Trade Guide Plt (tradeguideplt.org): ist das wirklich ein seriöser Broker?

Veröffentlicht: ·Von Anton Haverkamp·4 Min. Lesezeit·
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Sie haben bereits ein Konto bei Trade Guide Plt eröffnet, doch die ersten Anzeichen deuten stark darauf hin, dass es sich um einen betrügerischen Anbieter handelt.

Screenshot der Webseite Tradeguideplt (tradeguideplt.org)

Achtung

Betrugsverdacht

Screenshot der Webseite tradeguideplt.org

Warum tradeguideplt.org unseriös ist

Die ersten Anzeichen für Unregelmäßigkeiten bei tradeguideplt.org sind eindeutig. Auf der Website fehlt jegliche Angabe einer Handelsregisternummer, die von Aufsichtsbehörden verlangt wird. Ebenso wird keine Aufsichtsbehörde genannt, unter deren Aufsicht der Broker operieren soll. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass Trade Guide Plt nicht lizenziert ist. Weiterhin gibt es keinerlei Kontaktmöglichkeiten wie E-Mail-Adresse oder Telefon. Ein Unternehmen, das im Finanzsektor tätig sein will, muss über ein funktionierendes Kundensupportsystem verfügen; das Fehlen solcher Kontaktdaten ist ein weiteres Warnsignal.

Die angebotenen Dienstleistungen: Forex-Trading, Krypto-Investment und CFD-Trading: werden von vielen seriösen Brokern mit entsprechenden Zulassungen angeboten. Bei Trade Guide Plt fehlt jedoch jede Transparenz hinsichtlich der Plattforminfrastruktur. Es gibt keine Hinweise auf ein zugelasseneres Broker-Backend, weder auf ein reguläres Handelsprotokoll noch auf eine Verbindung zu einer regulierten Börse. Die Zahlungsoptionen umfassen Bitcoin, Western Union, Skrill und Banküberweisung. Diese Auswahl, besonders die Einbindung von Western Union und Bitcoin, ist typisch für Betrugsplattformen, da sie anonyme und schwer nachverfolgbare Transferwege ermöglichen. Die Mindestdeposition von 500 € ist hoch genug, um potenzielle Opfer zu belasten, während gleichzeitig ein „10 %-Bonus“ angeboten wird, dessen Bedingungen und Berechnung unklar bleiben.

Die fehlende Registrierung und Lizenz, die nicht vorhandene Transparenz bei Kontaktdaten, die Nutzung von anonymen Zahlungswegen und das Fehlen von regulatorischen Nachweisen zusammengenommen lassen keine Zweifel an der Seriosität von tradeguideplt.org.

Wo Trade Guide Plt angeblich sitzt

Auf der Webseite tradeguideplt.org wird folgende Adresse angegeben: 1001 Liberty Ave #2100, Pittsburgh, PA 15222, United State. Unter dieser Adresse ist das Unternehmen jedoch nicht im Handelsregister eingetragen und auch sonst nicht nachweisbar geschäftlich tätig.

Die hinterlegten Geokoordinaten zeigen in den USA auf eine Bushaltestelle ("Liberty Ave + Gateway #4"), was die Behauptung eines seriösen Geschäftssitzes substanziell entkräftet.

Auffällig ist insbesondere ein deutlicher Bruch in der Infrastruktur. Der Hosting-Anbieter ist in Zypern registriert, der behauptete Sitz liegt dagegen in den USA. Diese Konstellation ist klassisch für Operationen, die in einem Land ihren Ruf aufbauen und in einem anderen ihre technischen Spuren verwischen.

Adresse
USA
Server-Standort
USA
Hosting-Land
Zypern

Wie der Betrug bei tradeguideplt.org abläuft

1. Erster Kontakt & Lockangebot

Opfer werden häufig über soziale Medien, insbesondere Instagram und TikTok, angesprochen. Dort werden angeblich „Anlageberater“ mit scheinbar erfolgreichen Portfolios gezeigt. Diese Anzeigen enthalten oft gefälschte Testimonials von Personen wie „Hilton D.“ oder „John S.“ und versprechen schnelle Gewinne. Die erste Einzahlung ist bewusst niedrig gehalten: typischerweise rund 500 €: um die Hemmschwelle zu senken und das Vertrauen zu gewinnen. Sobald die Zahlung erfolgt, erhalten die Nutzer Zugang zu einer Dashboard-ähnlichen Oberfläche, die an echte Handelsplattformen erinnert.

