Iqscheme (mail.iqscheme.net) unseriös: Faktencheck

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·5 Min. Lesezeit·
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Iqscheme (mail.iqscheme.net) hat sich als betrügerische Investmentplattform entpuppt. Das Unternehmen bietet angeblich hohe Renditen, nutzt ausschließlich Kryptowährungen und liefert keine gültigen Regulierungsnachweise.

Screenshot der Webseite Iqscheme (mail.iqscheme.net)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite mail.iqscheme.net

Warum mail.iqscheme.net unseriös ist

Die ersten Anzeichen sind sofort erkennbar. Iqscheme gibt weder eine Handelsregisternummer noch einen Aufsichtsbehörden-Namen an. Auch die Lizenznummer fehlt vollständig. Die Seite listet lediglich „Freiwillige Registrierung“ ohne weitere Details.
Ein weiteres Problem ist die fehlende Erfolgsrate. Die Plattform behauptet, fünf Jahre Erfahrung zu haben und 12.782 Kunden betreut zu haben, gibt aber keine Erfolgsquote an. Gleichzeitig wird in den Nutzungsbedingungen „Garantierte Renditen“ erwähnt, obwohl keine Quellen oder Belege vorgelegt werden.
Die Zahlungsabwicklung erfolgt ausschließlich über Kryptowährungen. Das bedeutet, dass Rückzahlungen in Fiat-Währung nicht möglich sind, da die Plattform keine Bankkonten oder regulierten Zahlungsdienste nutzt.
Die Mindestanlagesumme beträgt lediglich 30 €: ein sehr niedriger Betrag, der es ermöglicht, die Plattform mit minimalem Risiko zu testen. Dieses niedrige Minimum dient jedoch als Einstiegspunkt, um Vertrauen zu gewinnen und weitere Einzahlungen zu provozieren.
Schließlich ist die einzige Kontaktmöglichkeit eine E-Mail-Adresse. Keine Telefonnummer, kein Live-Chat und keine physische Adresse im Handelsregister. Alle diese Faktoren zusammengenommen zeigen ein starkes Bild von einer nicht regulierten und höchst riskanten Plattform.

Angegebene Adresse von Iqscheme

Die Plattform nennt VIA TORINO 100, PIANELLO VAL TIDONE, PIACENZA, ITALY als Sitz. Im Handelsregister ist jedoch keine Eintragung mit dieser Adresse verzeichnet, und es fehlen jegliche Aufsichtsbehörde-Angaben. Zudem ist die einzige Kontaktadresse nur eine E-Mail: SUPPORT@IQSCHEME.NET.

Am angeblichen Standort in Italien steht in Wirklichkeit eine öffentliche Einrichtung (social_facility) ("Hospice di Borgonovo"). Für die Tätigkeit als Online-Broker ist diese Lokation offensichtlich ungeeignet.

Auffällig ist insbesondere ein deutlicher Bruch in der Infrastruktur. Der Server steht in den USA, die behauptete Firmenadresse aber in Italien. Wer Adresse, Server und Vorwahl bewusst auseinanderzieht, will Strafverfolgung erschweren. Genau dieses Muster prägt die Mehrzahl der von uns dokumentierten Betrugsfälle.

Adresse
Italien
Server-Standort
USA
Hosting-Land
USA

Wie der Betrug bei mail.iqscheme.net abläuft

1. Der erste Kontakt und das Lockangebot

Die meisten Opfer werden zunächst über soziale Medien wie Facebook, Instagram oder TikTok kontaktiert. Dort werden vermeintliche „Investmentberater“ vorgestellt, die angeblich aus dem Finanzsektor stammen. Oft wird ein kurzer Live-Video-Call angeboten, bei dem der „Berater“ erklärt, wie man innerhalb kurzer Zeit hohe Renditen erzielen kann.
In den ersten Interaktionen wird ein sehr niedriges Minimum von 30 € gefordert. Dieser Betrag ist bewusst gewählt, um die Hemmschwelle zu senken. Sobald das Geld eingezahlt ist, wird dem Nutzer das Gefühl vermittelt, bereits ein Teil eines exklusiven Netzwerks zu sein.
Die Plattform nutzt dabei mehrere Sprachen: über 70 Sprachen werden angeboten, was ein internationales Publikum ansprechen soll. Die Sprache ist dabei immer freundlich, aber die Inhalte sind stark emotional aufgeladen, um das Vertrauen zu stärken.

2. Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung wird der Nutzer in die Plattformoberfläche weitergeleitet, die fiktive Gewinne anzeigt. Ein Dashboard zeigt beispielsweise, dass 30 € in zwei Wochen auf 200 € anwachsen. Diese Zahlen entstehen durch eine Software, die nur zufällige Daten generiert. Es gibt keine echte Verbindung zu einer Börse oder einem regulierten Broker.
Der Nutzer sieht ein „Portfolio“, das stetig wächst, und erhält automatisierte Benachrichtigungen über „Gewinnprognosen“. Diese Prognosen enthalten keine historischen Daten, sondern sind reine Simulationen. Das Ziel ist es, den Nutzer davon zu überzeugen, dass die Plattform funktioniert, obwohl sie tatsächlich keine echten Transaktionen durchführt.

