Paysafe Finance (paysafefinance.online) im Faktencheck

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·5 Min. Lesezeit·
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Paysafe Finance (paysafefinance.online) ist ein betrügerisches Finanzunternehmen, das Anleger mit irreführenden Angeboten täuscht und keine regulierten Dienstleistungen erbringt. Auch die Financial Conduct Authority (FCA) warnt ausdrücklich vor Paysafefinance unter dem Titel „Paysafe Finance (clone of FCA firms) (updated)“. Die vollständige FCA-Warnung zu Paysafefinance steht auf der offiziellen Seite der FCA zur Verfügung.

Screenshot der Webseite Paysafefinance (paysafefinance.online)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite paysafefinance.online

Warum paysafefinance.online unseriös ist

Die erste Anmerkung betrifft die fehlende Transparenz bezüglich der Geschäftsadresse. Auf der Website wird keine physische Adresse angegeben, obwohl die Angabe einer solchen in den meisten Ländern gesetzlich vorgeschrieben ist. Weiterhin fehlt die Angabe einer Handelsregisternummer im Unternehmensregister, obwohl die Firma eine Registrierung bei der Financial Conduct Authority (FCA) und der Central Bank of Ireland vorgeben möchte. Das Fehlen dieser Angaben ist ein starkes Warnsignal.
Zudem gibt es keine Bestätigung der Lizenznummer 713027, die auf der Plattform als gültig dargestellt wird. Bei einer gründlichen Recherche lässt sich diese Nummer nicht mit einer registrierten Lizenz in den Datenbanken der jeweiligen Aufsichtsbehörden abgleichen. Die angeblichen Dienstleistungen: Kredit, Darlehen und Finanzierung: werden ohne verlässliche Zulassungsnachweise angeboten, was im Widerspruch zu den gesetzlichen Vorgaben steht.
Schließlich weist die Plattform keine klaren Angaben zu den Zahlungsempfängern auf. Die akzeptierten Zahlungsmethoden sind Kreditkarte und Überweisung, jedoch gibt es keine verifizierten Bankverbindungen oder Kontoinformationen, die einem regulierten Finanzinstitut entsprechen würden. Diese Kombination aus fehlender Adressangabe, unbestätigter Lizenz und unklarem Zahlungsverkehr macht das Unternehmen eindeutig unseriös.

Wie der Betrug bei paysafefinance.online abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Der erste Kontakt erfolgt häufig über Social-Media-Ads auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok. Die Anzeigen nutzen ansprechende Grafiken und versprechen schnelle Renditen. Oft werden angebliche "Anlageberater" vorgestellt, die potenziellen Kunden persönliche Beratung anbieten. Diese Berater kontaktieren die Interessenten per Telefon oder Messaging-Apps und stellen ein lockendes Startkapital in Höhe von 250 € vor: ein Betrag, der niedrig genug ist, um die Hemmschwelle für die erste Investition zu senken.
Die Kommunikation ist dabei sehr persönlich und vermittelt den Eindruck, dass der Kunde in einen exklusiven Kreis von Investoren aufgenommen wird. Die Berater betonen, dass das Geld sofort in die Plattform eingezahlt werden muss, um von der vermeintlichen Marktsituation zu profitieren. Dieses Vorgehen zielt darauf ab, Vertrauen aufzubauen und den Kunden emotional zu binden.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der Einzahlung präsentiert die Plattform dem Kunden scheinbare Gewinne in Höhe von 800 € innerhalb von zwei Wochen. Diese Zahlen stammen aus der internen Software der Plattform und spiegeln keine tatsächlichen Börsenaktivitäten wider. Es gibt keine belegbaren Orderbücher, keine Transaktionsnachweise und keine Verbindung zu realen Handelsplattformen. Stattdessen wird lediglich eine Grafik mit steigenden Balken angezeigt, die den Eindruck von Profitabilität erweckt.
Die Kunden werden aufgefordert, die Gewinne zu bestätigen, indem sie ihre Kontodaten erneut eingeben. Dadurch wird das Vertrauen weiter gestärkt, während gleichzeitig weitere persönliche Informationen gesammelt werden, die später für weitere Manipulationen genutzt werden können.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Ein persönlicher "Account-Manager" bleibt mit dem Kunden in Kontakt und bietet ihm exklusive Vorteile wie ein VIP-Konto, Hebelboni von bis zu 1:500 und garantierte Gewinne. Diese Versprechen sind jedoch rein fiktiv. Der Account-Manager nutzt Zeitlimits („Nur heute“) und künstliche Verknappung, um den Kunden zu drängen, weitere Einzahlungen in Höhe von 5.000 € bis 50.000 € zu tätigen. Oft werden auch fiktive Erfolgsgeschichten von anderen Anlegern geteilt, um den sozialen Beweis zu verstärken.
Der Kunde wird dadurch in eine Abhängigkeit von der Plattform gebracht, die es dem Betreiber ermöglicht, größere Beträge zu erheben, ohne dass echte Handelsaktivitäten stattfinden.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Kunde nun seine Gewinne auszahlen möchte, erscheint plötzlich eine Liste von Gebühren, die er zahlen muss, bevor die Auszahlung erfolgt. Zu den häufig genannten fiktiven Kosten gehören:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung
    Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.
    Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine "Gebühr" zahlt, verliert zusätzlich dieses Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten treten häufig Dritte auf den Plan: angebliche Anwälte, Behörden-Mitarbeiter oder sogenannte "Krypto-Forensiker" mit einer eigenen Wallet-Wiederherstellungs-Software. Sie versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen, verlangen jedoch Vorauszahlungen für "Gebühren", "Übersetzungen" oder "Server-Zugriffe". Diese Forderungen sind in der Regel ein weiterer Trick, um mehr Geld von den Opfern zu ergaunern. Hinter diesen angeblichen Fachleuten stecken oft dieselben Täter, die die ursprüngliche Plattform betrieben haben. Echte Anwälte und Behörden melden sich NIEMALS unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram.