2. Vorgetäuschte Gewinne

Nach der ersten Einzahlung zeigen die Benutzer ein Dashboard, das sofort hohe Gewinnzahlen anzeigt. Das System simuliert Trades, die in wenigen Tagen über mehrere hundert Prozent steigen. Diese Zahlen sind jedoch rein visuell generiert, es gibt keine echten Aufträge bei einer regulierten Börse. Die Plattform nutzt dabei ein internes Software-System, das fiktive Gewinne erzeugt, um das Vertrauen der Anleger zu festigen. Es gibt keinerlei Nachweise für echte Marktbewegungen oder Handelsprotokolle.

3. Drängen zu weiteren Einzahlungen

Durch gezielte Kommunikation: oft in Form von persönlichen Nachrichten von „Account-Managern“: wird das Vertrauen weiter aufgebaut. Diese Manager versprechen VIP-Konten, Hebelboni von 1:500, garantierte Profite und exklusive Zugänge zu angeblichen IPO-Deals. Sie setzen Zeitlimits und schaffen künstliche Verknappung, indem sie behaupten, dass die Angebote nur für kurze Zeit verfügbar seien. Die Psychologie des „Sofortkaufens“ wird ausgenutzt, um die Anleger zu schnellen, größeren Einzahlungen von mehreren Tausend Euro zu bewegen.

4. Auszahlungswunsch und Forderung von Gebühren

Sobald ein Anleger seine Gewinne auszahlen möchte, wird plötzlich eine Reihe von Gebühren eingeführt.

  • Transaktionsgebühr
  • Steuervorauszahlung ans Finanzamt
  • Versicherungsgebühr gegen Transaktionsrisiko
  • KYC-Verifizierungsgebühr
  • Konto-Aktivierungsgebühr
  • Anti-Geldwäsche-Hinterlegung

Zahlen Sie diese Gebühren NICHT. Sie sind frei erfunden. Eine seriöse Bank oder ein lizenzierter Broker würde NIEMALS Auszahlungs-Gebühren in dieser Größenordnung verlangen, und schon gar keine Vorauszahlung vor Auszahlung. Seriöse Anbieter ziehen Kosten immer vom Guthaben ab, nie umgekehrt. Diese Gebühren sind ein klassisches Symptom, dass die angeblichen Gewinne nicht real sind und die Plattform lediglich versucht, zusätzliches Geld aus dem Opfer zu ziehen, bevor es überhaupt die Auszahlung erhält.

5. Recovery-Scam-Nachfolge

Nach ersten Verlusten treten häufig sogenannte „Recovery-Experten“ auf. Sie präsentieren sich als Anwälte, Krypto-Forensiker oder sogar als Beamte aus ausländischen Polizeibehörden. Sie versprechen, das Geld zurückzuholen, verlangen jedoch Vorauszahlungen für „Gebühren“, „Übersetzungen“ oder „Server-Zugriffe“. Hinter solchen Forderungen steckt meistens dieselbe Gruppe, die die ursprüngliche Masche betreibt. Echte Behörden oder Anwälte melden sich nie unaufgefordert über WhatsApp oder Telegram.

Das Netzwerk hinter tradeguideplt.org

Trade Guide Plt ist Teil eines Netzwerks von 47 weiteren Plattformen, die dieselbe Infrastruktur zu teilen scheinen. Solche Verbindungen sind typisch für Betrugsgruppen, die sich regelmäßig neu branden, um Aufsichtsbehörden zu umgehen. Die Gemeinsamkeiten in Namen, Design und Zahlungsoptionen deuten darauf hin, dass die Betreiber dieselben Hintermänner sind. Das Re-Branding ermöglicht es ihnen, nach einem Aufdeckungsfall sofort einen neuen Namen zu wählen und weiterhin die gleiche betrügerische Logik anzuwenden.

