Ermittlungen gegen sicurotrade.org

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·6 Min. Lesezeit·
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Die Warnungen vor sicurotrade.org häufen sich. Sicurotrade operiert offenbar aus dem Ausland und entzieht sich jeder Regulierung. Geschädigte haben kaum Chancen, ihr Geld auf normalem Weg zurückzuerhalten.

Screenshot der Webseite Sicurotrade (sicurotrade.org)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite sicurotrade.org

Warum sicurotrade.org unseriös ist

Sicuro Trade präsentiert sich als „Investment-Plattform“, die eine Vielzahl von Anlageklassen wie Forex, Kryptowährungen, Immobilien, Pensionsfonds, Gold und Aktien anbietet. Trotz dieser Breite fehlt es an jeder verlässlichen regulatorischen Kennzeichnung. Das Unternehmen nennt sich selbst als reguliert durch die FCA und die UK Securities and Investments Authority, listet jedoch weder eine gültige Lizenznummer noch einen Verweis auf die entsprechenden Aufsichtsbehörden auf. Dies ist ein entscheidendes Inkonsistenzmerkmal, denn jede seriöse Plattform in Großbritannien muss diese Angaben öffentlich zugänglich machen.

Weiterhin gibt es keine Handelsregisternummer oder ein offizielles Gründungsjahr. Solche Daten sind bei allen regulierten Anbietern obligatorisch, weil sie die rechtliche Existenz und die Haftungsfähigkeit des Unternehmens belegen. Die fehlenden Informationen deuten darauf hin, dass Sicuro Trade möglicherweise nicht im Handelsregister eingetragen ist, was die Transparenz stark einschränkt.

Ein weiteres Warnsignal ist die angebliche Nutzung von „Kryptowährungen“ als Zahlungsmittel, obwohl die Marketing-Daten keine expliziten Zahlungsmethoden auflisten. Gleichzeitig verspricht die Plattform unrealistische Renditen, obwohl keine Quellenangabe oder nachvollziehbare Basis dafür vorliegt. Diese Kombination aus fehlenden Lizenzinformationen, fehlenden Unternehmensdaten und übertriebenen Renditeversprechen ist ein klassisches Kennzeichen für betrügerische Online-Broker.

Schließlich sind auf der Website mehrere Testimonials von Personen wie „Ron DiCicco“, „Diane Podmanik“ und „Joe Tantillo“ zu finden. Diese Namen erscheinen jedoch ohne jegliche Verifizierbarkeit. In der Praxis ist es bei betrügerischen Anbietern üblich, fiktive oder manipulierte Namen zu verwenden, um Glaubwürdigkeit zu erwecken. Zusammengefasst weisen diese Punkte darauf hin, dass Sicuro Trade keine seriöse, regulierte Anlageplattform ist und Anleger ein hohes Risiko eingehen, wenn sie ihr Geld dort anlegen.

Angegebene Adresse von Sicurotrade

Auf der Webseite sicurotrade.org wird folgende Adresse angegeben: 45 Abbey Row, Oakenshaw, United Kingdom. Unter dieser Adresse ist das Unternehmen jedoch nicht im Handelsregister eingetragen und auch sonst nicht nachweisbar geschäftlich tätig.

An der angegebenen Adresse im Vereinigten Königreich befindet sich ein Wohngebäude. Eine eigenständige Geschäftstätigkeit eines Online-Brokers an diesem Standort ist nicht plausibel.

Beim genaueren Hinsehen fällt eine Diskrepanz ins Auge. Der Hosting-Anbieter ist in den USA registriert, der behauptete Sitz liegt dagegen im Vereinigten Königreich. Solche Diskrepanzen sind ein typisches Merkmal betrügerischer Plattformen, die hinter ausländischer Hosting-Infrastruktur eine seriöse Adresse vortäuschen.

