mycityartstock.org: Die Enthüllung einer betrügerischen Investmentplattform

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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mycityartstock.org ist ein klar erkennbares Betrugssystem. Anleger werden über gefälschte Renditeversprechen in die Irre geführt und verlieren ihr gesamtes Kapital.

Screenshot der Webseite Mycityartstock (mycityartstock.org)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite mycityartstock.org

Über Anton Haverkamp

Anton Haverkamp hat fünf Jahre bei der Polizei gedient. In dieser Zeit war er Mitglied einer Spezialeinheit für Finanzermittlungen. Dort verfolgte er Anlagebetrugstaten und war zuständig für die Rückverfolgung von Geldern in der Blockchain. Insgesamt bearbeitete er über 500 Fälle. Seine Expertise liegt im systematischen Aufdecken von betrügerischen Strukturen, in der Analyse von Online-Plattformen und im Nachweis von Unregelmäßigkeiten in digitalen Transaktionen.

Warum mycityartstock.org unseriös ist

Die Plattform gibt keinerlei Lizenzinformationen an. Auf der Website findet sich keine Angabe über eine Aufsichtsbehörde, keine Handelsregisternummer und keine Zertifizierungen. Das Fehlen von Regulierungsnachweisen ist ein klares Warnsignal. Zudem werden unrealistische Renditen von 5 % plus Profit in sieben Tagen versprochen: ein Versprechen, das keine belegbaren Handelsdaten stützt. Die Plattform akzeptiert keine traditionellen Zahlungsmethoden; stattdessen werden Kryptowährungen genutzt, die die Rückverfolgung erschweren. Die Testimonials von Chang Luing, John Mallaway und Gipson Lamarawi sind nicht verifizierbar; die Namen tauchen nicht in öffentlichen Registern oder sozialen Medien auf. Die fehlenden Kontaktdaten (E-Mail, Telefon) verhindern eine direkte Kommunikation. All diese Punkte sind typische Merkmale eines betrügerischen Unternehmens.

Die behauptete Geschäftsadresse

Die Website gibt die Adresse 3 Barrett Street London, Manchester, United Kingdom, M11AD an. Im Handelsregister ist der Name mycityartstock nicht unter dieser Adresse verzeichnet. Es gibt keine Einträge über ein Unternehmen mit dieser Anschrift in den offiziellen Unternehmensregistern. Die Angabe scheint nur ein Marketing-Tool zu sein, um Legitimität zu simulieren.

An der angegebenen Adresse im Vereinigten Königreich befindet sich ein gastronomischer Betrieb ("Carluccio's"). Eine eigenständige Geschäftstätigkeit eines Online-Brokers an diesem Standort ist nicht plausibel.

Auffällig ist insbesondere ein deutlicher Bruch in der Infrastruktur. Der Server steht in Südafrika, die behauptete Firmenadresse aber im Vereinigten Königreich. Wer Adresse, Server und Vorwahl bewusst auseinanderzieht, will Strafverfolgung erschweren. Genau dieses Muster prägt die Mehrzahl der von uns dokumentierten Betrugsfälle.

