Bitgettrading (bitgettrading.org): Ist es ein Betrugsnetzwerk?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·6 Min. Lesezeit·
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Sie haben bereits ein kleines Investment in bitgettrading.org getätigt, und plötzlich werden Ihnen hohe Gewinne versprochen: doch bei genauerer Betrachtung handelt es sich eindeutig um einen Betrug. Dieser Artikel zeigt Ihnen die Beweise, erklärt die Vorgehensweise des Scams und gibt Ihnen klare Handlungsempfehlungen, wie Sie Ihre Finanzen schützen und ggf. wieder zurückbekommen können.

Screenshot der Webseite Bitgettrading (bitgettrading.org)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite bitgettrading.org

Warum bitgettrading.org unseriös ist

Der erste Anhaltspunkt, der auf die unseriöse Natur von bitgettrading.org hinweist, ist das Fehlen einer klaren Registrierung. Auf der Website wird kein Handelsregisternummer oder Lizenznummer genannt, obwohl die Betreiber selbst angeblich von der CFTC, der IFSC of Belize und der Cyprus Securities and Exchange Commission lizenziert sein sollen. Solche Angaben sind ohne Nachweis nicht glaubwürdig. Die fehlende Transparenz ist ein klassisches Warnsignal: Seriöse Broker stellen ihre Lizenzen offen zur Verfügung, damit Kunden die Rechtmäßigkeit überprüfen können.

Ein weiteres Indiz ist die Kombination aus unrealistischen Versprechen und emotionaler Manipulation. Die Plattform ruft „huge return on investment“ hervor, ohne konkrete Zahlen oder Quellen anzugeben. Gleichzeitig wird auf Krypto- und Forex-Trading gesetzt: Bereiche, die für unerfahrene Anleger sehr volatil sind. Die Kombination aus hohen Renditen, fehlender Regulierung und emotionaler Ansporn (z. B. die Verwendung von Begriffen wie „unrealistic speed“) ist ein bewährtes Muster bei Betrugsplattformen. Diese Faktoren zusammen zeigen, dass Bitgettrading darauf abzielt, Vertrauen zu gewinnen, um anschließend Geld zu entwenden.

Schließlich ist die Adresse ein weiteres starkes Warnsignal. Die Angabe „6 Metrotech Center Metrotech Center, Brooklyn, NY 11201, USA“ lässt sich nicht mit öffentlichen Unternehmensregistern abgleichen. Eine echte Firma mit Sitz in den USA müsste dort registriert sein, was bei Bitgettrading nicht der Fall ist. Kombiniert mit der Tatsache, dass keine Telefonnummer angegeben ist und nur eine E-Mail-Adresse zur Verfügung steht, lässt sich die Glaubwürdigkeit stark in Zweifel ziehen.

Die behauptete Geschäftsadresse

Die Seite nennt als Sitzadresse „6 Metrotech Center Metrotech Center, Brooklyn, NY 11201, USA“. In den Handelsregistern des Bundeslands New York ist dort jedoch keine Firma namens Bitgettrading registriert. Das deutet stark darauf hin, dass die Adresse lediglich als Tarnung dient, um Vertrauen zu erwecken, ohne dass ein reales Büro oder ein rechtlich bindendes Unternehmen dahintersteht.

Unter der angegebenen Anschrift in den USA liegt zwar ein Bürogebäude (yes) ("2 MetroTech Center"), doch eine konkrete Geschäftspräsenz dieses Anbieters lässt sich nicht nachweisen.

Beim genaueren Hinsehen fällt eine Diskrepanz ins Auge. Der Server steht in den Niederlanden, die behauptete Firmenadresse aber in den USA. Solche Diskrepanzen sind ein typisches Merkmal betrügerischer Plattformen, die hinter ausländischer Hosting-Infrastruktur eine seriöse Adresse vortäuschen.

Adresse
USA
Server-Standort
Niederlande
Hosting-Land
USA

Wie der Betrug bei bitgettrading.org abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Viele Opfer werden zunächst durch gezielte Werbung auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Facebook oder TikTok angesprochen. Dort finden Sie häufig Posts von angeblichen „Anlageberatern“ oder vermeintlichen „Trading-Gurus“, die schnelle Gewinne versprechen. Oft werden gefälschte Testimonials verwendet: z. B. Namen wie „Brown“ oder „Carly Jones“: die auf der Website als zufriedene Kunden gelistet sind, jedoch nicht überprüfbar sind.

