cryptogs.de unter Betrugsverdacht

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Die mutmaßliche Masche hinter cryptogs.de ist perfide: Cryptogs täuscht nach Angaben von Betroffenen Gewinne vor, um Anleger zu immer höheren Einzahlungen zu bewegen. Auszahlungen finden laut Berichten nie statt. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt seit dem 27. Juni 2025 ausdrücklich vor Cryptogs unter dem Titel „BaFin warnt vor Plattformreihe – „Verdienen Sie über €950 TÄGLICH““. Die vollständige BaFin-Warnung zu Cryptogs steht auf der offiziellen Seite der BaFin zur Verfügung.

Screenshot der Webseite Cryptogs (cryptogs.de)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite cryptogs.de

Warum cryptogs.de unseriös ist

Die Analyse der öffentlichen Daten zu cryptogs.de liefert klare Anzeichen für unseriöse Geschäftspraktiken.

  1. Fehlende Identifikationsangaben: Auf der Website findet sich keine Handelsregisternummer, kein Hinweis auf eine Aufsichtsbehörde und keine Lizenznummer. In der Finanzbranche gilt das Fehlen dieser Angaben als Grundanforderung für die Zulassung.

  2. Keine Kontaktdaten: Es gibt weder eine Telefonnummer noch eine E-Mail-Adresse. Ohne ein nachvollziehbares Kontaktmedium kann die Plattform nicht für rechtliche Fragen oder Rückerstattungen kontaktiert werden.

  3. Keine Zahlungsinformationen: Die Plattform listet keine Bankverbindungen, SEPA-Lastschrift-Optionen oder Kreditkartenzahlungen. Stattdessen werden ausschließlich Kryptowährungen akzeptiert, ein Merkmal, das häufig bei Betrugsplattformen verwendet wird, um Rückzahlungen zu erschweren.

  4. Kein klarer Unternehmensname: Der Feldwert „company_name“ ist leer. Das bedeutet, dass keine registrierte Firma hinter der Domain steht.

  5. Unklare Geschäftstätigkeit: Unter „business_type“ steht „other“, was darauf hindeutet, dass die Plattform keine klare Definition ihrer Dienstleistungen hat.

Diese Punkte zusammen ergeben ein starkes Muster, das im Bereich des Online-Betrugs häufig vorkommt.

Wie der Betrug bei cryptogs.de abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Der Einstieg erfolgt meistens über Social-Media-Plattformen oder gezielte Werbeanzeigen. Die Kampagnen nutzen oft kurze, emotionale Botschaften, die eine sofortige Reaktion erfordern. Anschließend werden potenzielle Anleger mit einer „kostenlosen Demo“-Angebotsseite konfrontiert.

Die Demo erfordert eine minimale Einzahlung, typischerweise im Bereich von 250 €: genau genug, um das Risiko zu minimieren, aber hoch genug, um den Anleger zu überzeugen, dass ein Gewinn möglich ist. Sobald die Einzahlung erfolgt ist, erhält der Nutzer Zugang zu einer simulierten Handelsoberfläche, die Gewinne in kurzer Zeit anzeigt.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung wird dem Anleger auf der Plattform ein sofortiger Gewinn von 300 € bis 800 € angezeigt. Diese Zahlen stammen aus der internen Logik der Software, die lediglich zufällige Werte generiert. Es gibt keinerlei Verbindung zu echten Börsen oder Orderbüchern.

Der Nutzer sieht einen stetigen Anstieg seines Kontostands, was das Vertrauen vertieft. Gleichzeitig werden ihm weiterhin „Sicherheitssignale“ wie Zertifikate und angebliche regulatorische Genehmigungen angezeigt: alles generiert von der Plattform selbst.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Der Nutzer wird mit einem persönlichen „Account Manager“ in Kontakt gebracht, der über Chat oder E-Mail kommuniziert. Dieser Manager nutzt psychologischen Druck:

  • Zeitlimit: „Ihr Bonus läuft in 48 Stunden ab.“
  • Verknappung: „Nur noch 5 Plätze für VIP-Konten.“
  • Sozialer Beweis: „Hier sind Kundenbewertungen von 5.000 € Investoren.“

Durch diese Techniken wird der Anleger dazu verleitet, weitere Einzahlungen zu tätigen. Typische Betrugsplattformen fordern zwischen 5.000 € und 50.000 € an. Einige Opfer geben sogar über 500.000 € ab, wenn sie glauben, einen „exklusiven“ Handel zu betreiben.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger nun sein Geld abheben möchte, erscheint plötzlich ein Zahlungsmodal. Die Plattform verlangt fünf verschiedene Gebühren, die alle plausibel klingen, aber frei erfunden sind.

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Warnung: Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.

Die angeblichen Gewinne existieren nicht. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich Geld und erhält trotzdem keine Auszahlung. Dies ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach dem ersten Verlust kontaktieren oft Dritte den Betroffenen. Diese „Anwälte“, „Polizei“ oder „Krypto-Forensiker“ behaupten, das Geld zurückzuholen. Sie verlangen Vorauszahlungen für „Rechtsberatung“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“.

In Wahrheit handelt es sich um dieselben Täter, die die Daten weiterverkaufen oder neue Opfer gewinnen wollen. Seriöse Rechtsanwälte und Behörden melden sich niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jede zusätzliche Zahlung erhöht das Risiko eines Totalverlusts.

  2. Beweise sichern: Machen Sie Screenshots von allen Transaktionen, E-Mails und Chatverläufen. Bewahren Sie die Wallet-Adressen und Kontoinformationen auf.

  3. Kontaktiere deine Bank oder Krypto-Börse: Informiere dein Finanzinstitut über die verdächtige Transaktion. Sie können ggf. weitere Schritte zur Sperrung der Wallet einleiten.

  4. Erstelle eine Strafanzeige: Wende dich an die örtliche Polizeidienststelle oder die Bundeskriminalamt. Nutze dabei die gesammelten Beweise.

  5. Ignoriere Recovery-Scam-Angebote: Seriöse Anwälte und Behörden kontaktieren dich nicht per Social-Media. Vernachlässige Angebote, die Vorauszahlungen fordern.

Abschließende Hinweise

Der Betrugsmechanismus von cryptogs.de ist klar strukturiert und nutzt bewährte psychologische Tricks. Als Opfer musst du sofort handeln, Beweise sichern und professionelle Hilfe suchen.

Verdächtige Verbindungen: Seiten mit Gemeinsamkeiten zu Cryptogs

Unsere Auswertung zeigt, dass Cryptogs technische und strukturelle Verbindungen zu weiteren Seiten aufweist. Alle Seiten sind ähnlich aufgebaut und werden offenbar von denselben Verantwortlichen betrieben:

und 421 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei cryptogs.de gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei cryptogs.de
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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