Ist deepearn Analysis (deepearn.live) ein Betrug?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·5 Min. Lesezeit·
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Deepearn Analysis stellt sich als professioneller Trading- und Krypto-Anbieter dar: in Wirklichkeit handelt es sich um ein gut getarntes Betrugsnetzwerk, das Anleger systematisch ausbeutet.

Screenshot der Webseite Deepearn (deepearn.live)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite deepearn.live

Warum deepearn.live unseriös ist

Die ersten Anzeichen für die unseriöse Natur von deepearn.live lassen sich bereits im ersten Blick erkennen. Der Unternehmensname „deepearn Analysis“ wird auf der Website als Trading-Plattform präsentiert, doch es fehlen sämtliche gesetzliche Kennzeichen. In den öffentlich zugänglichen Registern gibt es keine Registrierungs­nummer, keine Angabe einer Aufsichts­behörde und keine Lizenznummer. Das ist ein klarer Indikator dafür, dass die Firma nicht reguliert ist.

Weiterhin bietet deepearn.live eine Reihe von Dienstleistungen an: Forex-Trading, Krypto-Investment, Aktien- und Rohstoffhandel: ohne dabei einen Nachweis der Fachkenntnisse oder der finanziellen Stabilität zu erbringen. Die Mindest­einzahlung von 1 000 € wird von der Plattform als „Startkapital“ beworben, während die Versprechen von 3 500 € bis 5 000 € in kurzer Zeit unrealistische Renditen darstellen. Ohne die Möglichkeit, echte Handelsaufträge an regulierte Börsen zu platzieren, kann ein solcher Gewinn nicht realisiert werden. Die Plattform nutzt Bitcoin als Zahlungsmittel, was die Rückverfolgbarkeit zusätzlich erschwert und den Betrug verschleiert.

Ein weiteres Warnsignal ist das Fehlen von Kundensupport-Telefonnummern. Kontakt erfolgt ausschließlich per E-Mail (info@deepearn.live), was den direkten Dialog mit den Betreibern verhindert. Die fehlenden Lizenzdaten, die unrealistischen Renditeversprechen und die Einbindung von Bitcoin als Zahlungsmittel bilden ein starkes Bild eines betrügerischen Vorhabens.

Angegebene Adresse von deepearn Analysis

Die Plattform nennt als Sitz „113 Waddon Park Avenue, Croydon, England, CR0 4LX“. In öffentlichen Handelsregistern ist diese Adresse jedoch nicht verzeichnet, und es existiert keine Lizenznummer oder Aufsichtsbehörde, die die Geschäftstätigkeit bestätigt. Der Adressangaben zufolge scheint die Firma lediglich ein Pseudonym zu sein, das in keiner Weise mit einer regulierten Handelsorganisation in Verbindung steht.

Wer die genannte Adresse im Vereinigten Königreich aufsucht, findet dort ein Straßenpunkt ohne adressiertes Gebäude ("Waddon Park Avenue"), was mit einer professionellen Finanzdienstleistung schlicht nicht vereinbar ist.

Bei genauerer Prüfung treten zwei Inkonsistenzen zutage. Der Server steht in Luxemburg, die behauptete Firmenadresse aber im Vereinigten Königreich. Der Hosting-Anbieter ist in den USA registriert, der behauptete Sitz liegt dagegen im Vereinigten Königreich. Solche Diskrepanzen sind ein typisches Merkmal betrügerischer Plattformen, die hinter ausländischer Hosting-Infrastruktur eine seriöse Adresse vortäuschen.

Adresse
Vereinigtes Königreich
Server-Standort
Luxemburg
Hosting-Land
USA

Wie der Betrug bei deepearn.live abläuft

Erster Kontakt & Lockangebot

Der erste Kontakt mit potenziellen Opfern erfolgt meist über Social-Media-Kampagnen, die scheinbar von „Investment-Experten“ stammen. Auf Plattformen wie Instagram, Facebook oder TikTok werden gefälschte Testimonials von Personen wie „Sara“, „Daniel Gotthartsleitner“, „Christian Mulder“ und „Lukas Smie“ verwendet. Diese Namen erscheinen in kurzen Videos, in denen angeblich hohe Gewinne erzielt wurden. Die Videos sind oft leicht manipuliert und zeigen keine echten Handelsdaten, sondern lediglich erstellte Grafiken.

Der Aufruf zur Einzahlung ist bewusst niedrig gehalten: ein Startkapital von 1 000 € erscheint für die meisten Anleger als akzeptabler Betrag, um das Vertrauen zu gewinnen. Gleichzeitig wird ein Gefühl der Dringlichkeit vermittelt, indem die Plattform verspricht, dass die Einlage nur für einen begrenzten Zeitraum gültig ist. Diese Taktiken zielen darauf ab, die psychologische Hemmschwelle zu senken und die Opfer dazu zu bringen, schnell zu handeln.

Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung öffnet deepearn.live dem Anleger ein Dashboard, das sofort hohe Gewinne anzeigt: zum Beispiel „Aus 1 000 € werden in zwei Wochen 3 500 €“. Diese Zahlen entstehen nicht durch echte Trades, sondern sind einfach in der Software generierte Werte, die die Plattform selbst manipuliert. Es gibt keine Verbindung zu einer regulierten Börse, keine Aufzeichnung echter Order-Exekutionen und keine Nachweise über den Handel. Die dargestellten Gewinne beruhen lediglich auf Algorithmen, die zufällige Zahlen erzeugen, um das Vertrauen zu stärken.

