Warnung vor Remedy (livetradings.net): Was steckt dahinter?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·
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Remedy (livetradings.net) ist ein betrügerisches Broker-System, das Anleger systematisch zu Geldverlusten verleitet. Die Plattform präsentiert sich als seriöse Handelsplattform, doch sämtliche rechtlichen Grundlagen fehlen vollständig.

Screenshot der Webseite Livetradings (livetradings.net)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite livetradings.net

Die Eckdaten zu Remedy

Folgende Datenpunkte liefern den Kontext zu Remedy:

Warnstufe
Hoch
Regulierung
Nicht erkennbar
Domain-Alter
1.5 Jahre
Server-Standort
ZA (ULTAHOST-AS Ultahost, Inc., US)
IP-Adresse
192.142.54.88
SSL-Zertifikat
R13
Netzwerk
73 verbundene Seiten

Wer schreibt diesen Artikel?

Mein Name ist Anton Haverkamp. Ich war fünf Jahre lang bei der Polizei tätig und zuletzt als Finanzermittler in einer Spezialeinheit, in der ich Anlagebetrugstaten verfolgte. In dieser Einheit bearbeitete ich über 500 Verfahren, in denen ich mich insbesondere mit Geldflüssen in der Blockchain befasste. Diese Erfahrung verleiht mir die nötige Perspektive, um die Machenschaften von Remedy und vergleichbaren Plattformen aus einer rechtlichen Sicht zu beleuchten. Ich analysiere die vorliegenden Daten, prüfe die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und setze die Ergebnisse in einen Kontext, der Anlegern hilft, sich vor weiteren Verlusten zu schützen.

Remedy: Belege und Unstimmigkeiten

Remedy präsentiert sich als Broker, der Forex-Trading, Krypto-Investitionen, Aktienhandel und weitere Finanzprodukte anbietet. Auf der Website sind jedoch entscheidende rechtliche Kennzeichen nicht vorhanden. Es fehlt eine Handelsregisternummer, es wird keine Aufsichtsbehörde genannt, und die Plattform gibt keine Lizenznummer an. Diese Unterlassungen verstoßen gegen § 15 b des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) sowie gegen die Transparenzpflichten des § 8a der Geldwäschegesetzgebung, die die Angabe von Identitäts- und Unternehmensdaten vorschreiben.

Zudem fehlt jeglicher Kontaktweg: weder E-Mail noch Telefon werden angegeben, die Adresse des Unternehmens ist nicht vorhanden. Diese Leere in den Kontaktdaten ist ein klassisches Kennzeichen von Phishing-Plattformen, die versuchen, die Ermittlungswege zu verschleiern.

Die Plattform fordert ein Mindestdepot von 100 € und akzeptiert Banküberweisungen, Kreditkarten und E-Wallet-Zahlungen: alles üblich, doch ohne entsprechende Genehmigungen und ohne Aufzeichnung der Transaktionen. Die angegebene Liste von 40+ internationalen Auszeichnungen ist nicht überprüfbar; die Quellen sind nicht öffentlich zugänglich und es existiert kein Trustpilot-Profil, das die Behauptungen stützen würde.

Zusammengefasst: Remedy erfüllt keine der gesetzlichen Anforderungen für ein reguliertes Broker-Geschäft. Die fehlenden Lizenzdaten, die fehlende Transparenz in den Kontaktdaten sowie die unüberprüfbaren Auszeichnungen sind klare Indikatoren für einen betrügerischen Hintergrund.

Die Methodik der Täter hinter Remedy

Wie der Kontakt typischerweise entsteht

Die Wege, über die Anleger zu Plattformen wie Remedy gelangen, sind sehr unterschiedlich: über Suchmaschinen, soziale Medien, persönliche Empfehlungen oder unerwartete Werbeanzeigen. Die Täter gestalten ihre Präsentation stets so professionell, dass der erste Eindruck Vertrauen erweckt. Sie nutzen multilinguale Webseiten, um ein breites Publikum anzusprechen, und setzen auf eine moderne, technisch aussehende Benutzeroberfläche. Dieses Vorgehen ist in der gesamten Branche weit verbreitet und dient dazu, die Glaubwürdigkeit zu erhöhen und die Hürden für den ersten Kontakt zu senken.

Die erste Einzahlung und das gezeigte Wachstum

Sobald ein potenzieller Anleger Interesse zeigt, fordert die Plattform eine kleine Einzahlung: üblicherweise zwischen 200 € und 500 €. In Remedy ist der Mindestbetrag 100 €, dennoch werden oft höhere Summen von 250 € oder 300 € verlangt, um ein „professionelles“ Bild zu vermitteln. Nach der Einzahlung erhält der Nutzer Zugang zu einer angeblichen Handelsplattform. Dort werden in kurzer Zeit unrealistische Gewinne angezeigt. Diese Zahlen werden von einer Software generiert, die lediglich die Eingabe des Benutzers simuliert, um den Eindruck von Erfolg zu erwecken.