Das Lockangebot besteht meist in einer sehr niedrigen ersten Einzahlung: typischerweise rund 250 €. Durch das niedrige Risiko werden die Anleger dazu verleitet, den ersten Schritt zu wagen. Gleichzeitig wird ihnen versichert, dass das Geld sicher ist und die Plattform von renommierten Aufsichtsbehörden lizenziert ist. Diese Kombination aus psychologischer Manipulation und unrealistischen Versprechen schafft die perfekte Voraussetzung, um das Vertrauen der Opfer zu gewinnen.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Sobald die erste Einzahlung erfolgt ist, präsentiert die Plattform dem Anleger scheinbare Buchgewinne. Auf dem Dashboard von bitgettrading.org werden häufig hohe Renditen innerhalb kurzer Zeiträume angezeigt: beispielsweise „Aus 250 € werden in zwei Wochen 800 €“. Diese Zahlen entstehen jedoch nicht durch echte Börsenorders, sondern werden in der Software generiert. Es gibt keinerlei nachweisbare Transaktionen auf echten Märkten, und die angeblichen Gewinne beruhen ausschließlich auf fiktiven Daten.

Der Zweck dieses Schrittes ist es, das Vertrauen zu festigen und die Illusion zu verstärken, dass das Investment tatsächlich rentabel ist. Die Nutzer sehen ihre Konten wachsen und glauben, dass sie in einem sicheren und regulierten Umfeld investieren. In Wirklichkeit handeln die Betreiber jedoch keine echten Aufträge, sondern manipulieren die Oberfläche, um das Vertrauen zu gewinnen.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Nach dem ersten „Gewinn“ bauen die Betreiber eine Beziehung zum Kunden auf. Ein angeblicher „Account-Manager“ oder „Berater“ kontaktiert den Anleger regelmäßig und bietet exklusive Vorteile an: höhere Hebel, garantierte Gewinne, VIP-Konten oder sogar Zugang zu „insider-Tipp“-Packs. Oft werden Zeitlimits gesetzt („Nur heute noch möglich“) oder künstliche Verknappung („Nur noch wenige Plätze“) benutzt, um den Anleger zu einer schnellen Entscheidung zu drängen.

Die meisten Opfer geben in dieser Phase zwischen 5 000 € und 50 000 € ein, und in seltenen Fällen sogar über 500 000 €. Diese zusätzlichen Einzahlungen werden nicht für echte Handelsaktivitäten verwendet, sondern fließen in die Taschen der Betrüger. Das System ist darauf ausgelegt, das Vertrauen zu nutzen und immer höhere Beträge von den Opfern einzuholen.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Der Höhepunkt des Betrugs tritt ein, wenn der Anleger seine Gewinne auszahlen lassen möchte. Plötzlich tauchen zusätzliche Gebühren auf, die angeblich für den Auszahlungsprozess erhoben werden. Folgende Fake-Gebühren werden häufig genannt:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Sobald Sie die geforderten Gebühren bezahlen, verliert Ihr Geld zusätzlich an Wert: und trotz Zahlung erfolgt keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams, bei der die Betrüger das restliche Geld des Opfers ergaunern.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach dem ersten Verlust melden sich häufig vermeintliche „Anwälte“, „Behörden-Mitarbeiter“ oder „Krypto-Forensiker“ zu Hilfe. Sie versprechen, das Geld zurückzuholen und verlangen Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“, „Server-Zugriffe“ oder „Rechtsberatung“. Diese Personen sind in der Regel nicht legitim; sie nutzen das Misstrauen der Opfer aus, um weitere Zahlungen zu erzwingen. In der Regel steckt hinter dieser Nachfolge dieselbe Gruppe von Betrügern, die die ursprüngliche Plattform betrieben. Daher ist es ratsam, keinerlei Kontakt mit solchen Dritten aufzunehmen und die geforderten Zahlungen zu verweigern.