Das Netzwerk hinter paysafefinance.online

Paysafe Finance ist Teil eines Netzwerks von fünf Plattformen, die dieselben Hintermänner und technische Infrastrukturen teilen. Diese Plattformen nutzen oft wechselnde Domainnamen und Logos, um Regulierungsbehörden zu umgehen und Nutzer zu täuschen. Die Verbindungen lassen sich durch gemeinsame IP-Adressen, ähnliche Webdesign-Vorlagen und identische Zahlungsabwickler erkennen. Durch das Re-Branding entstehen häufig neue, scheinbar unabhängige Angebote, die jedoch dieselbe betrügerische Logik verfolgen.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Keine weiteren Zahlungen leisten: Sobald Sie den Verdacht haben, dass Sie Opfer eines Betrugs geworden sind, sollten Sie keine weiteren Einzahlungen tätigen. Jede neue Zahlung erhöht das Risiko, dass Sie mehr Geld verlieren.
  2. Beweismaterial sichern: Speichern Sie sämtliche E-Mails, Chat-Logs, Transaktionsbelege und Screenshot der Plattform. Diese Unterlagen sind entscheidend, wenn Sie später rechtliche Schritte einleiten oder Strafanzeigen erstatten.
  3. Kontakt zu Ihrer Bank aufnehmen: Informieren Sie Ihre Bank über die verdächtigen Transaktionen. Bitten Sie um eine Sperrung der Konten, von denen die Beträge ausgegangen sind, und fordern Sie eine Rückverfolgung der Gelder.
  4. Eine Strafanzeige erstatten: Melden Sie den Vorfall bei der Polizei oder der örtlichen Staatsanwaltschaft. Geben Sie alle gesicherten Beweise an, damit die Ermittlungen ungehindert fortgesetzt werden können.
  5. Recovery-Scam-Versuche ignorieren: Wenn Sie Angebote erhalten, die behaupten, Ihr Geld zurückzuholen, lehnen Sie diese ab. Seriöse Anwälte oder Behörden werden Sie nicht per unaufgeforderter Nachricht kontaktieren.

Abschließende Hinweise

Die Ermittlungen zu Betrugsfällen im Finanzbereich erfordern Geduld und genaue Dokumentation. Wenn Sie sich in einer ähnlichen Situation befinden, handeln Sie schnell, sichern Sie Ihre Beweise und suchen Sie professionelle Hilfe.

Zahlen Sie keine fiktiven Gebühren, und verlassen Sie sich nicht auf unerwartete Angebote. Bleiben Sie wachsam und informieren Sie sich regelmäßig über aktuelle Warnungen von Regulierungsbehörden.

Das Netzwerk hinter Paysafe Finance

Paysafe Finance ist Teil eines Netzwerks von fünf Plattformen, die häufig dieselben Hintermänner und Infrastrukturen teilen.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei paysafefinance.online gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei paysafefinance.online
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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