swipecoins.live: Fragwürdiges Trading-System

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Legen Sie kein Geld bei swipecoins.live an. Swipecoins verfügt nach unseren Erkenntnissen über keine Lizenz der BaFin oder einer anderen anerkannten Finanzaufsichtsbehörde.

Screenshot der Webseite Swipecoins (swipecoins.live)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite swipecoins.live

Warum swipecoins.live unseriös ist

Swipecoins.live präsentiert sich als „Trading-Platform“, die Copy-Trading, Forex-Trading, Index-Trading und Krypto-Trading anbietet. Doch die Daten widersprechen dieser Darstellung:

  • Fehlende Registrierung: Auf der Website ist weder ein Handelsregisternummer noch eine Angabe einer Aufsichtsbehörde vorhanden.
  • Keine Lizenz: Der Anbieter gibt keine Lizenznummer an und verweist nicht auf eine anerkannte Finanzaufsichtsbehörde.
  • Unklare Kontaktdaten: Es gibt weder eine E-Mail noch eine Telefonnummer; die einzige Angabe ist eine US-Adresse, die in den Registern nicht existiert.
  • Unrealistische Renditeversprechen: „Up to 80 % ROI“ wird ohne jegliche Quellenangabe oder historische Nachweise beworben.
  • Nur Krypto-Zahlungen: Die einzige akzeptierte Zahlungsmethode ist ein Krypto-Wallet. Dies erschwert Rückzahlungen und die Rückverfolgung von Geldern.
  • Fehlende Transparenz: Keine Angaben zu Geschäftsführung, Firmengründungsdatum oder Betriebsstandort.
  • Keine Kundenbewertungen: Es gibt keine verifizierten Testimonien; die beiden angeblichen Namen „Marvin McKinney“ und „Memphis June“ lassen sich nicht eindeutig auf reale Personen zurückführen.

Diese Inkonsistenzen sind klare Indikatoren dafür, dass Swipecoins.live nicht den Anforderungen einer seriösen Finanzplattform entspricht.

Angegebene Adresse von Swipecoins

Auf der Webseite swipecoins.live wird folgende Adresse angegeben: 520 White Plain Road, Tarrytown NY 10591. Unter dieser Adresse ist das Unternehmen jedoch nicht im Handelsregister eingetragen und auch sonst nicht nachweisbar geschäftlich tätig.

Unter der angegebenen Anschrift in den USA liegt zwar ein Gebäude (Nutzung in OSM nicht klassifiziert), doch eine konkrete Geschäftspräsenz dieses Anbieters lässt sich nicht nachweisen.

Beim genaueren Hinsehen fällt eine Diskrepanz ins Auge. Der Server steht in Südafrika, die behauptete Firmenadresse aber in den USA. Wer Adresse, Server und Vorwahl bewusst auseinanderzieht, will Strafverfolgung erschweren. Genau dieses Muster prägt die Mehrzahl der von uns dokumentierten Betrugsfälle.

Adresse
USA
Server-Standort
Südafrika
Hosting-Land
Südafrika

Wie der Betrug bei swipecoins.live abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

Der erste Kontakt kommt häufig über Social-Media-Ads, Influencer-Posts oder Krypto-Telegram-Gruppen. Der Anbieter präsentiert sich als „Experte“, der Ihnen eine „einfach zu nutzende“ Plattform anbietet, auf der Sie mit einer geringen Anfangsinvestition von 500 € sofort hohe Renditen erzielen können. Die Werbung betont die niedrige Einstiegshürde und suggeriert, dass jeder, der schnell handelt, profitabel sein kann.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigt die Plattform dem Nutzer sofort „Gewinne“ an: zum Beispiel 800 € nach zwei Wochen. Diese Zahlen stammen jedoch aus einer internen Datenbank, die lediglich simulierte Transaktionen darstellt. Es werden keine echten Aufträge an Börsen platziert; stattdessen wird ein Dashboard mit vorgefertigten Grafiken angezeigt. Das Ziel ist klar: Vertrauen aufbauen und den Eindruck von Erfolg vermitteln, damit das Opfer weitere Mittel bereitwillig einzahlt.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Ein „Account-Manager“: meist ein Bot oder ein wenig ausgebildeter Mitarbeiter: übernimmt die Kommunikation. Er verspricht exklusive Vorteile: Hebel-Boni, garantierte Gewinne, Zugang zu „Insider-Tipps“ und VIP-Konten. Durch gezielten Social-Proof: gefälschte Erfolgsgeschichten anderer „Anleger“: wird der Druck erhöht. Oft wird ein Zeitlimit gesetzt („nur heute“) und die Verknappung von Konten wird betont. Opfer zahlen anschließend zwischen 5.000 € und 50.000 € oder mehr, da das System darauf ausgelegt ist, die Abhängigkeit zu verstärken.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn ein Opfer nun sein Geld oder die angeblichen Gewinne auszahlen möchte, wird es mit einer Vielzahl von Gebühren konfrontiert.

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzliches Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten tauchen häufig angebliche „Rechtsberater“ oder „Krypto-Forensiker“ auf, die versprechen, das Geld zurückzuholen. Sie verlangen Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. In Wirklichkeit sind es dieselben Täter, die Ihre Daten weiterverkaufen. Echte Anwälte und Behörden melden sich NIEMALS unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jede zusätzliche Einzahlung verschärft Ihre Situation.
  2. Beweise sichern: Speichern Sie alle E-Mails, Zahlungsbelege, Chatverläufe und Screenshots. Diese Dokumente sind entscheidend, wenn Sie später rechtliche Schritte einleiten.
  3. Bank oder Krypto-Börse informieren: Melden Sie die Transaktionen und fordern Sie eine Rückbuchung an, sobald dies möglich ist.
  4. Anzeige erstatten: Kontaktieren Sie Ihre örtliche Polizeidienststelle oder die Finanzmarktaufsicht. Ihre Erfahrung mit über 500 Betrugsfällen zeigt, dass eine Meldung die Ermittlungen beschleunigt.
  5. Recovery-Scammer ignorieren: Jede Forderung nach zusätzlichen Zahlungen ist ein weiterer Versuch, Ihr Geld zu stehlen. Schließen Sie den Kontakt ab und blockieren Sie die Nummern.

Fazit

Swipecoins.live ist ein klarer Betrug. Die fehlenden Regulierungsangaben, die unrealistischen Renditeversprechen und die gefälschten Kontaktdaten machen die Plattform zu einem gefährlichen Risiko.
Wenn Sie bereits Opfer geworden sind, handeln Sie jetzt: sichern Sie Ihre Beweise, informieren Sie Ihre Bank und melden Sie den Betrug. Je schneller Sie vorgehen, desto größer ist die Chance, Ihr Geld zurückzuerlangen und weitere Opfer zu verhindern.

Verdächtige Verbindungen: Seiten mit Gemeinsamkeiten zu Swipecoins

Unsere Auswertung zeigt, dass Swipecoins technische und strukturelle Verbindungen zu weiteren Seiten aufweist. Alle Seiten sind ähnlich aufgebaut und werden offenbar von denselben Verantwortlichen betrieben:

und 73 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei swipecoins.live gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei swipecoins.live
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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