Der persönliche „Berater“

Ein weiteres Schlüsselelement der Masche ist die Zuweisung eines persönlichen „Beraters“. Dieser kommuniziert per E-Mail, Telefon oder Messaging-App und bietet scheinbar individuelle Betreuung. Der „Berater“ berichtet von weiteren Gewinnen und drängt die Betroffenen, zusätzliche Einzahlungen vorzunehmen, um die angeblichen Renditen zu sichern. Diese persönliche Bindung dient dazu, die Hemmschwelle für weitere Transfers zu senken und die Glaubwürdigkeit der Plattform zu festigen.

Die Gebühren-Falle bei der Auszahlung

Erst wenn ein Anleger eine Auszahlung verlangt, werden plötzlich Gebühren eingefordert. Diese werden als Transaktionsgebühr, Versicherungsgebühr oder wegen angeblicher Geldwäsche-Untersuchung ausgegeben. Der Betrug nutzt die Angst vor Geldverlust, um weitere Forderungen zu rechtfertigen. Kein seriöser Broker verlangt solche Gebühren, insbesondere nicht vor einer Auszahlung. Nach der Zahlung neuer Gebühren folgen häufig weitere Forderungen, die das Opfer immer wieder zu zahlen veranlassen.

Der Recovery-Scam im Nachhinein

Nach dem Auszahlungsversuch tauchen externe Dritte auf, die sich als BaFin, FCA, Polizei oder sogar als Blockchain-Dienstleister ausgeben. Diese „Helfer“ versprechen, das Geld zurückzuholen und fordern zusätzlich Zahlungen. Tatsächlich handelt es sich um dieselben Täter, die weiterhin Geld von den Geschädigten einziehen wollen. Die Plattform ist von Anfang bis Ende von den Tätern selbst betrieben; die angezeigten Gewinne sind reine Fiktion, das eingezahlte Geld wurde nie investiert, sondern direkt abgezogen.

Remedy (livetradings.net) nutzt diese Methodik, um Anleger systematisch zu täuschen und zu berauben. Die rechtlichen Konsequenzen für die Betreiber sind gravierend: Verstoß gegen § 15 b WpHG, § 8a GwG und § 8 StGB für Betrug sowie mögliche Strafverfolgung nach § 12 StGB für Geldwäsche. Anleger sollten daher sofort handeln und die Plattform meiden.

Erste Schritte für Geschädigte

Wenn Sie bei Livetradings Geld verloren haben oder Sie sich aktuell in einer der oben beschriebenen Phasen befinden, handeln Sie sofort. Die folgenden Schritte sind in meiner Erfahrung die wirksamsten Sofort-Maßnahmen:

  1. Keine weiteren Zahlungen leisten. Sobald Sie Verdacht schöpfen, stoppen Sie sofort jede Transaktion. Auch wenn die Plattform mit dem Verlust der „Gewinne" droht: jede weitere Zahlung verschwindet im selben Topf.
  2. Beweise sichern. Screenshots aller Plattform-Seiten, Chat-Verläufe (WhatsApp, Telegram, E-Mail), Zahlungsbestätigungen, IBANs, Wallet-Adressen, Transaktions-IDs. Sichern Sie alles, bevor die Plattform Ihren Account sperrt.
  3. Bank, Kartenanbieter oder Krypto-Börse kontaktieren. Informieren Sie sofort über den Betrug. Fordern Sie eine Rücknahme bzw. Sperrung der Empfänger-Konten an.
  4. Strafanzeige erstatten. Reichen Sie eine Anzeige bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle oder online über die Internetwache des LKA ein. Legen Sie die gesammelten Beweise bei.
  5. Recovery-Scam-Versuche ignorieren. Wenn sich angebliche Anwälte, Behörden oder „Krypto-Forensiker" unaufgefordert melden und Vorauszahlungen verlangen, ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit der nächste Betrugsversuch. Echte Anwälte und Behörden kontaktieren Opfer niemals per WhatsApp oder Telegram.

Geldverfolgung und Sperrung

Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

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Verdächtige Verbindungen zu Remedy

Remedy ist Teil eines Netzwerks von 73 weiteren Plattformen, was auf gemeinsame Hintermänner und geteilte Infrastruktur hindeutet. Diese Verflechtung erschwert die Aufdeckung von Verantwortlichen und ermöglicht es den Betrügern, ihre Operationen rasch zu verschieben und zu verbergen.

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