Renvio (renvio.icu): Ist diese Trading-Plattform Betrug?
Renvio, die angeblich vielfältige Trading-Plattform, ist in den letzten Wochen immer wieder im Fokus von Anlegerwarnungen. Unsere Ermittlungen zeigen, dass hinter der glänzenden Oberfläche ein betrügerisches System steckt, das gezielt Unwissenheit ausnutzt. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt seit dem 24. März 2026 ausdrücklich vor Renvio unter dem Titel „Renvio(.)icu und renvio(.)pro: BaFin warnt vor Websites“. Die vollständige BaFin-Warnung zu Renvio steht auf der offiziellen Seite der BaFin zur Verfügung.

Achtung
Betrugsverdacht
Warum Renvio unseriös ist
Die erste Anzeichen für Unstimmigkeiten zeigen sich bereits im Impressum. Renvio gibt weder eine Handelsregisternummer noch einen Aufsichtsbehörde-Namen an. Auch das Gründungsjahr fehlt vollständig, was bei seriösen Unternehmen unüblich ist. Darüber hinaus fehlt die Angabe einer Firmensitz-Adresse. Diese drei Elemente sind die Basis für jede rechtlich etablierte Trading-Plattform. Ohne sie kann der Betreiber nicht eindeutig identifiziert und nachverfolgt werden: ein klassisches Merkmal von Scam-Plattformen.
Ein weiteres Problem ist die fehlende Lizenz. In der Finanzwelt ist es zwingend erforderlich, dass ein Broker eine gültige Lizenz bei einer anerkannten Aufsichtsbehörde besitzt. Renvio verweigert jegliche Angaben hierzu. Diese Transparenzlücke ist ein klares Warnsignal: Ohne Lizenz besteht keinerlei Haftungspflicht gegenüber den Kunden.
Schließlich sind die angebotenen Zahlungswege ein Hinweis. Renvio akzeptiert nur Visa, MasterCard und Banküberweisungen, keine regulären Bankkonten oder etablierte Zahlungsplattformen wie PayPal. Die Kombination aus fehlender Lizenz, unklarer Rechtslage und eingeschränkten Zahlungskanälen ist ein Muster, das in zahlreichen Betrugsfällen zu finden ist.
Wie der Betrug bei Renvio abläuft
Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot
Renvio nutzt gezielt Social-Media-Kanäle wie Instagram, TikTok und Telegram, um potenzielle Opfer anzusprechen. Oft startet die Kontaktaufnahme mit einem scheinbar legitimen „Anlageberater“, der sich als Experte in Forex, Krypto und CFD ausgibt. In den ersten Nachrichten werden oft scheinbar authentische Erfolgsgeschichten geteilt: zum Beispiel „Ich habe in drei Wochen 200 % Gewinn erzielt“. Diese Geschichten sind jedoch meist generiert oder stammen von Fake-Accounts, die von den Betrügern kontrolliert werden. Die ersten Einzahlungen werden bewusst niedrig gehalten, typischerweise 250 €. Dieses geringe Startkapital senkt die psychologische Hemmschwelle und lässt das Opfer glauben, dass es sich um ein risikoarmes Experiment handelt.
Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne
Nach der ersten Einzahlung zeigt die Plattform angeblich hohe Gewinne an: etwa 800 € innerhalb von zwei Wochen. Diese Zahlen entstehen jedoch nicht durch echte Markttransaktionen, sondern durch manipulierte Software, die in Echtzeit fiktive Gewinne anzeigt. Es gibt keine Bestätigung von einer regulären Börse oder eines registrierten Brokers. Die Darstellung ist so realistisch, dass das Opfer die Gewinne als Beweis für die Zuverlässigkeit von Renvio interpretiert.
Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen
Wenn das Opfer überzeugt ist, wird ein persönlicher „Account Manager“ eingebunden, der die Beziehung vertieft. Durch wiederholte Nachrichten, angebliche „VIP-Konten“ und Versprechen von Hebelboni (z. B. 1:500) wird der Investor ermutigt, weitere Mittel einzuzahlen. Oft werden Zeitlimits gesetzt („Nur heute verfügbar“) und Social Proof erzeugt: fiktive Mitinvestoren-Profile, die angeblich ebenfalls hohe Renditen erzielen. Die Betrüger nutzen diese Techniken, um das Vertrauen zu festigen und die Opfer dazu zu bringen, große Beträge, von 5.000 € bis zu über 50.000 €, einzuzahlen. In seltenen Fällen berichten Opfer von Einzahlungen bis zu 500.000 €.
Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren
Wenn das Opfer nun seine Gewinne oder das ursprüngliche Kapital auszahlen lassen möchte, wird plötzlich eine Reihe von Gebühren eingeführt. Die Plattform verlangt:
- Transaktionsgebühr
- Steuervorauszahlung
- Versicherungsgebühr
- KYC-Verifizierungsgebühr
- Konto-Aktivierungsgebühr
Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Diese Gebühren sind das Herz des Betrugs: Sie geben den Opfern den Eindruck, dass es sich um legitime Auszahlungsprozesse handelt, während in Wirklichkeit kein Geld mehr fließt.
Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge
Nach den ersten Verlusten tauchen häufig angebliche Dritte auf. „Anwälte“, „Behörden-Mitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ melden sich per WhatsApp oder Telegram und versprechen, das Geld zurückzuholen. Sie fordern Vorauszahlungen für „Reparaturkosten“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. In der Regel handelt es sich hierbei um die gleichen Täter, die das Geld weiter verkaufen. Echte Anwälte und Behörden melden sich niemals unaufgefordert. Das Ignorieren dieser Kontaktversuche ist entscheidend, um nicht in weitere Verluste zu tappen.
Was Betroffene jetzt tun sollten
- Sofort keine weiteren Zahlungen leisten. Sobald Sie bemerken, dass Ihr Konto ungewöhnliche Gebühren verlangt, stoppen Sie alle Transaktionen.
- Beweise sichern. Machen Sie Screenshots von allen Kommunikation, Transaktionen und Kontoauszügen. Bewahren Sie E-Mails, Chatverläufe und Zahlungsnachweise auf.
- Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Börse. Informieren Sie Ihren Zahlungsdienstleister über den möglichen Betrug. Bitten Sie um Rückbuchungen oder Sperrung weiterer Transaktionen.
- Erstatten Sie Strafanzeige. Wenden Sie sich an Ihre örtliche Polizeidienststelle oder an die Finanzaufsicht. Nutzen Sie die erfassten Beweise, um eine Untersuchung einzuleiten.
- Ignorieren Sie „Recovery“-Angebote. Echte Rechtsanwälte oder Behörden melden sich nicht per Messenger. Vermeiden Sie Vorauszahlungen und lassen Sie sich nicht von vermeintlichen Rettungskräften manipulieren.
Schlusswort
Renvio (renvio.icu) ist ein klassisches Beispiel für moderne Online-Betrugssysteme. Durch die Kombination aus fehlenden rechtlichen Angaben, manipulierten Gewinnen und aggressiven Auszahlungsstrategien wird das Vertrauen der Anleger gezielt ausgenutzt. Wenn Sie bereits Opfer geworden sind oder vermuten, dass Sie es sein könnten, handeln Sie schnell und sichern Sie Ihre Beweise. Nur so können Sie Ihre Chancen auf eine Rückerstattung erhöhen und andere vor ähnlichen Fallen schützen.
Das Netzwerk hinter Renvio
Renvio ist Teil eines Netzwerks von 75 Plattformen, die sich häufig durch ähnliche Branding-Elemente, einander ähnliche URLs und gemeinsame Server-Standorte auszeichnen.

7swisswave
7swisswave.com

Access Shares
access-shares.com

Uniongatecompy
access.uniongatecompy.com

Allmarkettrades
allmarkettrades.com

Alphacoremarket
alphacoremarket.com

Apexcryptomarkets
apexcryptomarkets.com
und 69 weitere technisch verbundene Seiten.
Geldverfolgung und Sperrung
Auch bei renvio.icu gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.
In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.
Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.


Über den Ermittler
Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.
Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.