Das Netzwerk hinter bitgettrading.org

bitgettrading.org ist Teil eines Netzwerks von 50 Plattformen. Diese Betreiber nutzen dieselbe Serverinfrastruktur, teilen sich Marketingmaterialien und re-Branden nach Auffliegen. Wenn eine Plattform von Behörden geschlossen wird, wird oft sofort eine neue Domain mit ähnlichem Namen online gestellt. Das bedeutet, dass Opfer, die ihre Investition verloren haben, möglicherweise noch neue Plattformen entdecken, die exakt dieselben betrügerischen Praktiken anwenden. Das Netzwerk ermöglicht es den Tätern, sich schnell neu zu positionieren und weiterhin Geld zu generieren, ohne dass die Kunden die Gefahr erkennen.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten
    Wenn Sie noch offene Einzahlungen oder Gebühren auf bitgettrading.org haben, stoppen Sie sofort jede weitere Transaktion. Jede neue Zahlung erhöht das Risiko, noch mehr Geld zu verlieren.

  2. Belege und Kontoauszüge sichern
    Sammeln Sie alle E-Mails, Chat-Logs, Transaktionsbelege und Kontoauszüge. Diese Dokumente sind entscheidend, um den Betrug nachzuweisen und ggf. rechtliche Schritte einzuleiten. Speichern Sie Kopien an einem sicheren Ort, z. B. in einem Cloud-Speicher mit Zwei-Faktor-Authentifizierung.

  3. Bank oder Krypto-Börse kontaktieren
    Informieren Sie Ihre Bank oder die Plattform, auf der Sie die Zahlungen getätigt haben, über den Betrug. Bitten Sie um Rückbuchungen, wenn möglich, und fordern Sie die Kontenüberwachung. Viele Banken reagieren auf solche Meldungen, und es kann zu einer Rückerstattung kommen, falls die Gelder noch nicht abgewiesen wurden.

  4. Strafanzeige bei der Polizei erstatten
    Erstatten Sie eine Anzeige bei der örtlichen Polizeidienststelle oder beim Bundeskriminalamt. Nutzen Sie Ihre gesammelten Beweise, um den Fall zu belegen. In meiner Laufbahn als Finanzermittler habe ich erlebt, wie wichtig eine formelle Anzeige ist, um die Ermittlungen zu beschleunigen und den Täter zu identifizieren.

  5. Vermeiden Sie Recovery-Scam-Angebote
    Kontaktieren Sie keine vermeintlichen „Rechtsanwälte“ oder „Forensiker“, die Ihnen Hilfe anbieten, ohne zuvor ihre Identität und Legitimität zu prüfen. Seriöse Anwälte oder Behörden werden niemals per WhatsApp oder Telegram anrufen, um Gebühren zu erheben. Ignorieren Sie solche Angebote und wenden Sie sich stattdessen an offizielle Stellen.

  6. Informieren Sie andere Anleger
    Teilen Sie Ihre Erfahrung in Foren, sozialen Netzwerken und bei Online-Communitys. Je mehr Menschen über die betrügerischen Praktiken von bitgettrading.org informiert sind, desto weniger wird das Netzwerk erfolgreich sein.

Fazit

bitgettrading.org ist kein regulierter Broker. Die fehlenden Lizenzen, die unrealistischen Versprechen, die manipulierten Gewinne und die gefälschten Testimonials sind klare Beweise für einen Betrug. Indem Sie die oben genannten Schritte befolgen, können Sie zumindest das weitere Geld schützen und eventuell bereits verlorene Mittel zurückfordern. Seien Sie wachsam, bewahren Sie Ihre Beweise und zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Das Netzwerk hinter Bitgettrading

bitgettrading.org ist nicht allein. Laut den verfügbaren Informationen ist es Teil eines Netzwerks von 50 Plattformen, die dieselben Betreiber, Serverinfrastruktur und Marketingkampagnen nutzen. Solche Re-Branding-Strategien sind typisch für Betrugsnetzwerke, bei denen ein Betreiber mehrere Fassade schafft, um neue Opfer zu gewinnen, sobald frühere Plattformen von Regulierungsbehörden oder der Öffentlichkeit aufgedeckt werden.

und 44 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei bitgettrading.org gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

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Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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