Adresse
Vereinigtes Königreich
Server-Standort
unbekannt
Hosting-Land
USA

Wie der Betrug bei sicurotrade.org abläuft

Schritt 1: Erster Kontakt und Lockangebot

Der Betrugszyklus beginnt häufig mit gezielten Marketingmaßnahmen, die auf Social-Media-Kanälen wie Facebook, Instagram und TikTok laufen. Dort werden potenzielle Anleger mit attraktiven, scheinbar legitimen Angeboten angesprochen: „Investieren Sie nur 250 Euro und sehen Sie, wie Ihr Geld in wenigen Wochen vervielfacht wird.“ In einigen Fällen nutzen die Angreifer auch professionelle Cold-Calls, bei denen angebliche „Anlageberater“ potenzielle Kunden anrufen und ihnen ein lockendes Einstiegspaket präsentieren. Die ersten Einzahlungen sind bewusst niedrig gehalten, um die psychologische Hemmschwelle zu senken und Vertrauen aufzubauen. Sobald das Konto eröffnet ist, wird dem Nutzer ein Dashboard angezeigt, das eine sofortige Gewinnentwicklung simuliert.

Schritt 2: Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung beginnt die Plattform, dem Nutzer „gewinne“ anzuzeigen. Das Dashboard von Sicuro Trade zeigt angebliche Kursbewegungen, die in wenigen Tagen einen Gewinn von mehreren hundert Prozent suggerieren. Diese Zahlen resultieren jedoch nicht aus echten Markttransaktionen, sondern werden von einer internen Datenbank erzeugt, die das System automatisch aktualisiert. Es gibt keinerlei Verbindung zu einer regulierten Börse, zu einem echten Broker oder zu einem tatsächlichen Handelskonto. Die Gewinne sind lediglich simulierte Zahlen, die der Plattform das Aussehen einer erfolgreichen Handelsplattform verleihen. Das Ziel ist klar: Das Vertrauen des Nutzers zu festigen und ihn davon zu überzeugen, weitere Mittel einzuzahlen.

Schritt 3: Drängen zu weiteren Einzahlungen

Nachdem der Nutzer ein gewisses Maß an Vertrauen aufgebaut hat, wird er zunehmend dazu gedrängt, mehr Geld einzuzahlen. Dies geschieht über persönliche „Account-Manager“, die dem Nutzer ein VIP-Status, Hebelboni von bis zu 1 : 500, garantierte Profite und angebliche exklusive IPO-Zugänge versprechen. Oft werden zeitlich begrenzte Angebote präsentiert („Nur heute verfügbar“) oder künstliche Engpässe hervorgehoben, um das Gefühl von Dringlichkeit zu erzeugen. Der Nutzer wird mit dem Argumentationsmuster „Mehr Geld = höhere Rendite“ überzeugt. In der Praxis zahlt der Betrüger in der Regel zwischen 5 000 und 50 000 Euro, wobei manche Opfer sogar bis zu 500 000 Euro anlegen, weil sie von den gefälschten Erfolgsgeschichten getäuscht wurden.

Schritt 4: Auszahlungswunsch und Gebührenfalle

Wenn der Nutzer nun sein Geld oder die angeblichen Gewinne auszahlen lassen möchte, tauchen plötzlich mehrere Gebühren auf. Typische Fake-Gebühren, die von Sicuro Trade verlangt werden, sind:

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen „Transaktionsrisiko“
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde niemals Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nicht umgekehrt. Die angeblichen Gewinne existieren nicht real. Wer in dieser Phase eine „Gebühr“ zahlt, verliert zusätzlich dieses Geld, und es kommt trotzdem keine Auszahlung. Das ist die letzte Melkphase des Scams.