Adresse
Vereinigtes Königreich
Server-Standort
Südafrika
Hosting-Land
Südafrika

Wie der Betrug bei mycityartstock.org abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Potenzielle Anleger werden meist über Social-Media-Werbung angesprochen. Die Anzeigen nutzen gefälschte Promi-Testimonials und betonen schnelle Gewinne. Oft beginnt die Kontaktaufnahme mit einer kostenlosen Demo oder einem „kostenlosen Beratungsgespräch“. Der erste Einzahlungssatz wird bewusst niedrig gehalten: typischerweise 100 €. Der Zweck ist, die Hemmschwelle zu senken und das Vertrauen in die Plattform zu stärken. Die Plattform nutzt personalisierte Nachrichten, um den Eindruck eines echten Anlageberaters zu erwecken.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigt die Plattform sofort hohe Gewinne an. Die Benutzeroberfläche von mycityartstock.org generiert fiktive Kontobewegungen, die einen Gewinn von 5 % in weniger als einer Woche anzeigen. Es gibt keine echte Handelsausführung, keine Verbindung zu regulierten Börsen und keine Bestätigung von Transaktionen. Die Gewinnzahlen sind lediglich Software-Outputs. Das Ziel ist es, den Anleger zu täuschen und ihn glauben zu lassen, er habe bereits profitiert.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Sobald Vertrauen aufgebaut ist, wird der Anleger aufgefordert, größere Beträge einzuzahlen. Ein „Account-Manager“: meist ein Skript oder ein anonymes Profil: bietet angeblich exklusive Boni wie Hebel 1:500, garantierte Profite und Zugang zu IPOs an. Zeitlich begrenzte Angebote („nur heute“) werden eingesetzt, um den Anleger zu einer schnellen Entscheidung zu bewegen. Die Plattform nutzt Social Proof, indem sie gefälschte Erfolgsgeschichten anderer angeblicher Kunden zeigt. In dieser Phase zahlen die Opfer oft zwischen 5.000 und 50.000 €.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger seine Gewinne auszahlen will, erscheinen plötzlich Gebühren. Typische Fake-Gebühren:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzliches Geld und es kommt trotzdem keine Auszahlung.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach ersten Verlusten treten angebliche „Rechtsberater“ oder „Krypto-Forensiker“ auf. Sie behaupten, das Geld zurückzuholen und verlangen Vorauszahlungen für „Rechtsberatung“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. In der Regel handelt es sich um dieselben Täter, die die Daten der Opfer weiterverkaufen. Echte Anwälte oder Behörden kontaktieren Sie niemals über WhatsApp oder Telegram unaufgefordert. Jede Vorauszahlung in dieser Phase ist ein weiterer Schritt zur Vollständigen Ausnutzung des Opfers.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten. Jeder weitere Transfer verschafft dem Betrüger zusätzliche Mittel.
  2. Beweise sichern. Sichern Sie sämtliche E-Mails, Chatverläufe, Screenshots und Kontobewegungen. Diese Dokumente sind entscheidend für spätere Ermittlungen.
  3. Bank oder Krypto-Börse informieren. Melden Sie die verdächtigen Transaktionen sofort Ihrem Finanzinstitut. Fordern Sie eine Sperrung Ihres Kontos an, damit weitere Verluste verhindert werden.
  4. Polizeiliche Anzeige erstatten. Kontaktieren Sie Ihre örtliche Polizeidienststelle oder die zentrale Ermittlungsbehörde für Wirtschaftskriminalität. Übergeben Sie die gesammelten Beweise und schildern Sie den Ablauf.
  5. Online-Plattformen melden. Informieren Sie Plattformbetreiber wie Facebook, Instagram und Telegram über die betrügerischen Aktivitäten. Viele Unternehmen haben Meldesysteme, um solche Inhalte zu entfernen.

Kontaktieren Sie die Polizei

Wenn Sie Opfer eines Betrugs geworden sind, wenden Sie sich umgehend an Ihre örtliche Polizeidienststelle oder an die zentrale Ermittlungsbehörde für Wirtschaftskriminalität. Dort können Sie eine Anzeige erstatten und Ihre Unterlagen einreichen. Die Ermittler werden den Fall aufnehmen und prüfen, ob weitere Personen oder Plattformen in das Netzwerk involviert sind.

Fazit

mycityartstock.org ist ein klarer Betrug. Die fehlenden Lizenzen, unrealistischen Renditeversprechen, die Nutzung von Kryptowährungen und die fehlenden Kontaktdaten sind eindeutige Indikatoren. Die typische Vorgehensweise: Lockangebot, vorgetäuschte Gewinne, Druck auf weitere Einzahlungen, gefälschte Auszahlungsgebühren und anschließende Recovery-Scams: lässt keine Zweifel. Bleiben Sie wachsam, sichern Sie Ihre Beweise und melden Sie Verdachtsfälle sofort.

Das Netzwerk hinter mycityartstock.org

mycityartstock.org ist Teil eines Netzwerks von 84 weiteren Plattformen. Diese Plattformen teilen sich häufig dieselben Betreiber, Serverinfrastruktur und Markenidentität. Nach Auffliegen einer Plattform werden oft Rebranding-Operationen durchgeführt, um die Spur zu verwischen.

und 78 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei mycityartstock.org gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei mycityartstock.org
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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