Warnung vor Venorina (venorina.org): Erfahrungen zur Auszahlung und rechtliche Analyse

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·6 Min. Lesezeit·
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Venorina (venorina.org) ist ein betrügerisches Investitionsportal, das Anleger mit unrealistischen Versprechen lockt und anschließend ihr Geld zurückhält. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) warnt seit dem 10. Oktober 2025 ausdrücklich vor Venorina unter dem Titel „BaFin warnt vor Plattformreihe – „Das Warten hat ein Ende [Name der Plattform] IST OFFIZIELL STARTBEREIT!““. Die vollständige BaFin-Warnung zu Venorina steht auf der offiziellen Seite der BaFin zur Verfügung.

Screenshot der Webseite Venorina (venorina.org)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite venorina.org

Warum venorina.org unseriös ist

Venorina präsentiert sich als moderne Investitionsplattform, die Kryptowährungen, Devisen, Rohstoffe und Indizes anbietet. Auf der Website fehlen jedoch sämtliche rechtlichen Kennzeichen: keine Handelsregisternummer, kein Hinweis auf eine Aufsichtsbehörde und keine Lizenznummer. Das Fehlen dieser Angaben ist ein starkes Warnsignal, denn seriöse Broker müssen in Deutschland bei der BaFin registriert sein und ihre Lizenznummer offenlegen.

Ein weiteres Problem ist die Telefonangabe: lediglich die Ländervorwahl +49 ohne weitere Kontaktdaten wird bereitgestellt. Ohne eine nachvollziehbare Telefonnummer oder eine physische Adresse kann keine verbindliche Kommunikation hergestellt werden, was die Rückverfolgbarkeit stark erschwert.

Die Marketingstrategie von Venorina ist auf emotionale Dringlichkeit und vermeintliche Celebrity-Endorsements ausgelegt. Die Plattform nutzt Testimonials von Personen wie Lukas Schneider, Maximilian Fischer, Anna Becker und Sophie Wagner, deren Identität jedoch nicht verifiziert werden kann. Diese Namen tauchen auf der Website als Erfolgsgeschichten auf, ohne dass unabhängige Quellen ihre Aussagen bestätigen.

Die fehlende Transparenz bei Zahlungsmodalitäten ist ein weiteres Indiz. Obwohl die Plattform Kryptowährungen akzeptiert, werden die genauen Zahlungsmethoden nicht angegeben. Gleichzeitig gibt es keine Hinweise auf die Herkunft der Gelder. In Kombination mit dem Fehlen von Sicherheitszertifikaten und fehlenden Audit-Reports lässt sich die Legitimität von Venorina stark in Frage stellen.

Zusammenfassend zeigt die Analyse eine Reihe von Inkonsistenzen: fehlende rechtliche Kennzeichen, unklare Kontaktdaten, unsichere Zahlungswege und gefälschte Testimonials. Diese Punkte deuten eindeutig auf eine unseriöse Plattform hin.

Wie der Betrug bei venorina.org abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt + Lockangebot

Der erste Kontakt mit Venorina erfolgt üblicherweise über gezielte Werbung in sozialen Medien. Werbeanzeigen auf Instagram und Facebook zeigen angeblich erfolgreiche Anleger, die von „professionellen“ Anlageberatern betreut werden. Oft werden gefälschte Video-Testimonials genutzt, in denen Personen wie Lukas Schneider oder Maximilian Fischer von hohen Renditen berichten.

In vielen Fällen erhalten Interessenten auch E-Mails, die angeblich von einem persönlichen Berater stammen. Diese E-Mails enthalten einen Link zur Registrierungsseite, der ein leichtes Anmeldeformular mit minimalen Angaben verlangt. Der erste Einzahlungsbetrag liegt in der Regel bei 100 €: genug, um die Hemmschwelle zu senken, aber nicht hoch genug, um sofortiges Misstrauen zu wecken.

Die Plattform nutzt psychologische Prinzipien, um Vertrauen aufzubauen: sofortige Bestätigung des Kontos, schnelle Auszahlungsanträge und die Darstellung von „schnellen Erfolgen“ sollen den Eindruck eines zuverlässigen Anbieters erwecken.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung wird dem Nutzer in der Dashboard-Ansicht ein sofortiger Gewinn angezeigt. Typischerweise wird aus 100 € ein Gewinn von 350 € innerhalb weniger Tage gezeigt. Diese Zahlen stammen jedoch aus einer intern generierten Datenbank, die keine Verbindung zu realen Börsen oder Handelsplattformen hat.

Die angeblichen Trades werden in der Regel in der internen Software simuliert und zeigen fiktive Kursbewegungen. Es gibt keine Bestätigung von Handelsbüchern oder Transaktionsnachweisen. Der Nutzer kann die angeblichen Gewinne nicht mit einer externen Börse vergleichen, da die Plattform keine API-Verbindungen zu registrierten Brokern nutzt.