Die Plattform zeigt dem Anleger eine Historie von „Gewinnen“ und „Erfolgen“ an, die jedoch ausschließlich aus generierten Daten bestehen. Der Anlegende, der sich an die angezeigten Renditen klammert, hat keine Möglichkeit, die Echtheit der Zahlen zu prüfen, da die Plattform keine Transparenz über die zugrundeliegende Handelspipeline bietet.

Drängen zu weiteren Einzahlungen

Wenn der Anleger die ersten Gewinne akzeptiert, wird ihm ein „VIP-Account“ angeboten. Dieser verspricht höhere Hebel (bis zu 1:500), exklusive Zugang zu IPOs und „Insider-Tipps“. Der Betreiber setzt gezielt Zeitlimits und behauptet, die Vorteile seien nur für kurze Zeit verfügbar. Gleichzeitig werden gefälschte Erfolgsgeschichten von angeblichen Kunden geteilt, die angeblich große Beträge mit Hilfe von deepearn.live vermehrt haben.

Diese Techniken dienen dazu, das Vertrauen weiter zu festigen und den Anleger zu ermutigen, zusätzliche Beträge einzuzahlen. Oftmals werden hier Beträge zwischen 5 000 € und 50 000 € verlangt, manche Opfer geben sogar mehr als 500 000 € ab, da sie glauben, dass ihre Investition exponentiell wachsen wird.

Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Wenn der Anleger nun sein Geld auszahlen möchte, tauchen plötzlich Gebühren auf. Typische Fake-Gebühren, die deepearn.live verlangt, sind:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, niemals umgekehrt. Wenn Sie in dieser Phase eine dieser Gebühren zahlen, verlieren Sie zusätzlich zu Ihrem bereits verlorenen Kapital das Geld, das Sie in die Plattform investiert haben: und es erfolgt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten tauchen häufig weitere „Helfer“ auf. Anwalts- oder Behörden-Mitarbeiter, Krypto-Forensiker und vermeintliche „Polizeibeamte“ melden sich per WhatsApp oder Telegram und versprechen, das Geld zurückzuholen. Sie fordern Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Hinter diesen Forderungen stehen dieselben Täter, die die ursprüngliche Plattform betrieben haben. Die Opfer geben weitere Beträge frei, um ihre angeblich verlorenen Mittel wiederzuerlangen, was letztlich zu noch mehr Verlusten führt.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten
    Sobald Sie erkennen, dass Ihre Einzahlungen nicht ausgezahlt werden, stellen Sie alle Transaktionen ein. Jede weitere Zahlung erhöht die Chance, komplett zu verlieren.

  2. Beweise sichern
    Speichern Sie sämtliche E-Mails, Chats, Screenshots der Plattform, Konto-Statements und Überweisungsbestätigungen. Diese Dokumente sind entscheidend für spätere Ermittlungen und für mögliche Strafanzeigen.

  3. Bank und Krypto-Börsen informieren
    Melden Sie der Bank oder der Krypto-Börse, die Sie für die Einzahlungen genutzt haben, dass Sie Opfer eines Betrugs geworden sind. Bitten Sie um Sperrung aller Konten, die mit der Plattform verbunden sind, und fordern Sie eine Rückverfolgung der Gelder.

  4. Strafanzeige erstatten
    Kontaktieren Sie das nächste Polizeidienststelle oder das Bundeskriminalamt, um eine Strafanzeige gegen deepearn.live zu erstatten. Legen Sie alle gesicherten Beweise vor. Ihre Anzeige wird zur Spurensicherung und eventuell zur Strafverfolgung verwendet.

  5. Recovery-Scam-Versuche ignorieren
    Seien Sie vorsichtig bei „Anwälten“ oder „Polizeibeamten“, die sich unaufgefordert melden. Seriöse Rechtsanwälte kontaktieren Sie nicht per WhatsApp. Vermeiden Sie jegliche Vorauszahlungen für angebliche „Rückgewinnungsdienste“, da dies nur weitere Verluste verursacht.

  6. Informieren Sie Ihre Bekannten
    Teilen Sie Ihre Erfahrung mit Freunden, Familie und in Foren, um andere vor der Plattform zu warnen. So können Sie verhindern, dass weitere Personen in die Masche geraten.

Zusammenfassung

Deepearn.live präsentiert sich als seriöse Handelsplattform, doch die fehlenden Lizenzdaten, die unrealistischen Renditeversprechen und die fehlende Transparenz deuten eindeutig auf einen Betrug hin. Durch gezielte Lockangebote, gefälschte Gewinne und die Erhebung von Fake-Gebühren manipuliert die Plattform ihre Opfer in jeder Phase. Wenn Sie Opfer geworden sind, handeln Sie schnell, sichern Sie Ihre Beweise und melden Sie sich bei den zuständigen Behörden. Nur so können Sie Ihre Rechte wahren und verhindern, dass weitere Anleger in die Masche geraten.

Das Netzwerk hinter deepearn.live

Deepearn.live ist Teil eines Netzwerks von 59 weiteren Plattformen, die ähnliche Angebote und Marketing-Taktiken teilen. Diese Plattformen nutzen oft dieselbe Infrastruktur, teilen sich Domain-Endungen und tauschen sich in sozialen Medien aus. Das Muster weist stark auf ein organisiertes Betrugssystem hin, bei dem die Betreiber hinter jedem neuen Marktplatz die gleichen Hintermänner verbergen.

und 53 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei deepearn.live gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei deepearn.live
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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