Anchorcircuits (anch0rcircuits.org) im Faktencheck

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Anchorcircuits (anch0rcircuits.org) stellt sich als Anbieter von Banking, Krediten, Investitionen, Versicherungen und Konten dar. Die Analyse zeigt, dass die Plattform keinerlei rechtliche Basis und regulatorische Genehmigungen besitzt: ein klarer Hinweis auf betrügerische Absichten.

Screenshot der Webseite Anch0rcircuits (anch0rcircuits.org)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite anch0rcircuits.org

Warum anch0rcircuits.org unseriös ist

Anchorcircuits präsentiert sich als umfassender Finanzanbieter, jedoch fehlt jeglicher Hinweis auf eine gültige Lizenz oder Aufsichtsbehörde. Das Fehlen einer registrierten Handelsregisternummer und der Tatsache, dass die Website keinerlei Angaben zu einer regulatorischen Zulassung macht, wirft sofort Fragen auf.
Ein weiteres Problem ist die fehlende Transparenz bei den angebotenen Dienstleistungen. Obwohl Banking, Kredite, Investitionen, Versicherungen und Konten angeboten werden, gibt es keinerlei Informationen zu den zugrundeliegenden Banken, Versicherern oder Investmentfonds. In einer seriösen Plattform müssten diese Partner klar benannt und verifiziert werden.
Die Marketingaussage „2.60% forecast up till 2030“ ist ohne Quellenangabe und ohne Erläuterung der Berechnungsgrundlage. Seriöse Finanzinstitute müssen ihre Renditeprognosen durch unabhängige Analysen oder historische Daten untermauern. Ohne solche Nachweise ist die Aussage schlicht spekulativ und potenziell irreführend.
Zudem gibt es keinerlei Hinweise auf ein KYC- oder Anti-Geldwäsche-Verfahren, obwohl die Plattform Kundengeld verarbeitet. In einer regulierten Umgebung wären mindestens ein Identitätsnachweis und ein Verfahrensleitfaden für die Geldwäscheprävention vorhanden.
Schließlich ist die Kontaktadresse und die Telefonnummer nicht in offiziellen Registern verzeichnet, und die Website bietet keine Möglichkeit zur Überprüfung der Identität der Betreiber. Diese fehlende Nachverfolgbarkeit ist ein klassischer Hinweis auf ein betrügerisches Modell.

Wie der Betrug bei anch0rcircuits.org abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

Potenzielle Opfer werden zunächst durch gezielte Werbung in sozialen Medien oder via E-Mail-Listen auf Anchorcircuits aufmerksam. Die Plattform nutzt ansprechende Grafiken und vermeintliche „Erfolgsgeschichten“ von Investoren, um Vertrauen zu schaffen. Oft wird ein erstes kleines Deposit von wenigen Hundert Euro empfohlen, um die Plattform zu testen. Dieses Vorgehen dient dazu, die Hemmschwelle zu senken und die Opfer in einen „Proof-of-Investment“-Zustand zu versetzen.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach dem ersten Deposit wird auf der Benutzeroberfläche von Anchorcircuits angeblich ein signifikanter Gewinn angezeigt, z. B. „Aus 250 € werden in zwei Wochen 800 €“. Diese Zahlen entstehen jedoch nicht aus realen Handelsaktivitäten, sondern sind von der Software generierte, manipulierte Daten. Es existieren keine echten Orderbuch-Einträge oder Transaktionen an regulierten Börsen. Ziel ist es, das Vertrauen weiter zu festigen und den Eindruck von „Profitabilität“ zu erwecken.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Die Plattform bietet dem Kunden anschließend „VIP-Konten“ und vermeintlich höhere Hebel, z. B. 1:500, sowie „exklusive IPO-Zugänge“. Diese Versprechen werden durch Zeitlimits und simulierte Engpässe untermauert („nur heute, begrenzte Plätze“). Der Anleger wird somit ermutigt, weitere Beträge zu investieren, wobei die tatsächlichen Mittel nie in legitime Finanzinstrumente fließen.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger nun seine Gewinne oder das ursprünglich investierte Kapital auszahlen möchte, wird plötzlich ein Paket von Gebühren eingeführt.

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde niemals Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.
Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzliches Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Dies ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten kontaktieren Dritte: angebliche Anwälte, Behördenmitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“: die das Geld zurückzuholen versprechen. Sie fordern Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Personen sind in der Regel dieselben Täter, die die ursprüngliche Plattform betreiben, und sie verkaufen die Opferdaten weiter. Seriöse Anwälte und Behörden melden sich nie unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  • Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jede zusätzliche Einzahlung erhöht die Gefahr, dass Sie noch mehr Geld verlieren.
  • Beweise sichern: Speichern Sie E-Mails, Transaktionsbestätigungen, Screenshots der Plattform und jegliche Kommunikation. Diese Unterlagen sind entscheidend, falls Sie später rechtliche Schritte einleiten wollen.
  • Kontaktieren Sie Ihre Bank oder den Anbieter Ihrer Kryptowährung: Informieren Sie sie über die verdächtigen Transaktionen, damit diese Maßnahmen ergreifen und mögliche Geldflüsse stoppen können.
  • Rechtliche Schritte einleiten: Melden Sie den Vorfall bei der örtlichen Polizeidienststelle oder beim Finanzmarktaufsichtsbehörden. Da Anchorcircuits keine Lizenz besitzt, kann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden.
  • Ignorieren Sie Recovery-Scams: Seien Sie wachsam gegenüber Anbietern, die versprechen, Ihr Geld zurückzubringen. In der Regel handelt es sich um weitere Betrüger, die zusätzliche Gebühren erheben.

Schlussfolgerung

Anchorcircuits (anch0rcircuits.org) weist mehrere gravierende Mängel auf, die auf ein betrügerisches Geschäftsmodell hinweisen. Ohne regulatorische Genehmigungen, klare Transparenz und nachvollziehbare Finanztransaktionen ist die Plattform nicht vertrauenswürdig.

Das Netzwerk hinter anch0rcircuits.org

Anchorcircuits ist Teil eines Netzwerks von 25 weiteren Plattformen, die ähnliche Geschäftsmodelle und Webauftritte aufweisen. Diese Verflechtung deutet auf ein gemeinsames Backend und geteilte Infrastruktur hin, die häufig von Betrügern genutzt wird, um ihre Operationen zu verschleiern und voneinander abzugrenzen.

und 19 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei anch0rcircuits.org gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei anch0rcircuits.org
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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