Dieses Vorgehen dient dazu, Vertrauen zu schaffen und den Eindruck zu erwecken, dass die Plattform tatsächlich profitabel ist. Sobald der Nutzer das Gefühl hat, dass seine Investition wächst, wird er eher bereit, mehr Geld einzuzahlen.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Nach mehreren Wochen des „Gewinns“ wird ein persönlicher Account-Manager kontaktiert. Dieser bietet exklusive Vorteile an: höhere Hebel, garantierte Renditen und Zugang zu angeblich privilegierten Märkten. Oft werden Begriffe wie „VIP-Konto“ oder „Premium-Service“ verwendet, um den Nutzer zu beeindrucken.

Die Plattform nutzt häufig zeitlich begrenzte Angebote, um Druck aufzubauen. Phrasen wie „Nur heute verfügbar“ oder „Exklusiver Bonus bis 23:59 Uhr“ erzeugen künstliche Verknappung. Zudem werden gefälschte Erfolgsgeschichten von anderen Kunden gezeigt, um Social Proof zu erzeugen.

In dieser Phase kann der Nutzer zwischen 5 000 € und 50 000 € einzahlen. In einigen Fällen berichten Betroffene, dass sie mehr als 500 000 € verloren haben, weil sie sich von den vermeintlichen Gewinnversprechen verlocken ließen.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger nun sein Geld oder die angeblichen Gewinne auszahlen möchte, wird plötzlich eine Reihe von Gebühren eingeführt.

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt.

Diese Gebührenphase ist der Kern des Betrugs. Sobald die Gebühren fällig werden, verliert der Anleger nicht nur die geforderten Beträge, sondern die Plattform verweigert auch die Auszahlung des ursprünglichen Kapitals.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten treten häufig Dritte auf den Plan: angebliche Anwälte, Behördenmitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“, die versprechen, das Geld zurückzugewinnen. Diese Personen fordern Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“.

In der Regel handelt es sich hierbei um weitere Phasen des gleichen Betrugsnetzwerks. Die Täter nutzen das Vertrauen, das durch die ersten Phasen aufgebaut wurde, um zusätzliche Beträge zu erlangen. Echte Anwälte und Behörden werden niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram kontaktiert und fordern keine Vorauszahlungen.

Das Netzwerk hinter venorina.org

Venorina ist Teil eines Netzwerks von 66 weiteren Plattformen. Diese Verbindungen deuten stark auf eine gemeinsame Eigentümerstruktur hin, bei der dieselben Hintermänner die verschiedenen Marken betreiben. Oft werden die Plattformen regelmäßig umbenannt, nachdem sie von Aufsehern oder Medien aufgedeckt wurden.

Ein gemeinsames Merkmal dieser Netzwerke ist die geteilte Infrastruktur: gemeinsame Server, ähnliches Web-Design und oft dieselben Zahlungs­verarbeiter. Die Betreiber nutzen diese gemeinsamen Ressourcen, um ihre Betrugsmasche effizienter zu gestalten und die Kosten zu senken.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofortige Zahlung stoppen: Geben Sie keine weiteren Beträge auf Venorina ein. Jede weitere Einzahlung verschärft die Gefahr, dass Sie mehr Geld verlieren.
  2. Beweissicherung: Speichern Sie alle E-Mails, Screenshots und Kontoauszüge. Diese Dokumente sind wichtig, wenn Sie später Strafanzeige erstatten oder rechtliche Schritte einleiten wollen.
  3. Bank und Krypto-Börsen informieren: Kontaktieren Sie Ihre Bank und eventuelle Krypto-Börsen, von denen Sie Gelder transferiert haben. Bitten Sie um Rückhalt und prüfen Sie, ob Ihre Konten kompromittiert wurden.
  4. Strafanzeige erstatten: Melden Sie den Vorfall bei der örtlichen Polizeidienststelle oder bei der Staatsanwaltschaft. Nutzen Sie die gesicherten Beweise, um den Fall zu untermauern.
  5. Recovery-Scam-Versuche ignorieren: Seien Sie vorsichtig bei Personen, die angeblich Ihr Geld zurückgewinnen wollen. Legen Sie keine Vorauszahlungen an und teilen Sie keine persönlichen Daten.

Fazit

Venorina (venorina.org) ist ein klassischer Fall von Online-Betrug, der durch fehlende Transparenz, gefälschte Testimonials und manipulierte Gewinne überzeugt. Die Betrugsmasche folgt einem klaren, fünfstufigen Ablauf, bei dem der Nutzer zunächst durch Lockangebote und gefälschte Gewinne manipuliert wird, um anschließend in die Gebühren- und Recovery-Scam-Falle zu tappen.

Wenn Sie bereits Opfer von Venorina geworden sind, handeln Sie rasch: stoppen Sie weitere Zahlungen, sichern Sie Ihre Beweise und melden Sie den Vorfall. Nur so können Sie die Chancen erhöhen, Ihre Verluste einzukreisen und möglicherweise ein Teil des Geldes zurückzubekommen.

Das Netzwerk hinter venorina.org

Venorina ist Teil eines Netzwerks von 66 weiteren Plattformen, was auf eine gemeinsame Eigentümerstruktur oder geteilte Infrastruktur hindeutet.

und 60 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei venorina.org gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei venorina.org
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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