Schritt 5: Recovery-Scam-Nachfolge

Nach den ersten Verlusten treten häufig Dritte auf den Plan: angebliche Anwälte, Behörden-Mitarbeiter oder „Krypto-Forensiker“, die behaupten, das Geld zurückzuholen. Sie versprechen, die Mittel zu sichern, und verlangen dafür Vorauszahlungen für angebliche „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Diese Personen sind in der Regel dieselben Täter, die die ursprüngliche Plattform betreiben. Sie verkaufen die gesammelten Opferdaten weiter oder nutzen sie für weitere betrügerische Unternehmungen. Echte Anwälte und Behörden melden sich niemals unaufgefordert per WhatsApp oder Telegram.

Das Netzwerk hinter sicurotrade.org

Sicuro Trade agiert nicht als Einzelunternehmen, sondern als Teil eines Netzwerks von 39 Plattformen, die häufig dieselben Server, Domain-Registrar und Marketing-Templates nutzen. Dieses Netzwerk nutzt ein gemeinsames Backend, das es den Betrügern ermöglicht, schnell neue Marken zu erstellen und die Nutzerbasis zu vergrößern, ohne dass die Betreiber von Regulierungsbehörden entdeckt werden. Die Betreiber tauschen sich über ein internes Forum aus und teilen bewährte Praktiken für die Täuschung von Anlegern, was die Effektivität des Scams erhöht. Das bedeutet, dass sobald ein Nutzer bei Sicuro Trade in Schwierigkeiten gerät, die Möglichkeit besteht, dass er auf ähnliche betrügerische Seiten geleitet wird, die dieselben Risiken bergen.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten. Jeder Versuch, zusätzliche Mittel einzuzahlen, erhöht das Risiko von Verlusten. Legen Sie sofort sämtliche Konten in der Plattform ein und verhindern Sie weitere Transaktionen.
  2. Beweise sichern. Speichern Sie alle E-Mails, Chat-Logs, Kontoauszüge und Zahlungsbestätigungen. Diese Dokumente sind entscheidend, um den Fall zu belegen und mögliche Ermittlungen zu unterstützen.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Kreditkartenanbieter. Informieren Sie sie über den Betrug und fordern Sie Rückbuchungen der betroffenen Transaktionen an. Banken haben Prozesse, um bei verdächtigen Zahlungen zu intervenieren.
  4. Erstatten Sie Strafanzeige. Reichen Sie bei Ihrer örtlichen Polizeidienststelle eine Anzeige ein oder wenden Sie sich an die Bundeskriminalamt-Spezialeinheit für Finanzbetrug. Ihre Meldung trägt dazu bei, weitere Opfer zu schützen.
  5. Ignorieren Sie Recovery-Scam-Angebote. Seien Sie misstrauisch gegenüber jeder Person, die Ihnen vorübergehend Hilfe anbietet und gleichzeitig eine Vorauszahlung verlangt. Seriöse Anwälte kontaktieren Sie nicht per WhatsApp, und echte Behörden rufen Sie nicht per Telefon an.

Schlusswort

Sicuro Trade (sicurotrade.org) ist keine regulierte Anlageplattform, sondern ein klarer Betrugsfall, der auf Täuschung, Simulation von Gewinnen und gefälschten Testimonials beruht. Die Betreiber nutzen ein Netzwerk von Plattformen, um ihre Täuschungsmasche zu verstärken. Wenn Sie bereits Konten bei diesem Anbieter haben, handeln Sie umgehend, sichern Sie Ihre Beweise und melden Sie den Betrug. Nur durch konsequentes Vorgehen und die Einbindung der zuständigen Behörden kann das Risiko minimiert und die Chance auf Rückgewinnung erhöht werden.

Verdächtige Verbindungen: Seiten mit Gemeinsamkeiten zu Sicurotrade

Unsere Auswertung zeigt, dass Sicurotrade technische und strukturelle Verbindungen zu weiteren Seiten aufweist. Alle Seiten sind ähnlich aufgebaut und werden offenbar von denselben Verantwortlichen betrieben:

und 33 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei sicurotrade.org gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei sicurotrade.org
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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