3. Drängen zu weiteren Einzahlungen

Ein persönlicher „Account-Manager“ wird dem Nutzer zugeteilt. Durch regelmäßige E-Mails und Chat-Nachrichten wird das Vertrauen vertieft. Es werden „VIP-Konten“ mit Hebel-Boni von 1:500, garantierten Profiten und exklusiven IPO-Zugängen versprochen.
Der Manager betont, dass diese Angebote nur für „einige Tage“ verfügbar sind, obwohl die Plattform keine reale Zeitbeschränkung hat. Die Nutzer sehen sich mit künstlichen Dringlichkeitsfaktoren konfrontiert.
Typische Einzahlungsbeträge steigen von 30 € auf 500 € und dann auf 5.000 € oder mehr. In einigen Fällen haben Nutzer sogar 50.000 € investiert, ohne dass irgendeine echte Handelsposition eröffnet wurde. Diese Phase dient dazu, den Nutzer mit „Gewinnen“ zu locken und gleichzeitig größere Beträge zu erpressen.

4. Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Sobald der Nutzer seine Gewinne auszahlen möchte, tauchen plötzlich mehrere Gebühren auf.

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung
    Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.
    Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich zu seinem ursprünglichen Investment noch dieses zusätzliche Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

5. Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten melden sich häufig Dritte: angebliche Anwälte, Behörden-Mitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“. Sie behaupten, das Geld zurückzuholen, verlangen aber Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“.
Diese Nachfolge-Scams nutzen den emotionalen Stress der Opfer aus. Sie versprechen, das Geld zurückzuholen, aber die Forderungen sind erneut fiktiv. In der Regel sind die Täter dieselben, die die ursprüngliche Plattform betrieben haben. Sie verkaufen die Kontodaten an Dritte und verschleiern sich hinter einem neuen Namen.
Eine echte Anwaltskanzlei oder staatliche Behörde wird niemals per WhatsApp oder Telegram unaufgefordert Kontakt aufnehmen. Solche Nachrichten sind ein klarer Indikator für eine weitere betrügerische Phase.

Das Netzwerk hinter mail.iqscheme.net

Iqscheme operiert in einem Netzwerk von 15 Plattformen, die dieselbe Infrastruktur nutzen. Diese Plattformen teilen sich Server, Domain-Templates und Marketing-Materialien. Sie tauschen sich regelmäßig über neue Taktiken aus und rebrandieren sich, sobald ein Partner auffliegt.
Die Wiederverwendung von Code und Marketingbotschaften deutet stark auf ein zentralisiertes betrügerisches Netzwerk hin. Opfer, die eine Plattform verlassen, finden häufig ähnliche Angebote auf einer anderen Seite mit leicht verändertem Namen. Das Netzwerk nutzt diese Wiederverwendbarkeit aus, um die Ermittlungen zu erschweren und das Vertrauen der Nutzer zu maximieren.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Jede weitere Einzahlung verschärft die Situation und gibt den Betrügern mehr Mittel.
  2. Alle Belege sichern: Screenshot der ersten Einzahlung, E-Mail-Korrespondenz, Kontoauszüge und Transaktionsdetails. Diese sind wichtig für Ermittlungen.
  3. Bank bzw. Krypto-Börse informieren: Melden Sie die verdächtigen Transaktionen bei Ihrem Bankkonto oder der Krypto-Börse, um mögliche Rückbuchungen zu prüfen.
  4. Strafanzeige erstatten: Kontaktieren Sie die örtliche Polizeidienststelle oder das Finanzamt, um eine Anzeige wegen Anlagebetrugs zu erstatten. Die Ermittlungen können dabei helfen, weitere Opfer zu schützen.
  5. Recovery-Scam-Versuche ignorieren: Verdächtige Kontaktpersonen, die angeblich das Geld zurückholen wollen, sind meist Teil des Betrugsnetzwerks. Geben Sie keine Daten oder Geld an.
  6. Kontaktieren Sie einen Anwalt: Ein Fachanwalt für Strafrecht kann Ihnen bei der rechtlichen Abwicklung und möglichen Schadensersatzansprüchen helfen.
  7. Informieren Sie sich über das Netzwerk: Prüfen Sie die 15 verbundenen Plattformen. Oftmals sind diese bereits von Strafverfolgungsbehörden untersucht worden.
  8. Vermeiden Sie weitere Plattformen des Netzwerks: Sobald Sie eine Plattform identifiziert haben, meiden Sie alle anderen, die dieselbe Domain oder ähnliche Namen nutzen.
  9. Bewusstsein verbreiten: Teilen Sie Ihre Erfahrungen in Foren und sozialen Netzwerken. Je mehr Menschen informiert sind, desto weniger werden Opfer. Sie haben jetzt die nötigen Informationen, um sich zu schützen und die nächsten Schritte einzuleiten.
    Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und melden Sie den Betrug frühzeitig.

Das Netzwerk hinter mail.iqscheme.net

Iqscheme ist Teil eines Netzwerks von 15 Plattformen, die dieselben Betreiber und Infrastruktur nutzen. Die Plattformen tauschen sich regelmäßig über Marketingstrategien aus, nutzen gemeinsame Server und teilen sich ähnliche Domain-Strukturen. Diese Wiederverwendung von Code und Marketingmaterial deutet stark auf ein einheitliches betrügerisches Netzwerk hin.

und 9 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei mail.iqscheme.net gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei mail.iqscheme.net
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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