Was Betroffene jetzt tun sollten

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen leisten: Sobald ein Verdacht besteht, sollten Sie jegliche Transaktionen sofort stoppen.
  2. Belege sichern: Speichern Sie alle E-Mails, Nachrichten, Zahlungsnachweise und Screenshots der Plattform. Diese können später als Beweismaterial dienen.
  3. Kontaktieren Sie Ihre Bank oder Zahlungsanbieter: Melden Sie die Transaktionen und bitten Sie um Rückbuchung oder Sperrung der Konten, falls möglich.
  4. Erstatten Sie Strafanzeige: Wenden Sie sich an die örtliche Polizeidienststelle oder die Ermittlungsbehörde, die Finanzbetrug verfolgt. Geben Sie alle gesammelten Beweise an.
  5. Ignorieren Sie „Recovery-Scammer“: Beteiligen Sie sich nicht an kostenpflichtigen Wiederherstellungsversuchen. Seriöse Anwälte oder Behörden werden nicht per WhatsApp oder Telegram aufrufen.

Abschließende Empfehlung

Es ist verständlich, dass Sie nach einer schnellen Rendite suchen. Doch die Kombination aus fehlender Lizenz, anonymen Zahlungswegen und gefälschten Gewinnzahlen ist ein klares Signal. Vertrauen Sie nicht auf Versprechen ohne Nachweis, und handeln Sie rasch, um weitere Verluste zu verhindern.

Verdächtige Verbindungen: Seiten mit Gemeinsamkeiten zu Tradeguideplt

Unsere Auswertung zeigt, dass Tradeguideplt technische und strukturelle Verbindungen zu weiteren Seiten aufweist. Alle Seiten sind ähnlich aufgebaut und werden offenbar von denselben Verantwortlichen betrieben:

und 41 weitere technisch verbundene Seiten.

Geldverfolgung und Sperrung

Auch bei tradeguideplt.org gilt: Die Täter sitzen häufig im Ausland. Am wichtigsten ist deshalb, das Geld zu verfolgen, bevor es endgültig verloren ist. Zahlungen mittels Kryptowährungen lassen sich mit spezialisierter Software bis zu den Auszahlungs-Börsen verfolgen. In der Vergangenheit konnten wir damit bereits Gelder sperren, bevor es zu spät war. In mehreren Fällen konnten wir auf diesem Weg sogar Tätergruppierungen ausfindig machen.

In einem Fall konnten wir die Gelder bis zu einem Krypto-Zahlungsanbieter verfolgen, insgesamt wurden 52.000 € gesperrt. In einem anderen Fall hat ein Geschädigter zunächst 250 € investiert und nach weiteren Einzahlungen und angeblichen Gebühren am Ende 110.000 € gezahlt. Durch schnelles Handeln konnten wir auch hier eine Sperrung der Gelder erreichen.

Was mir die Erfahrung mit solchen Fällen zeigt: Schnelles Handeln ist extrem wichtig. Je früher die Spur aufgenommen wird, desto höher die Chance auf eine Sperrung. Wenn Sie betroffen sind, kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung.

Blockchain-Analyse zur Verfolgung von Krypto-Zahlungen bei tradeguideplt.org
Anton Haverkamp, ehemaliger Finanzermittler der Polizei

Über den Ermittler

Anton Haverkamp ist ehemaliger Finanzermittler einer Spezialeinheit der Polizei und war dort hauptverantwortlich für Kryptowährungen und die Nachverfolgung digitaler Zahlungen. In Zusammenarbeit mit dem LKA hat er zahlreiche Anlagebetrugs-Fälle bearbeitet und mit spezialisierter Software Geldflüsse bis zu den Verantwortlichen verfolgt.

Als studierter Wirtschaftsinformatiker und IT-Forensik-Experte berät er heute Opfer von Brokerbetrug und Krypto-Betrug sowie Kanzleien und Strafverfolgungsbehörden.

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