieser baut eine Beziehung auf und spricht von VIP-Konten, Hebelboni von bis zu 1:500, garantierten Profiten und exklusiven IPO-Zugängen. Durch Zeitlimits wie „Nur heute“ oder die Schaffung von künstlicher Verknappung: z. B. begrenzte Plätze für „Premium-Trader“: wird der Nutzer motiviert, weitere Einzahlungen zu tätigen. In den meisten Fällen zahlen Anleger zwischen 5.000 € und 50.000 €, manche Opfer gehen sogar bis über 500.000 €.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Nutzer nun seine Gewinne auszahlen möchte, werden plötzlich mehrere Gebühren erhoben. Die üblichen Forderungen umfassen:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde niemals Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, geschweige denn eine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nicht umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real; Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich zu den ursprünglichen Beträgen. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach dem ersten Verlust treten häufig Dritte auf: angebliche Anwälte, Behördenmitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“ mit einer eigenen Wallet-Wiederherstellungs-Software. Sie versprechen, das Geld zurückzuholen, verlangen jedoch Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Dahinter steckt in der Regel dieselbe Tätergruppe, die die Opferdaten weiterverkauft. Echte Anwälte und Behörden melden sich nie unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram. Betroffene sollten solche Kontakte sofort ignorieren.

Das Netzwerk hinter conocoa.com

Conocoa.com ist Teil eines Netzwerks von 32 Plattformen, die häufig als Rebranding-Varianten desselben Betreibers auftreten. Diese Plattformen nutzen identische Backend-Strukturen, ähnliche Markenlogos und dieselben Mehrsprachigkeits-Features. Durch die Verteilung auf verschiedene Domains erschweren sie die rechtliche Verfolgung, da jeder Betreiber unter einer anderen Domain agiert. Für Betroffene bedeutet dies, dass ein Verlust auf einer Plattform nicht zwangsläufig auf eine gesicherte Rückerstattung hinweist; stattdessen sollten sie prüfen, ob die andere Plattform ebenfalls Teil dieses Netzwerks ist.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jede weitere Einzahlung erhöht das Risiko eines totalen Verlusts.
  2. Beweise sichern: Screenshots von Transaktionen, E-Mails, Chat-Protokolle und Kontoauszüge sollten gespeichert und in einem sicheren, nicht veränderbaren Format archiviert werden.
  3. Bank oder Krypto-Börse informieren: Falls die Einzahlung über eine Bank oder eine regulierte Börse erfolgte, melden Sie den Vorfall umgehend. Banken haben die Pflicht, Verdachtsfälle zu prüfen und ggf. Rückbuchungen zu veranlassen.
  4. Strafanzeige erstatten: Die Polizei oder das örtliche Amt für Wirtschaftskriminalität kann eine Untersuchung einleiten. Geben Sie sämtliche gesammelten Beweise an.
  5. Recovery-Scam-Versuche ignorieren: Offene Angebote von „Anwälten“ oder „Forensik-Experten“ sind meist Teil des Betrugs. Vermeiden Sie jeglichen Kontakt und melden Sie solche Anfragen ggf. an die zuständige Behörde.

Schluss

Conocoa.com nutzt ein komplexes, mehrstufiges Betrugsmodell, das auf fehlenden Regulierungen, fehlenden Kontaktdaten und einer gezielten psychologischen Manipulation beruht. Betroffene sollten sofort handeln, um weitere Verluste zu verhindern, und ihre Beweise sichern, um rechtliche Schritte einzuleiten.

Das Netzwerk hinter conocoa.com

Conocoa.com ist Teil eines Netzwerks von 32 Plattformen, die sich durch dieselben Mehrsprachigkeit, identische Werbemotive und ähnliche Backend-Strukturen auszeichnen. Dieses Zusammenspiel deutet stark auf ein gemeinsames Betreiber-Team hin, das die Plattformen als „Rebranding“-Strategien nutzt, um neue Opfer zu erschließen.

und 26 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei conocoa.com gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei conocoa.com
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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